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Forstamtsleiter berichtet von „erschreckenden Schäden“ durch „Friederike“ / Ein Jahreseinschlag am Boden

„Da steht nichts mehr, da ist alles platt“

BAD PYRMONT. Das Sturmtief „Friederike“ hat in den Pyrmonter Wäldern tausende von Bäumen umgeweht. Stadtforstamtsleiter Uwe Schenkemeyer geht davon aus, dass mindestens 12 000 Kubikmetern Sturmholz angefallen sind, wahrscheinlich aber mehr. „Das entspricht einem ganzen Jahreseinschlag“, zog er jetzt Zwischenbilanz.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 11:16 Uhr
aktualisiert am 23.02.2018 um 16:15 Uhr

Im Mosterholz an der Grenze zu Lügde gibt es Abteilungen, in denen alle Bäume am Boden liegen. Foto: yt
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Fünf Wochen, nachdem Friederike eine Schneise der Verwüstung durch die Wälder des Weserberglands gezogen hat, wird immer deutliche, wie groß die Schäden sind. „Es gibt mehrere Abteilungen im Mosterholz, da ist alles platt, da steht nichts mehr. Die Schäden dort sind erschreckend.“

Ganz so schlimm wie der Orkan Kyrill im Jahr 2007 war Friederike nicht. „Kyrill hat großflächiger zugeschlagen“, erinnert sich Schenkemeyer. Bilanz damals: etwa 20 000 Festmeter Sturmholz. Zwar gebe es auch diesmal Sturmschäden in allen Ecken des Pyrmonter Waldes auf einer Fläche von rund 400 Hektar aber der Schwerpunkt liegt im Mosterholz an der Grenze zu Lügde. Das war zwar schon ziemlich bald nach dem Sturm am 18. Januar klar, doch erst nach und nach haben sich die Förster einen Überblick verschaffen können, weil viele Wege durch umgestürzte Bäume blockiert waren.

„Nördlich der Emmer gibt es viele Einzelwürfe, im Mosterholz liegen die Bäume dagegen flächendeckend“, berichtete Schenkemeyer jetzt dem Forstausschuss. „Wir haben vor allen Dingen viele, viele Windwürfe und weniger Windbrüche festgestellt.“ Bei einem Windwurf kippt der Baum samt Wurzelteller um, bei einem Windbruch bricht der Stamm. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Windwurf günstiger, denn der Stamm kann im ganzen Stück verwertet werden.

Doch die Verwertung sprich der Holzverkauf ist das Problem, denn der Holzmarkt fließt über vor Angeboten. „Die Aufnahmekapazität ist erschöpft, die Sägewerke ausgelastet und für zusätzliches Holz gibt es zurzeit keine Abnehmer“, erläutert der Forstamtsleiter, der davon ausgeht, dass sich erst im zweiten Halbjahr die Lage entspannen wird. „Wir wissen im Moment einfach nicht, was wir machen sollen – so wohl was die Mengen als auch was den Preis angeht“, muss er gestehen. „Wir warten darum ab, was sich tut.“

Kommt hinzu, dass die Transportkapazitäten wegen des großen Anfalls von Sturmholz eingeschränkt sind und die Aufarbeitung in den Pyrmonter Wäldern sehr personalintensiv und damit schwierig und teuer ist. Wo Bäume kreuz und quer verteilt liegen, können keine Harvester – das sind spezielle Holzernte-Maschinen– eingesetzt werden. Die Abarbeitung der Sturmschäden wird sich also hinziehen. Dort, wo die Bäume noch am Ballen hängen, ist das nicht so dramatisch, denn sie bleiben eine Weile vital und sind darum nicht so anfällig für den Borkenkäfer. Bei den anderen Bäumen ist das anders. „Diese Bäume sind ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer“, stellt Schenkemeyer fest. Dadurch werde das Holz um ein Drittel entwertet, und das mache ihm große Sorgen. Er hat ohnehin keine Vorstellung davon, welche Preise er beim Holzverkauf wird erzielen können. Er weiß nur eines: „Wir müssen mit Verlusten rechnen.“

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Mischwald statt Monokulturen

Ist die Aufarbeitung des Sturmholzes erledigt, muss sich Uwe Schenkemeyer Gedanken über die Wiederaufforstung der sturmgeschädigten Flächen machen. „Aber in diesem Jahr wird das nichts mehr, dazu werden wir erst im nächsten Jahr kommen“, sagt er. Dafür gibt es Zuschüsse des Landes, die jedoch an das Vorhandensein einer Standortskartierung gebunden sind. Das ist eine Bodenuntersuchung und eine Beschreibung mit daraus resultierender Empfehlung der Baumartenwahl, die neu gepflanzt werden sollten. „Die Stadtforst hat eine flächendeckende Standortskartierung erstellen lassen und erfüllt daher an jeder Stelle die Voraussetzung für eine Zuschussgewährung“, kann Schenkemeyer berichten. Im 28 Hektar großen Mosterholz empfiehl die Kartierung an Stelle der bisherigen Fichten-Monokulturen eine Wiederaufforstung mit Laub-Mischholz. Nach dem Krieg sind an vielen Orten Fichten gepflanzt worden, weil sie schnell wachsen und es großen Bedarf an Bauholz gab. Das war allerdings nicht standortgerecht.uk

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