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BFW-Chef Jörg Barlsen spricht von deutlich besseren Anmeldezahlen und Aufbruchstimmung

Den Stier bei den Hörnern gepackt

Bad Pyrmont. Die Arbeitswelt ändert sich ständig. Die Anforderungen an die Beschäftigten werden größer, die Menschen werden älter und die Zahl derer, die wegen gesundheitlicher Probleme ihren Beruf nicht mehr ausüben können, wächst. Dazu kommt noch der Fachkräftemangel. Eigentlich sind das gute Rahmenbedingungen für das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont, das Menschen hilft, eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. Doch hinter dem BFW liegen schwierige Jahre, die Zahl der Umschüler ist bis Mitte der 2000er Jahre deutlich zurückgegangen. Erst seit Anfang dieses Jahres geht es wieder aufwärts, wie am „Tag der offenen Tür am Freitag“ deutlich wurde. „Wir haben deutlich bessere Anmeldezahlen“, berichtete Geschäftsführer Jörg Barlsen.

veröffentlicht am 05.09.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:21 Uhr

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350 Umschüler werden zurzeit in Bad Pyrmont betreut, vor gut zehn Jahren waren es noch über 700, aktuell hat die Einrichtung 600 Plätze. Das BFW hat mit einem deutlichen Personalabbau (aktuell 110 Mitarbeiter) und einer Zusammenlegung mit dem BFW Weser-Ems auf die wirtschaftliche Situation reagiert. Pro Umschüler, der nicht kommt, fehlen dem BFW monatlich rund 2230 Euro. Bei einer Ausbildungszeit von zwei Jahren macht das eine Summe von 53 520 Euro. Auch wenn man in der Einrichtung davon spricht, dass die Zahl von 350 Umschülern annähernd wirtschaftlich und die Personalstärke darauf abgestimmt sei, so ist man dennoch intensiv bemüht, die Zahl zu heben, sucht den Kontakt mit Kostenträger und präsentiert sich auf Jobbörsen.

Mit dem Pilotprojekt „JOBINN“ (INN steht für Integrations-Netzwerk-Nord), an dem sich insgesamt fünf BFWs beteiligen, geht man neue Wege. „Wir haben den Stier bei den Hörnern gepackt und den Kostenträgern – bislang sind dies vier regionale Rentenversicherungen – eine Lösung für ein Problem angeboten, von dem sie noch gar nicht wussten, das sie es haben – den demografischen Wandel“, so Barlsen. „Früher ging es um die Ausbildung als Mittel zum Zweck, heute geht es darum, die Menschen möglichst schnell wieder in Arbeit zu bringen.“ Mit „individuellen und passgenauen“ Förderangeboten, die höchstens neun Monaten dauern und stärker berücksichtigen, welche Erfahrung und Ausbildung der Einzelne mitbringt, soll „JOBINN“ das erreichen. „Unser Ziel ist es, 80 Prozent der Umschüler auf diese Weise im Arbeitsmarkt zu integrieren, zurzeit sind wir schon bei 50 Prozent“, so Barlsen. Fest stehe, dass das Projekt fortgesetzt werde, mittlerweile hätten auch die Berufsgenossenschaften und die Bundesanstalt für Arbeit Interesse gezeigt. „Hier herrscht Aufbruchstimmung“, schwärmt der BFW-Chef.

Darüber hinaus bietet das BFW Ausbildungen in etwa 20 Berufen an – vom Tourismuskaufmann über den Schuhmacher bis zum Mediengestalter. „Wir haben Integrationsquoten von 80 Prozent. Bei den technischen Berufen sind es sogar 100 Prozent, manchmal haben wir Sorgen, dass diese Umschüler nicht bis zum Schluss ihrer Ausbildung bleiben, weil sie vorher abgeworben werden.“

Ein Problem war die mit 35 Prozent relativ hohe Abbruchquote. Mit einem „Verhinderungsmanagement“ konnte sie laut Barlsen in zwei Jahren auf 15 Prozent gesenkt werden. Damit ist man wieder beim Stand von vor neun Jahren angelangt.

Immer weniger Umschüler nutzen die Internatsunterbringung, weil sie eine wohnortnahe Unterbringung vorziehen. Das ist auch für die Kostenträger günstiger. Doch was wird aus den nicht mehr benötigten Zimmern? „Einer der zwei Wohntürme ist eigentlich überflüssig“, sagt Barlsen. Zurzeit werde der Immobilienbestand überprüft, eine Entscheidung stehe aber noch aus.



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