weather-image
27°
Fotos der Lichtensteins gelangten über Hamelner Historiker ins Stadtarchiv

Deportierter Familie ein Gesicht geben

BAD PYRMONT. Während der Regimezeit der Nationalsozialisten war die Pension der Familie Lichtenstein in der Bahnhofstraße 51 zum sogenannten Judenhaus deklariert worden. Laura Lichtenstein, die Pensionsinhaberin, stand zum Zeitpunkt ihrer Deportation kurz vor ihrem 80. Geburtstag, und ihren beiden erwachsenen Töchtern Hedwig und Berta.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 17:26 Uhr

Bernhard Gelderblom (li.) hat einen kleinen fotografischen Schatzdem Stadtarchiv überreicht. Foto: ti
Avatar2

Autor

Klaus Titze Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Während ihre beiden jüngeren Töchter Hedwig und Berta im Warschauer Ghetto umkamen, ist der Tod der Mutter in Theresienstadt dokumentiert. Da es nach dem Krieg amtlicherseits festgestellt keine überlebenden Nachkommen der Lichtensteins gab, erfolgte der Verkauf des Hauses über die Jewish Trust Corperation, die unter anderem den Nachlass vieler ermordeter Juden organisierte. Von Lichtensteins existierten längere Zeit keine Spuren mehr, bis die Nachforschungen von dem inzwischen verstorbenen Manfred Willeke für sein 2013 erschienenes Buch drei Fotos von der Familie zutage förderten. Diese wenigen bildlichen Erinnerungen sind nun eher zufällig erweitert worden. Die jüdische Gemeinde Rostock übersandte dem Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom ein kleines Fotoalbum, indem sich unter anderen auch Fotos von der Familie Lichtenstein befinden. Aus dem Begleitschreiben geht hervor, dass Lichtensteins vor ihrer Deportation diese Fotos einer Carla Deppe zur Aufbewahrung gegeben hatten. Deppe wurde 1925 in Bad Pyrmont geboren und wohnte in der Luisenstraße 10. Welche Verbindung zu Lichtensteins bestand, ist nicht bekannt. Nach ihrer Heirat mit Erwin Wolter zog sie nach Kieve an die Mecklenburgische Seenplatte. Ihr Enkel hat nun ihren Wunsch erfüllt, das Album einer jüdischen Gemeinde zu übergeben und er hatte hierfür die in Rostock erwählt. Da diese mit ihren Nachforschungen nicht weiterkamen, landete das Album schließlich in Hameln. Gelderblom nun hat die kleine Fotosammlung wieder in die Stadt gebracht, in der die abgebildete Familie lebte. „Das ist eine wirklich interessante Reise, die dieses Fotos machten, um nun hier im Archiv zugänglich gemacht zu werden“, freut sich Dr. Dieter Alfter über. Neben der namentlichen Erinnerung könne man sich nun auch ein Bild davon machen, um welche Personen es sich handelt, wie sie aussahen, sich kleideten und ein wenig aus ihrem persönlichen Umfeld erfahren.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare