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Firma unterschreibt Kaufvertrag „im Auftrag dänischer Investoren“ / Geschäftsführer mit Vergangenheit

Der nächste Käufer für die Bomberg-Klinik

Bad Pyrmont (uk). Seit nunmehr 13 Jahren steht die frühere Kurklinik am Bomberg leer. Jetzt gibt es einen Käufer, der den Gebäudekomplex einer neuen Nutzung zuführen will. Es ist die „Grundwert Thüringen GmbH“ (GWT) aus Hamm, die sich im wesentlichen mit der Vermittlung von Immobilien befasst. In ihrem Auftrag wird das Gebäude seit einigen Tagen für die erste Inspektion durch einen mögliche Erwerber und Betreiber in drei Wochen hergerichtet.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 07:21 Uhr

Eine Reinigungsfirma aus Bad Pyrmont richtet das Haus zurzeit he
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„Wir haben den Kaufvertrag mit der Eurohypo AG vergangene Woche unterschrieben“, so GWT-Geschäftsführer Dieter Vornhagen, der betont, lediglich im Auftrag einer dänischen Investorengruppe tätig zu sein, die das Gebäude für eine „Kurzzeitaltenpflege auf gehobenem Niveau“ in Betracht ziehe. Zur möglichen Konstellation gehörten auch kosmetische Operationen.

An dem noch voll eingerichteten Gebäude hat der Zahn der Zeit genagt. Es wurde in den 60er Jahren als Hotel konzipiert, dann in drei Bauabschnitten bis in die 80er Jahre erweitert und bis zum Konkurs im Kurkrisenjahr 1996 von der Metzlaff KG als Fachklinik für Rheumatologie und Innere Medizin betrieben. Den Sanierungsbedarf beziffert Vornhagen auf mehr als 3 Millionen Euro. Bis Ende Februar sollen die Architekten geklärt haben, was genau gemacht werden muss, „besonders unter dem Gesichtspunkt einer größeren Umnutzung“, wie Vornhagen betont. Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern, die zuletzt im Raum stehende Summe von 250 000 Euro sei aber nicht ausreichend.

Der GWT-Geschäftsführer hat sich sowohl bei Bürgermeisterin Roeder als auch bei Kurdirektor Blome angekündigt, um sie über die Pläne für die frühere Klinik zu informieren. „Wir sind natürlich froh über alle Aktivitäten“, so Blome. „Aber ich gestehe, dass Altenpflege in dem Haus nicht zu meinen Favoriten zählt.“ Er sähe am liebsten eine touristische Nutzung im weitesten Sinne. Bürgermeisterin Roeder wäre zwar ein Vier-Sterne-Hotel am liebsten, aber sie will nicht von vornherein bestimmte Nutzungen ausschließen. „Ich höre mir erst einmal an, was Herr Vornhagen zu berichten hat. Ich freue mich jedenfalls, dass Bewegung in die Angelegenheit kommt. Es wäre ein Leerstand weniger.“

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Noch ist es nicht soweit. In den vergangenen Jahren waren mehrere Interessenten und sogar vermeintliche Käufer für die alte Kurklinik in Bad Pyrmont vorstellig geworden. Zuletzt wollte vor vier Jahren ein holländischer Investor daraus ein 250-Betten-Hotel machen. Doch die Gespräche verliefen im Sand.

Eigentümer der Immobilie ist die Eurohypo AG in Eschborn. Dort bestätigt man zwar den Kaufvertrag, dämpft aber allzugroße Erwartungen, angesichts früherer Erfahrungen mit dem Haus. „Rechts und links ist noch einiges zu erledigen“, so ein Sprecher. „Endgültig verkauft ist es erst, wenn das Geld auf dem Konto ist.“ Vornhagen spricht seinerseits von „unglaublich gravierenden technischen Grundbuchfehlern“ der Bank, die es zu bewältigen gelte.

Der 58-jährige Geschäftsmann aus Dortmund, der sein Vermögen vor allem mit Immobilien verdient hat, ist kein unbeschriebenes Blatt. Er wurde vor einigen Jahren in Brandenburg bekannt, als er den ehemaligen NVA-Flugplatz Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) kaufte, von wo aus die Billigfluglinie Ryanair Ziele in Deutschland anfliegen sollte. Für Schlagzeilen sorgte Vornhagen auch, als ihn 2007 das Landgericht Rostock zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und der Zahlung von 14 000 Euro Geldstrafe verurteilte, weil er zwischen 2000 und 2004 in Mecklenburg-Vorpommern eine Million Euro Fördergelder veruntreut hat. Vornhagen, der die Strafe nicht absitzen musste, nennt das alles „Schnee von gestern“. Sein Flugplatz musste kurz nach seiner Einweisung in U-Haft 2007 Konkurs anmelden und wurde verkauft – an eine dänische Investorengruppe.

Übrigens will er auf dem Dach der Bomberg-Klinik in der Adventszeit einen Weinnachtstern, der in dem Gebäude gefunden wurde, leuchten lassen – sozusagen als Zeichen der Hoffnung.

Als hätten die Gäste das Haus erst gestern verlassen: Die alte Kurklinik ist voll eingerichtet, nicht nur das Kaminzimmer. Bewacht wird es darum auch von einem Sicherheitsdienst.

Fotos: ein

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