weather-image
20°
Früherer Landesbischof zu Gast bei den Freimaurern / Packender Vortrag über Luther

„Das war ein Erdbeben“

BAD PYRMONT. Ein fulminanter Vortrag des ehemaligen Landesbischofs und jetzigen Abtes des Klosters zu Loccum, Horst Hirschler, begeisterte am Dienstagabend die zahlreichen Interessierten in der Bauhütte der Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Quellen“.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 16:16 Uhr

Landesbischof a. D. Horst Hirschler zeichnete ein plastisches Bild von dem Reformator Luther. Foto: rr
Avatar2

Autor

Rudi Rudolph Reporter
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Ingo Neumann als amtierender Meister vom Stuhl eingangs feststellte, ist die Loge weder Religionsgemeinschaft noch Religionsersatz. Sie verwendet allerdings Symbole, die der religiösen Welt entlehnt sind, wie beispielsweise das Symbol des „Großen Baumeisters aller Welten“, doch ist damit kein eigener Gottesbegriff verbunden.

„Freimaurer und Luther hatte ich noch nicht,“ bekannte der eloquente Landesbischof a. D. und stellte deren Definition eines transzendenten Bezugs eines jeden Menschen den Gottesbegriff Martin Luthers mit seinen bekannten Konsequenzen, der Reformation, gegenüber. Mit rasanter Rhetorik ließ Horst Hirschler das Leben Luthers Revue passieren und ging dabei immer auf den Kampf ein, den Luther mit sich selbst, seinen Erkenntnissen und Gott ausgefochten hatte. Die Selbstzweifel in der Gottesfrage, „unser aller Frage“, ob unsere Gebete ein Gegenüber haben, „was oft daneben geht“ und die Einstellung der Menschen, die nichts davon halten, thematisierte Hirschler anhand zahlreicher bildhafter und lebendiger Beispiele. „Da macht man sich mit Vergnügen an Luther ran“, sagte er, und man spürte die große Übereinstimmung des Kirchenmannes mit der wachen Analyse Luthers bezüglich des Papsttums und der damaligen Scheinheiligkeit der Kirche. Damals wurde von Martin Luther der pompöse Bau des Petersdoms mit dem Geld aus dem Ablasshandel scharf kritisiert, „den er ( der Papst) mit seinem eigenen Geld bauen sollte“, da wurde der Standpunkt, die kirchliche Gewalt stünde über der weltlichen, zerpflückt, denn „wir alle sind durch die Taufe zu Priestern geworden“. Die von der Kirche etablierten geistlichen und weltlichen Stände – „man hat’s erfunden, es ist eine feine Lüge.“ Besonders hatte Luther der Ablasshandel durch Prediger Johann Tetzel angewidert, worauf er 97 Thesen schrieb, um eigentlich einen Disput über die scholastische Theologie unter seinen Mitdozenten anzuregen, doch am 31. Oktober 1517 schlug er sie auch an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.

„Das war ein Erdbeben gegen die bestehende Ordnung“, betonte Horst Hirschler, vor allem, weil sich Luther mit diesen wie auch vielen anderen Veröffentlichungen gleich an die Öffentlichkeit wandte, was die gerade erfundene Druckerkunst maßgeblich förderte. Dass der Reformator mit dem Kirchenbann belegt wurde, 1521 auf der Wartburg das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche übersetzte und die aus dem Zisterzienserinnenkloster Nimbschen geflohene Nonne Katharina von Bora heiratete, rundete das Bild ab. So war der beeindruckende Vortrag ein leidenschaftlicher Appell für einen durchdrungenen Gottesglauben, in dem Gott durch Schicksal erfahren wird, in Allem ist und damit dem freimaurerischen Symbol des „Großen Baumeisters aller Welten“ sehr nahe kommt.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare