weather-image
23°

Die Stiftung der fusionierten Ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Pyrmont ist eine Erfolgsgeschichte

Der Klingelbeutel alleine tut’s nicht mehr

BAD PYRMONT. Der Klingelbeutel alleine tut es nicht mehr, wenn Kirchengemeinden Geld für besondere Zwecke einsammeln wollen. Aus einer gemeinsamen Stiftung finanziert die Ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Pyrmont vieles, was sie sich sonst nicht leisten könnte. Die Stiftung hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

veröffentlicht am 16.04.2019 um 13:28 Uhr
aktualisiert am 16.04.2019 um 14:10 Uhr

Der Klingelbeutel gehört zwar bei jedem Gottesdienst zur Kollekte, doch bei Stiftungen geht es um andere Summen. Foto: dpa

Autor:

Klaus Titze und Hans-Ulrich Kilian
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das wurde deutlich, als jüngst zum ersten Mal in Bad Pyrmont der „Fundraising-Stammtisch“ im Oesdorfer Gemeindehaus stattfand. Diese Treffen finden regelmäßig an unterschiedlichen Orten im Kirchenkreis statt. In lockerer Runde tauschen Vertreter der Kirchengemeinden ihre Erfahrungen über Fundraising aus. Eigentlich hat es Fundraising schon immer gegeben, nur der englische Begriff und die Professionalisierung sind neu. Es geht darum, Spenden beziehungsweise Kapital (funds) für gemeinwohlorientierte Organisationen zu beschaffen (to raise), die in der Regel an keine Gegenleistungen gebunden sind. In Deutschland wurde der Begriff Ende der 1980er Jahre professionalisiert.

Den Erfahrungsaustausch hält der Stiftungsvorsitzende Dr. Dieter Alfter für wichtig: „Es wäre schön und ein toller Erfolg, wenn nicht die Pyrmonter Kirchengemeinde für sich bliebe, sondern mit den anderen im Landkreis ein Netzwerk bilden könnte, sodass wir einander helfen und voneinander profitieren. Darauf werden wir in Zukunft noch mehr angewiesen sein.“

Wir müssen einander helfen. Darauf werden wir in Zukunft mehr angewiesen sein.

Dr. Dieter Alfter, Sitftungsvorsitzender

Die Fusion der Kirchengemeinde vor drei Jahren war schwer genug, die Zusammenführung der Stiftungen war es nicht minder. „Doch im Endergebnis haben wir eine absolut zufriedenstellende Lösung gefunden, da auf die Eigenständigkeit der gemeindlichen Stiftungen geachtet worden ist“, zog Alfter jetzt eine erste Bilanz. 10 Prozent aus jedem Stiftungskapital sei in einen fünften Kapitaltopf geflossen, dessen Erlöse gemeinsamen Projekten dienen. Das waren zum Beispiel Kirchenmusikonzerte, der Pyrmonter Orgelfrühling, Studienfahrten oder die Unterstützung der Konfirmandenfahrten, um nur wenige Beispiele zu nennen. „So bleibt es auch einzelnen Gemeindemitgliedern weiterhin möglich, speziell ihre Gemeindestiftung zu fördern. Das schafft und bewahrt Identität mit dem eigenen Wohn- und Lebensumfeld, nimmt somit Rücksicht auf die Wurzeln der Gemeindeglieder,“ erläutert der Stiftungsvorsitzende.

Dabei schaue der Vorstand mit Blick auf den fünften Topf immer wieder nach nebenan und sei für die Wünsche und Projekte der einzelnen Kirchenbezirke aufgeschlossen. Allerdings sei durch das anhaltend niedrige Zinsniveau der Förderspielraum eingeschränkt, zumal das Stammkapital unangetastet bleibt und nur die Erträge verwendet werden. Im vergangenen Jahr standen für die verschiedensten Zwecke aus allen fünf Töpfen zusammen dennoch rund 60 000 Euro zur Verfügung. Darin sind auch anteilige Personalkosten oder für Baumaßnahmen wie die Herrichtung des Oesdorfer Kirchplatzes enthalten. „Der Stiftungsvorstand macht Vorschläge für die Verwendung der Stiftungserträge, und der Kirchenvorstand entscheidet darüber“, erläutert Alfter das Prozedere. Bislang sei den Empfehlungen aber immer gefolgt worden. Gemanaget wird das Kapital vom Kirchenkreisamt in Hameln. Im Fall von Oesdorf macht das rund 1,1 Millionen Euro aus. Und immer wieder gibt es auch Zustiftungen – etwa aus Testamenten.

Zur Stiftung passt das Fundraising-Konzept, über das Ideen produziert und ausgestaltet werden, um zusätzliche Finanzmittel zu generieren. Nach dem Weggang der früheren Spezialistin der Stiftung für Fundraising sind die Pyrmonter aktuell auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Als besonders erfolgreiches Beispiel für das Einwerben von Spenden nennt Alfter die frühere Kirchengemeinde in Neersen. Dem damaligen Pastor Joachim Wittchen sei es auf diese Weise gelungen, die Orgel der Paulus-Kirche restaurieren zu lassen. Dabei sei auch deutlich geworden, dass die Menschen eher bereit seien, für ein konkretes Projekt zu spenden.

Information

Beim Geld hört die Freundschaft auf

Getreu nach dem Motto „Beim Geld hört die Freundschaft auf“ konnten alle vier ehemaligen Pyrmonter Kirchengemeinden ihre Stiftungen behalten. Die Stadtkirche, St. Petri Oesdorf, St. Johannes Holzhausen/Hagen und Paulus Neersen hatten bis zu ihrer Fusion vor drei Jahren jeweils eigene Stiftungen, die dann unter das Dach einer einzigen Stiftung geschlüpft sind. Dabei ist jede Stiftung mit ihrem ursprünglichen Zweck als besonderer „Topf“ erhalten geblieben, nachdem sie 10 Prozent in einen fünften Topf abgegeben hatte, der die Förderung der Arbeit in der neu entstandenen Kirchengemeinde als Stiftungszweck hat. Zu den Schwerpunkten gehört die Förderung von Kinder- und Jugendarbeit, Kirchenmusik, Seniorenarbeit, Vorträgen, Exkursionen, Erhalt kirchlicher Gebäude, seelsorgerische Arbeit und Diakonie.

Zum Stiftungvorstand gehören Dr. Dieter Alfter, Michael Langer, Bettina Burkhardt, Anja Grages, Marc Zöllner, Dr. Hans-Joachim Eichler-Steinhauff, Eva-Maria Luther und Marcus Maiser. Die Bezirke, in denen die Stiftungserträge verwendet werden sollen, sind von mindestens einer Person vertreten. Die Kontonummer der Stiftung der Ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Pyrmont bei der Stadtsparkasse Bad Pyrmont lautet: DE 76 2545 1345 0000 0011 23ti



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?