weather-image
Wie geht es weiter am Altenauplatz?

Der Bauherr und seine Widersacher

BAD PYRMONT. Die Lage ist vertrackt. Auf der einen Seite steht Dieter Hilpert, der am Altenauplatz zwei alte Häuser abreißen und durch ein „Stadtpalais“ ersetzen will. Auf der anderen Seite haben sich Nachbarn positioniert, die ihre Bedenken gegen den Neubau in einem Brief an die Stadt geäußert haben und sich von dem Unternehmer aus Lügde an den Pranger gestellt sahen, weil er ihnen auf einem großen Schild Verhinderung vorwirft. Die damals veröffentlichten Namen der Briefunterzeichner sind mittlerweile abgedeckt. Dass Hilpert sich, wie die Polizei bestätigt, deswegen eine Strafanzeige „wegen allerlei möglichen Delikte“ eingehandelt hat, macht die Stimmung nicht besser.

veröffentlicht am 30.05.2016 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

270_0900_273_pn109_3105.jpg

Autor:

Hans-Ulrich Kilian
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dazwischen steht die Verwaltung, die das Verfahren gerne zu einem erfolgreichen Abschluss bringen möchte. Baudezernent Matthäus Schmitt sieht die Anlieger aber keineswegs als Verhinderer. „Das ist ein ganz normaler Prozess und wir sind froh, dass wir Stellungnahmen bekommen haben“, nahm er jetzt öffentlich die, wie er betonte, „mündigen Bürger“ in Schutz. Zwei Dinge seien dabei ganz besonders wichtig: Zum einen der Schutz der Heilquellen, zum anderen die Sicherung der benachbarten Häuser. Laut Schmitt haben die Planer des Bauherren bereits reagiert, den Baukörper verkleinert und die Bodeneingriffstiefe verringert. Geplant sei eine Tiefgarage in Höhe des vorhandenen Kellers mit reduzierter Höhe. „Das wirkt sich positiv auf die Quellen und die Nachbargebäude aus“, so der Baudezernent. Belegt werden soll das mit einem hydrologischen Gutachten, das Teil der Bauleitplanung sein soll (wir berichteten) der Stadt aber noch nicht vorliegt. Ziel sei es, unter dem Gebäude auch eine Tiefgarage unterzubringen, allerdings nur auf dem Niveau des in der Höhe reduzierten vorhandenen Kellergeschosses.

Dieter Hilpert bestätigt gegenüber dieser Zeitung die Änderung der Pläne, spricht aber von „rein optischen Gründen“. Außerdem sei damit die Möglichkeit für eine Zufahrt zum hinteren Grundstückteil geschaffen worden. Ansonsten ist er ziemlich sauer auf die Absender des Briefes an die Stadt. „In dem Schreiben werden falsche Behauptungen aufgestellt, und Bürgermeister Blome hat mir eine öffentliche Klarstellung zugesagt, das ist bis heute nicht geschehen“, so Hilpert verärgert. Konkret geht es um einen Bagger, der angeblich noch in einer in den 90er Jahren versunkenen Baugrube am Posthof liegt und die Behauptung, bei den Häusern, die Hilpert am Altenauplatz abreißen lassen will, gebe es keinen Keller. „Was den Keller angeht, hat Herr Hilpert Recht, und an einen versunkenen Bagger kann sich niemand erinnern“, so der Bürgermeister. Im übrigens werde allen Hinweise im Verfahren nachgegangen und alle Fragen qualifiziert beantwortet.

Im gegenwärtigen Bauleitverfahren sieht Hilpert lediglich noch einige Formalien zu bearbeiten. „Ich habe keinen Grund, das zu bremsen“, sagt er. Zu den „Formalien“ gehört auch der Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit der Stadt als Grundlage für den weiteren Fortgang. In dem Vertrag soll auch die Frage geregelt werden, wer die Gestaltung des in die Pläne einbezogenen Altenauplatzes bezahlt. Immerhin sollen Kosten in Höhe von 250 000 Euro im Raum stehen. Hilpert will nicht zahlen, die Stadtverwaltung lehnt ebenfalls ab und hat sich vergangene Woche dafür einstimmig die Rückendeckung der Politik geholt. „Warum soll ich für etwas bezahlen, was mir nicht gehört“, so Hilpert, der bei der ersten Vorstellung seiner Pläne im Juni 2015 angekündigt hatte, sich an den Kosten zumindest zu beteiligen. „Wir haben das Geld schlicht nicht“, hält Blome dagegen. Mit seiner Haltung in dieser Frage hat Hilpert auch Politiker, die ihm damals Begeisterung entgegengebracht hatten und nach wie vor gerne eine Umsetzung seiner Pläne sähen, verärgert.

Der Bauherr versichert, dass ihm von Anfang an bewusst gewesen sei, wie sensibel der Untergrund in Bad Pyrmont sei. „Ich bin doch kein Hasardeur. Ich habe bislang 40 000 Euro für Bodengutachten ausgegeben, um jedes Risiko auszuschließen“, sagt er. Er sei auf die nächsten Schritte neugierig. „Das Haus ist kein Renditeobjekt, es soll mir Spaß machen, schließlich will ich selber dort wohnen. Doch der Spaß ist mir zurzeit vergangen“, grollt der Unternehmer. „Solange die falschen Behauptungen unwidersprochen im Raumstehen, so lange mache ich nicht weiter.“ Gemeint sei damit der Neubau selber.

Der Baudezernent geht davon aus, dass das Bauleitverfahren im dritten Quartal 2016 fortgesetzt wird. Die Nachbarn sind nach wie vor skeptisch. „So lange wir nichts Konkreteres wissen, wird sich das auch nicht ändern“, meint Wolfgang Bennefeld, einer der Briefunterzeichner.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare