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In der Krise macht die Phoenix-Belegschaft völlig neue Erfahrungen – bleibt aber optimistisch

„Der große Tanker braucht Sprit, um zu fahren“

Bad Pyrmont. Nach und nach verlassen die Mitarbeiter das Phoenix-Gebäude an der Dringenauer Straße und gehen mit der Nachricht des Tages in den Feierabend: Kurzarbeit für alle Bereiche des Unternehmens. Das hatten ihnen Geschäftsführung und Betriebsrat kurz zuvor mitgeteilt. Diesmal betrifft es auch im Werk Pyrmont nicht nur 27 Mitarbeiter wie noch im Februar. Dennoch ist Optimismus der Grundtenor unter den Angestellten, immerhin geht es noch nicht um Kündigungen.

veröffentlicht am 02.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 12:21 Uhr

Der Optimismus an der Dringenauer Straße ist noch ungebrochen. I

Autor:

Julia Henke undHans-Ulrich Kilian
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„Was kann man da auch anderes machen, als optimistisch zu bleiben“, meint der Entwicklungsingenieur Jörg Hagemann. Er ist sich sicher, dass nur im schlechtesten Fall die Kurzarbeit bis zum Ende des Jahres durchgeführt werde. Tim Wenig vom technischen Support hat „vollstes Vertrauen“ in seinen Arbeitgeber. „Bei uns wird das ganz gut gehändelt“, sagt er.

Abschied vom Wachstum in zweistelliger Höhe

Auch der Elektroingenieur Matthias Klocke zeigt sich ganz zuversichtlich. „Mich persönlich trifft die Kurzarbeit nicht so sehr, aber wenn man eine Familie und Kinder hat und eventuell noch ein Haus abbezahlen muss, sieht das vielleicht ein bisschen anders aus.“ Die Kurzarbeit einzuführen, hält er aber für ganz „vernünftig, wenn nicht so viel zu tun ist“. Bevor die Firma Personal entließe, sei dies die bessere Lösung.

Zustimmung kommt in dieser Hinsicht auch von Thomas Hirsch: „Ein Tag Kurzarbeit ist wohl für jeden zu ertragen, solange es nicht mehr wird.“ Zwar sei die Situation für alle Beteiligten „nicht schön“, aber bei der „derzeitigen Auftragslage ist das eine Maßnahme, die getragen werden kann“.

Schlechte Nachrichten sind für die Phoenix-Belegschaft eine völlig neue Erfahrung, denn über Jahre fuhr das weltweit agierende Unternehmen auf zweistelligem Wachstumskurs, überschritt mit dem Umsatz vor zwei Jahren sogar die Milliarde-Marke. Im Sog deutscher Maschinenbauer konnte der Automatisierungsexperte glänzende Geschäfte machen. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise hat die exportorientierte Branche mit einem Rekordeinbruch zu kämpfen, allein im Februar um fast 50 Prozent. Noch im vergangenen Jahr konnte die zehnprozentige Umsatzerwartung erfüllt werden. Die Phoenix-Führung, die noch im Februar glaubte, mit Kurzarbeit auszukommen, die sich auf Bereiche der Produktion beschränkt, hat ihre optimistischen Erwartungen auf Eis gelegt und muss nun entsprechend nachsteuern. „Im ersten Schritt ging es um die Kapazitätssenkung, jetzt im zweiten um Kosteneinsparungen und Liquiditätssicherung“, macht Phoenix-Sprecherin Angela Josephs deutlich. „Das ist für ein Unternehmen, das wie unseres zu 100 Prozent eigenfinanziert ist, sehr wichtig. Der große Tanker braucht eben Sprit, um weiter fahren zu können.“

Und es wird gefahren. Auf der Industriemesse in Hannover in wenigen Wochen wird sich Phoenix Contact wie gewohnt engagieren. „Wir haben den drittgrößten Stand unter 6000 Ausstellern“, so Josephs. Und auch der Vertrieb und die Entwicklung arbeiten nicht kürzer, sondern legen Zusatzschichten ein. Und dann gibt es dort noch Märkte außerhalb Deutschlands, auf denen die Blomberger Töchter noch gutes Geld verdienen können. Südafrika gehört ebenso dazu wie zum Beispiel Luxemburg oder Korea. „Diese Märkte prosperieren dank der Nachfrage nach regenerativer Energie“, so Josephs. Immerhin gibt es zumindest zarte Pflänzchen der Hoffnung. Der Verband Deutscher Maschinenbauer sieht Anzeichen dafür, dass die Auftragsrückgänge ab Mai nicht mehr so dramatisch sein könnten und in Asien sei eine leichte Nachfrageerholung festzustellen.



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