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Beeindruckendes Theaterstück zur Eröffnung der Alzheimerwochen

Demenz hautnah erlebt

BAD PYRMONT. Es war ein ungewöhnliches und auch schwieriges Theaterstück, das sich das Netzwerk „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ zur Eröffnung der landkreisweiten Alzheimerwochen im Bathildiskrankenhaus ausgesucht hatte. „Du bist meine Mutter“, aufgeführt von der Bühne „Das Theater“ in Köln, beleuchtet die schwierige Beziehung einer Tochter zu ihrer im Heim lebenden dementen Mutter. Das Besondere daran: Beide Rollen werden von der selben Person verkörpert.

veröffentlicht am 15.09.2017 um 15:12 Uhr
aktualisiert am 15.09.2017 um 16:40 Uhr

In einer Doppelrolle als demente Mutter (auf dem Foto) und ihre Tochter beeindruckte und berührte Gisela Nohl. Foto: hei
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Autor

Karin Heininger Reporterin
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1981 wurde das Stück von Joop Admiraal am Amsterdamer Werktheater uraufgeführt, mit dem Autor in der Doppelrolle des Sohnes und der Mutter. Auch hier in Bad Pyrmont wurde es schon einmal von einem männlichen Darsteller verkörpert. Dieses Mal war es eine Tochter, die ihre Mutter im Heim besucht, beides dargestellt von Gisela Nohl. Eine außergewöhnliche Leistung der Schauspielerin, die innerhalb von Sekunden die Seiten wechseln muss.

Auf der einen Seite die forsche, aber auch empathische Tochter, die liebevoll mit der Mutter umgeht und deren Gefühlsausbrüche und Gedankensprünge geduldig auffängt. Auf der anderen Seite die verwirrte Mutter, für die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen, die selig ihren Schokoladenpudding löffelt und immer wieder nach ihren längst schon gestorbenen Geschwistern fragt. Da wirkt nichts übertrieben oder „gespielt“, sondern alles authentisch im Verhalten eines dementen Menschen.

Dabei wird das schnell wechselnde Rollenspiel, das eine ungeheure Konzentration erfordert, von der Darstellerin mit kleinen Nuancen, aber wirkungsvoll markiert: Die brüchige Stimme, die zitternde rechte Hand, die gebückte Haltung formen die Gestalt der Mutter, die selbstbewusste Haltung und das freundliche Lächeln die der Tochter. Manchmal etwas zu freundlich: Ein wenig genervt an manchen Stellen hätte durchaus glaubwürdig gewirkt. Mit der sorgfältigen, einfühlsamen Regie von Bernd Rieser und der beeindruckenden, oft anrührenden Darstellung von Gisela Nohl war es ein nachhaltig wirkender Theaterabend.

Im Krankenhaus verteilt waren auch Gemälde zu sehen, die kürzlich in einer Aktion in der Brunnenstraße Passanten gemalt haben (wir berichteten). Sie wurden nach einer Technik gestaltet, die Bernd Weydemann aus Hameln entwickelt hat. Der frühere Lufthansa-Manager und jetzige ehrenamtliche Mitarbeiter im Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises will durch diese Technik unter anderem Menschen mit Demenz die Möglichkeit geben, selbst noch Bilder zu schaffen. Wie Betroffene und Nichtbetroffene Bilder dieser Art gestaltet haben, ist ab 21. September, dem Welt-Alzheimertag, im Hamelner Kreishaus zu sehen. Und auch im Bathildiskrankenhaus sind die Pyrmonter Ergebnisse der Aktion noch eine Zeit lang ausgestellt.

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