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Andreas Rebers in Bad Pyrmont

Der Fallgrubensteller

BAD PYRMONT. Er ist gnadenlos politisch: Der Kabarettist Andreas Rebers empört sich im Pyrmonter Konzerthaus über das System und bekommt Beifall für jeden Gag.

veröffentlicht am 19.11.2017 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 19.11.2017 um 17:00 Uhr

„Seien Sie misstrauisch“: Andreas Rebers im Konzerthaus. Foto: yt
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Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
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Er singt von Merkel als der Sphinx von Berlin, vergleicht Trump mit Barny Geröllheimer. Er lästert über radelnde Männer und Frauen, die in ihrer Funktionskleidung erbärmlich aussehen und das Ganze noch mit albernen Helmen toppen. Er kalauert über dicke Kinder aus bildungsfernen Schichten, die ulkig am Barren hängen. Und Andreas Rebers bekommt im gut besuchten Konzerthaus Beifall für jeden Gag.

Damit lockt er die Gäste allerdings nur auf eine falsche Fährte. Denn auch wenn er über Klaus Kleber, Anne Will oder Caren Miosga albert, eigentlich sind sie es noch nicht einmal wert über sie zu lachen. Es ist das System, über das sich Rebers empört: „Ich will entweder unterhalten oder informiert werden.“ Bei ARD und ZDF werde bestenfalls abgelenkt von dem, was wirklich passiert: Die Eliten sind die, die eben nicht vorkommen in diesen Nachrichten und Talkshows. Die unterstützen nur diejenigen, die Gebrauch machen wollen von ihrem Recht auf Nichtwissen.

Rebers stellt Fallgruben auf für sein Publikum, lässt es applaudieren zu Sprüchen wie: „Merkel ist dafür zuständig, dass die Geschäfte morgens aufmachen; die SPD dafür, dass sie wieder zumachen; die FDP dafür, dass das nicht zu früh geschieht; und die Grünen dafür, dass auch ein Müsli-Riegel im Sortiment ist.“

Kaum sind die Gäste klatschend aufgeschlagen, geht’s ans Eingemachte. „Die Moderatoren von Journalen und Shows wollen mich erziehen, ich will aber informiert werden.“ So fragt er beispielsweise, wie man sich positionieren soll zum Terror. Hier werden einerseits Täter zu Opfern gemacht, indem man auf deren Herkunft und soziale Umstände zeigt. Die haben doch gar keine Alternative. „Zu was?“ Was sind die Gründe des Terrors? „Das sind persönliche Entscheidungen.“, bietet Rebers als Erklärungsmodell an. Aber er hat sein Publikum gewarnt: „Seid misstrauisch!“ Denn das Misstrauen mache die Menschen zu besseren Demokraten, erklärt er.

Und er hat ein weiteres Modell: Radikalisierung entstehe entgegen allgemeiner Auffassung eben nicht an den Rädern der Gesellschaft. „Faschismus ist nur tragbar, wenn er aus der gesellschaftlichen Mitte kommt.“ Katrin Göring-Eckardt von den Grünen tönt: „Nur ein schlechtes Gewissen ist ein gutes Gewissen.“ Daraus könne man folgern, dass die Grünen die Antipode der AfD seien, „vielleicht aber auch, der Grund für die AfD“, gibt Rebers zu bedenken.

Dann malt Rebers das Bild, wie er mit einem Flüchtling durch die Fußgängerzone einer deutschen Metropole zieht. Der Mercedes-Chef sprach angesichts der Flüchtlinge ja von einem heraufziehenden Wirtschaftswunder. „Und Mercedes hat ja auch 9 (9 !) Flüchtlinge eingestellt.“ Und er zeigt dem Flüchtling die edlen Geschäfte und eine elegante Frau mit roter Tüte. „Nein, darin ist kein Parfum, keine Delikatesse. Es ist Hundescheiße!“ Und er fragt in die sich vor Lachen den Bauch haltenden Gäste: „Wie soll man jemandem aus dem Rest der Welt erklären, dass wir Hundescheiße durch die Gegend tragen?“ Lustig aber irrelevant. Und so betont er zum Schluss: „Seien Sie misstrauisch.“

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