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Stadtkirchenkantor Oliver Kluge verlässt Bad Pyrmont und setzt seiner Arbeit einen würdigen Schlusspunkt

Das Oratorium steht unter einem ganz besonderen Stern

Bad Pyrmont. Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums, Kantaten I bis III von Johann Sebastian Bach in der Stadtkirche stand in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Stern. Neben der Einstimmung auf die kommenden Festtage war es das letzte Chorkonzert unter der Leitung des Stadtkirchenkantors Oliver Kluge, der nach zwölfjährigem Wirken einer Berufung nach Hannover folgt. Und so war diese Aufführung gleichsam ein Resümee seiner künstlerischen Arbeit hier.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Winfried Kühne
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Stilsicher realisierte er seine Vorstellung von dieser besonderen Weihnachtsmusik. Unheimlich präzise, energetisch aus dem Handgelenk, er lässt spielen, singen, versteht sich lediglich als conductor, der die Musizierenden zusammenführt, nimmt sich zurück, gibt den Solisten ihren höchstpersönlichen Freiraum bei Trio-Arien und Rezitativen, ist aber immer auf eine einheitliche Wiedergabe bedacht. Alle drei Kantaten beherrschte ein elastisch schwingendes, tänzerisches Element und wie in der ursprünglichen Bestimmung der großen Eckchöre als Teile von Festkantaten zum Geburtstag sächsischer Potentaten wurden sie zum festlichsten Barock, das Geschehen um die Geburt häufig in duftigen Stakkato-Passagen.

Die Kantorei der Stadtkirche präsentierte sich als homogenes, in sich stimmiges Vokalensemble, mit Transparenz, sicherer Intonation und Artikulation und dem Werk entsprechenden dynamischen Abstufungen. In den Eckchören „Jauchzet, frohlocket“ und „Herrscher des Himmels“ ließ man sich inspirieren von der pulsierenden Leichtigkeit des instrumentalen Ambientes, die Hirtenszenerie erinnerte an die Eilfertigkeit der Weihnachtszeit. Jeder der Choräle ein Höhepunkt für sich, dem Text nach interpretiert, trotz allen Engagements sehr schlicht und mit besonderem Augenmerk auf jeden Schluss, ein Ausdruck glaubwürdigen Christentums. Kluge, der als erster in Bad Pyrmont das Musizieren von Barockmusik auf Nachbauten von historischen Instrumenten vorstellte, blieb auch mit dem „Ensemble Zeitklang“ seiner Auffassung treu. Und man muss ihm recht geben. Der weiche Glanz der Barockgeige, der unaufdringliche Klang der Oboen und Traversflöten und der silbrige Schimmer der Trompeten bezauberten. Die Begleitung bescherte den Arien eine Farbigkeit, wie man sie nur auf diesen alten Instrumenten erreicht. Bombensicherer Verlass war auf das Continuo mit Cello und Orgel. Vier junge Solisten bereicherten eine frische, unsentimentale Aufführung. Allen voran der Tenor Stefan Meier, der die Weihnachtsgeschichte wunderbar verständlich rezitierte und in seiner Hirtenarie ein kleines Kabinettstückchen ablieferte.

Die Sopranistin Sigrid Heidemann war nicht nur ein strahlender Verkündigungsengel, sondern im Duett „Herr, dein Mitleid“ mit dem Bassisten Achim Hoffmann verströmte sie Trost und Zuversicht. Ein absoluter Höhepunkt war dessen von der Trompete begleitetes königliches Wiegenlied „Großer Herr und starker König“. Karin Steer mit ihrem klaren, ausdrucksstarken Alt setzte mit „Bereite dich, Zion“ zunächst adventliche Akzente und übernahm in den Arien „Schlafe, mein Liebster“ und „Schließe, mein Herze“ die Rolle der Trösterin. Alle vier wurden als Quartett im Eingangschor wie auch im „Ehre sei Gott“ zu vokalen Glanzlichtern, sonst vom Chor gesungen, bei Kluge aus musikalischer Überzeugung aber Solisten anvertraut. Ein würdiges Konzert, das mit tosendem Beifall bedacht wurde.

Abschied nach zwölf Jahren: Stadtkirchenkantor Oliver Kluge (rechts) verabschiedet sich aus Bad Pyrmont.

Foto: yt



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