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Hans-Georg von Bodecker und Gerda Cox verkünden Auflösung der Johanniter-Hilfsgemeinschaft

Dankbar für die vielen Jahre

BAD PYRMONT. Sie bringen Geschenke, wo sonst die Not haust. Helfen, wo Hilfe benötigt wird. Doch damit ist nun Schluss. Hans-Georg von Bodecker und Gerda Cox haben die Auflösung der Johanniter-Hilfsgemeinschaft bekanntgegeben. Der 82-Jährige hat niemanden gefunden, der seine Nachfolge als Vorsitzender anzutreten bereit gewesen wäre.

veröffentlicht am 08.02.2019 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 08.02.2019 um 21:00 Uhr

Hans-Georg von Bodecker und Gerda Cox sind sich sicher: „Wir werden uns weiter im kleinen Kreis betätigen.“ Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Wenn man erlebt, wie die Menschen sich freuen, werden einem die Augen feucht“, sagt Hans-Georg von Bodecker. Gelegenheit zur Dankbarkeit haben er und die anderen aktiven Mitglieder der Johanniter-Hilfsgemeinschaft (JHG) Bad Pyrmont in den zurückliegenden Jahrzehnten vielen Leuten gegeben. Immer dann, wenn die Ehrenamtlichen – meist vor Weihnachten – mit einem Präsentbeutel bei den Adressaten klingelten, denen es finanziell schlecht ging. Besonders erinnert sich Schatzmeisterin Gerda Cox an einen beinamputierten, fast blinden und an Diabetes leidenden Pflegeheimbewohner, der überrascht war, bedacht zu werden. „Es gibt doch so viele Menschen, denen es noch schlechter geht“, habe der alte Herr gesagt, als die Johanniter ihn zu Heiligabend bescherten.

Der Kaffee, die Plätzchen und ein Umschlag mit 30 Euro konnten die Not armer Rentner, Familien oder Alleinerziehender freilich nicht nachhaltig lindern. Aber sie waren gemeint als „Geste, die den Mitmenschen das Gefühl geben sollte, dass sie nicht vergessen sind“, erklärt von Bodecker.

Doch damit ist nun Schluss. Denn der 82-Jährige hat niemanden gefunden, der seine Nachfolge als Vorsitzender anzutreten bereit gewesen wäre. „Das birgt eine gewisse Tragik“, sagt er – liegt die Gründung der Hilfsgemeinschaft in der Kurstadt durch seinen Vater Karl Adolf von Bodecker in diesem Jahr doch genau 60 Jahre zurück. „Und nun habe ich sie auflösen müssen“, bedauert der Sohn, der 20 Jahre lang an der Spitze der Vereinigung stand. Von 2004 bis 2011 hatte der pensionierte Oberstleutnant nebenher noch einen anderen Fulltime-Job, als Vorsitzender des städtischen Seniorenbeirats.

Die besten Zeiten der Hilfsgemeinschaft kennt von Bodecker selbst nur aus Erzählungen. Damals, in den 1970er Jahren, gehörten der Organisation in Bad Pyrmont bis zu 70 Männer und Frauen an. Viele von ihnen leben inzwischen nicht mehr. Zuletzt waren es nur noch ein gutes Dutzend Mitglieder, die meisten von ihnen recht betagt. „Sie werden nun selbst hilfebedürftig“, sagt von Bodecker. So habe er noch unlängst einem alten Ehepaar die Beihilfe-Anträge ausfüllen geholfen.

Was ihn all die Jahre bei der Stange hielt, leitet er aus den Grundsätzen des Johanniterordens ab: „Als Johanniter fühlte ich mich verpflichtet.“ Als ihn sein ebenfalls adliger Vorgänger an der Spitze der Hilfsgemeinschaft beizutreten gebeten habe, hätte er nicht ablehnen können. „Die Bitte eines Johanniter-Ritters kommt einem Befehl gleich“, erklärt von Bodecker. „Aktives Handeln am Nächsten und persönliche Zuwendung bewerte ich sehr hoch.“

Doch zuletzt waren die selbst gestellten Aufgaben immer schwieriger zu bewältigen. Das Einkaufen, Eintüten und Verteilen blieb zum Schluss nur an ganz wenigen hängen.

„Der Grundsatz unserer Aktivitäten war immer: ,Tut Gutes und sprecht nicht darüber‘“, sagt Hans-Georg von Bodecker. Rückblickend findet er das Engagement der kleinen Pyrmonter Organisation dann aber doch der Rede wert. Denn im Laufe von fast sechs Jahrzehnten hat die Hilfsgemeinschaft allerhand geleistet. Die Mitgliedsbeiträge – 15 Euro pro Person und Jahr, 20 Euro für Ehepaare – machten dabei nur einen Bruchteil der Summen aus, die die Johanniter Bedürftigen zugutekommen ließen. Den Löwenanteil des Geldes, mit dem unter von Bodeckers Vorgängern noch zu DDR-Zeiten jedes Jahr bis zu 200 Westpakete nach Ostdeutschland geschickt wurden, machten Spenden der Mitglieder aus. Ebenso gab es bis zu dessen Schließung Zuwendungen vom Pyrmonter Amtsgericht. Manch ein Mitglied bedachte die Gemeinschaft zudem in seinem Erbe.

Ein Teil des Geldes kam auch knapp drei Dutzend hilfsbedürftigen deutschstämmigen Rumänen in Siebenbürgen zugute. Für sie wurden mehrmals im Jahr Lebensmittel und Kleidung beschafft. „Hin und wieder kamen bis zuletzt rührende Dankesschreiben“, so von Bodecker.

Zu denen, die nun ohne die Zuwendungen der Hilfsgemeinschaft auskommen müsse, gehören auch die Bewohner des „Hauses Pyrmont“. Die Diakonie wurde mit Geld zum Kauf von Therapiegeräten, aber auch eines Schaukelstuhls und eines Bildschirms unterstützt.

Abwechslung brachten die Ehrenamtlichen mit regelmäßigen Besuchen sowie Ausflügen auch in den Alltag der Bewohner im Altenheim Bethanien.

Die Pyrmonter Johanniter-Hilfsgemeinschaft ist nun zwar Geschichte. „Wir können die Zeit nicht zurückdrehen“, sagt Hans-Goerg von Bodecker. Und doch sind er und Gerda Cox sicher: „Wir werden uns weiter im kleinen Kreis betätigen.“

Was beide freut: Eine andere Gruppe, die einst aus ihrer Organisation hervorging, besteht weiter: Die 1979 auf Initiative von Günter von Luckwald gegründeten und lange von dessen Frau Gisela von Luckwald angeführten „Grünen Damen“ der Evangelischen Krankenhaushilfe, die sich um Patienten im Bathildiskrankenhaus kümmern, schieben auch im 40. Jahr ihres Bestehens unverdrossen Dienst am Nächsten. Auch wenn sie das nicht mehr ganz so wörtlich nehmen müssen wie die Johanniter früher: Als die Krankenhauskapelle noch abseits lag, schoben sie die immobilen Patienten auf Wunsch samt Bett durchs ganze Haus zum Gottesdienst.



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