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Krankenkasse reißt Seminarhaus ab und stößt damit bei Stadt und Staatsbad auf Unverständnis

DAK macht 55 Apartments dem Erdboden gleich

Die Zeiten, als die DAK hier Seminare abhielt, sind längst vorbei. Auch die Mieter sind draußen, der Gebäudekomplex steht leer und macht einen heruntergekommenen Eindruck.

veröffentlicht am 13.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 12:41 Uhr

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Foto: uk

Bad Pyrmont (uk). Das leerstehende Seminarhaus der „Deutschen Angestellten Krankenkasse“ (DAK) an der Klinik „Haus Weserland“ in Bad Pyrmont hat keine Zukunft. Trotz der Bemühungen von Stadt und Staatsbad, der Kasse einen Käufer für eine touristische Nutzung zu vermitteln, steht der 55 Apartments umfassende Gebäudekomplex am Vogelreichsweg unmittelbar vor dem Abriss.

„Die Planungen sehen vor, dass das bis Ende des Jahres erledigt ist“, so Gerd Reinartz von der DAK-Pressestelle in Hamburg. Bei Kurdirektor Heinz-Hermann Blome ist die Entscheidung auf völliges Unverständnis gestoßen und auch Stadtkämmerer Eberhard Weber rätselt über den Grund.

Vor drei Jahren hatte Blome gemeinsam mit Weber versucht, der DAK einen Käufer aus Bad Gandersheim zu vermitteln. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen nach eigener Auskunft bereits den Abriss beschlossen, doch die Entscheidung für die Dauer der Gespräche mit möglichen Käufern aufgeschoben. „Die Kosten laufen uns davon“, begründet Reinartz jetzt die Rückkehr zur ursprünglichen Haltung. Das Gewerbeaufsichtsamt habe so hohe Auflagen verlangt, dass für eine Instandsetzung rund 3 Millionen Euro Kosten anfallen würden. „Der Abriss kostet uns nur ein Zehntel“, betont der Sprecher. Es habe zwar verschiedene Kaufinteressenten gegeben, doch die Verhandlungen seien gescheitert, weil es „finanziell nicht gepasst“ habe. Als Seminarhaus werde das Gebäude nicht mehr benötigt, weil die DAK eine entsprechende Einrichtung in Bad Segeberg habe.

„Wir haben uns ernsthaft dafür eingesetzt, das Haus für den Tourismus zu erhalten, denn jedes Bett, das Bad Pyrmont erhalten bleibt, ist wünschenswert“, so Weber, der über die Haltung der DAK rätselt. „Die tatsächlichen Gründe erschließen sich mir auch nicht.“ Der Kurdirektor äußerte „völliges Unverständnis“ über die Entscheidung. „Ich kann das nicht nachvollziehen, denn eine Reihe von Häusern in Bad Pyrmont hat Überkapazitäten erfolgreich für Hotellerie oder Gesundheitstourismus am Markt platziert“, stellt Blome fest. „Es ist unverständlich, dass hier ein wertvolles Gebäude plattgemacht werden soll.“

Auch Mitarbeiter haben Sorgen

Auf 2 Millionen Euro soll nach Informationen der Pyrmonter Nachrichten der ursprüngliche Wert des Gebäudes samt 4000 Quadratmeter großem Grundstück angesetzt worden sein. Am Ende soll sich die DAK mit einem Viertel dieser Summe als Kaufpreis einverstanden gezeigt haben – bevor sie am Ende doch wieder einen Rückzug machte. Und die drei Millionen Euro, von denen der DAK-Sprecher berichtet, sollen sich nach Angaben aus Klinik-Kreisen auf die Herrichtung des ehemaligen Seminar-Gebäudes als Vier-Sterne-Hotel beziehen.

Klinik-Mitarbeiter, die nicht genannt werden wollen, berichten davon, dass die Einrichtung des Hauses am Vogelreichsweg noch in überwiegend gutem Zustand sei. Sie treibt zudem die Sorge um, dass die Abrisskosten die Klinik belasten, dass der Abriss nur der Anfang sein könnte. Doch dieser Sorge widerspricht DAK-Sprecher Reinarzt. „Die Auslastung der Klinik ist gut, da gibt es überhaupt keine weiteren Überlegungen“, versichert er.

Die Pyrmonter Stadtverwaltung hat schon geprüft, ob der Abriss des Seminarhauses genehmigt werden muss, doch das sei nicht der Fall, heißt es im Rathaus. Allerdings gelten am Vogelreichsweg die besonderen Schutzbestimmungen für die Heilquellen. Das bedeutet, dass auch die Fundamente des Gebäudes entfernt werden müssen, was die Kosten in die Höhe treiben dürften.

Laut Reinarzt soll das Areal nach dem Abriss als Grünanlage hergerichtet und damit das Freizeitangebot für die Kurgäste der Klinik im Außenbereich erweitert werden. Zur Erinnerung: Boccia, Federball, einen Tennisplatz, Tischtennis, Gartenschach und Minigolf gibt es bereits auf dem direkt am Wald liegenden Klinkgelände der DAK.



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