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Mittelpunkt der Kurstadt war einst als Modernisierung gedacht – bis heute ein Meilenstein

Der Pyrmonter Tempel

Bad Pyrmont. Jede Stadt hat dieses eine bedeutende Bauwerk, meist ist es ein historisches: Berlin hat das Brandenburger Tor, Hameln das Hochzeitshaus – und Bad Pyrmont hat seinen Brunnentempel und die Wandelhalle. Diese Gebäude bilden den Mittelpunkt des Kurortes Bad Pyrmont.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Dr. Dieter Alfter
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Mit dem Bau hat der in Hannover tätige Architekt Alfred Sasse (1870-1937) das Sinnbild für den Kurort Bad Pyrmont geschaffen. Beide Gebäude besitzen bis heute mit ihrer Tempelform, der dreischiffigen Basilika und den ägyptisierenden Säulen etwas von einem heiligen Ort, den dieser Ort ja auch in der Tat seit dem Brunnenfund aus dem ersten Jahrhundert auch wirklich besitzt.

Wie kam es einst zu dem Neubau am Brunnenplatz? Nach Ende des 1. Weltkrieges, am 16. Oktober 1921, ging die Herrschaft des Waldeckischen Fürstenhauses zu Ende. Die Bevölkerung des früheren Fürstentums Pyrmont entschied sich an diesem Tag für den Anschluss an Preußen. Am 1. April 1922 schied Pyrmont aus dem Waldeckischen Staatsverband aus, das Vermögen Pyrmonts, so auch das Bad, ging in den Besitz Preußens über. Die 1921 gegründete Bad Pyrmont-Aktiengesellschaft sollte nicht nur das Bad verwalten, sondern hatte auch Interesse daran, die Badeeinrichtungen insgesamt zu modernisieren.

Am 27. Mai 1922 wurde einstimmig entschieden, den Neubau des Brunnentempels und der Wandelhalle vorzubereiten. Endes des Jahres wurden 64 Entwürfe öffentlich vorgestellt und diskutiert. Schließlich ging es „um einen freien Ausblick von der Brunnenstraße über den Brunnenplatz durch die Straße Am Hylligen Born bis zum Kurpark“. Es ging auch darum, den Brunnenplatz zu vergrößern, der eine Zierde des Ortes werden sollte. In der Ausschreibung war festgelegt, dass die Wandelgänge eine Länge von 150 bis 170 Metern haben sollten, dazu Einzelräume für den Kurbetrieb und mindestens zehn Verkaufsläden.

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  • Luftbildaufnahme aus der Zeit nach 1924: Brunnentempel und Wandelhalle im Zentrum Bad Pyrmonts. Archiv

Architekt Sasse ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Seine Pläne sollten den traditionsreichen Kurort modernisieren, Grundsteinlegung war am 29. November 1923. Am 20. Juli 1924 fand in Anwesenheit vieler Ehrengäste die Einweihung statt. Schaut man auf die Luftbildaufnahme aus der Zeit nach 1924, dann wird sichtbar, wie Architekt Sasse ein Juwel in das Zentrum Bad Pyrmonts gesetzt hat. Die Wohn- und Logisgebäude rund um Brunnenplatz und Wandelhalle sind geprägt von der traditionellen Gestaltungswelt der Bäderarchitektur des 18. und 19. Jahrhundert. Sasses Werk wirkt daneben wie ein Bauwerk aus einer anderen Welt, wie eine Tempelanlage für die Pyrmonter Quellen. Dabei ist der Hyllige-Born-Tempel vor der Wandelhalle direkt auf die Mittelachse der Hauptallee ausgerichtet. Die Wandelganganlage erlaubt es aber auch, auch bei schlechtem Wetter das Wandeln im Gebäude selbst zu ermöglichen. Reizvoll ist dabei der Blick auf den Innenhof der Wandelhalle, in der seit 1925 die wunderbare Sitzfigur von Königin Luise inmitten schöner Blumenrabatten „residiert“.

Sasse ermöglichte mit dem Öffnen aller Türen zum Brunnenplatz eine enge Beziehung der Wandelhalle zum Tempel des Hylligen Borns und zur bereits 1668 angelegten Hauptallee. In der Wandelhalle gab es auf der westlichen Schmalseite der Wandelhalle die Ausgabestelle für 10 000 Gläser, auf der gegenüberliegenden Seite wählte der Kurgast aus 48 unterschiedlichen Heilwassern aus. Für die Kurgäste jener Zeit gehörten das Heilwassertrinken und das Spazierengehen in der Wandelhalle oder auf der Hauptallee wie selbstverständlich zusammen.

Die Baukosten für die Wandelhalle, die für 10 000 Menschen ausgelegt war, betrugen 1 696 400 Reichsmark. Der Weimarer Künstler Prof. Schmidt erzählte in Gestalt von Gemälden die reiche Historie von 2000 Jahren Badgeschichte.



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