weather-image
Wie die Fertigteile der Heemsteder Brücke anlanden

Da rollen Massen auf Bad Pyrmont zu

BAD PYRMONT. Fertigteile aus Beton sind extrem praktisch. Sie verkürzen die Bauzeit vor Ort ungemein. Zur logistischen Herausforderung wird vorher jedoch der Transport. So einer steht gerade nach Bad Pyrmont an. Fahrtziel: die Brückenbaustelle an der Bahnhofstraße.

veröffentlicht am 11.01.2019 um 20:55 Uhr

Eingerüstet für den Einbau: Am Mittwoch sollen die ersten drei Betonteile auf die Pfeiler der Heemsteder Brücke gehoben werden. Ihr Transport von Hessen nach Bad Pyrmont dauert zwei Nächte. Foto: yt
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dem Plan der Spedition „Universal Transport Michels“ nach soll der Großraum- und Schwertransport mit der ersten Hälfte der künftigen Heemsteder Brücke am Mittwoch vor Ort anrollen. Die restlichen drei Brückenteile kündigen die Paderborner für Donnerstagfrüh an. Allen, die zeitig auf den Beinen und zugleich geduldig sind, „empfehle ich zuzugucken“, sagt Speditionsmitarbeiter Dennis Gisella über das raumgreifende Lieferschauspiel.

Die Ankunftszeit werde zwar erst am Dienstag ungefähr vorherzusagen sein. Fest steht aber schon jetzt: Auf Pyrmonter Gebiet rollen die Trucks aus Richtung Barntrup. Nach der Tour durch Hagen und den (dann hoffentlich nicht glatten) Hagener Berg hinunter rollen die drei Lkw samt Begleitfahrzeugen von der Hagener Straße über Schiller- und Südstraße in die Bahnhofstraße.

Rechtzeitig vorher müssen die drei jeweils 63 Tonnen schweren und rund 26 Meter langen Brückensegmente vom Gelände des Herstellers im hessischen Eichenzell aber erst einmal in Richtung Kurstadt gekarrt werden. Für diese Strecke spuckt der digitale Streckenfinder eine Distanz von 219 Kilometern und eine Fahrtzeit von nicht einmal zweieinhalb Autostunden aus. Die spezielle Fracht verlängert die Entfernung vom Start zum Ziel jedoch auf fast 460 Kilometer.

Die Transporter sollen diese Strecke in zwei Etappen schaffen. Angesetzt sind dafür insgesamt 14,5 Stunden, verteilt auf zwei Nächte à 8 Stunden, abzüglich je 45 Minuten Pause. Denn der Schwertransport kann längst nicht die Geschwindigkeit eines Personenwagens vorlegen. An heiklen Stellen geht es nur im Schritttempo vorwärts. Um ein Chaos zu vermeiden, dürfen die ganz massiven, raumgreifenden Güter nur zur „verkehrlichen Schwachlastzeit“ auf die Straße. Losgehen muss es deshalb laut Plan am Montag um 22 Uhr in Hessen, damit die Brückenteile am Mittwochfrüh bis 6 Uhr ihren Bestimmungsort an der Pyrmonter Baustelle erreichen.

Hinter der Planung solcher Schwertransporte steht eine aufwändige Logistik. Bis die Strecke steht, dauert es Monate, obwohl auch bundesweite automatisierte Berechnungsverfahren im Spiel sind. Denn sowohl das Gewicht als auch die Ausmaße einer Lieferung und die Anzahl der Transporterachsen bestimmen den Weg. Ob Autobahnbaustellen, enge, winkelige Straßen oder instabile Brücken – all diese Parameter müssen ebenfalls einkalkuliert werden. So bestimmen in dem komplizierten Genehmigungsprozedere die Fachleute der Behörden im Ausschlussverfahren die möglichen Routen. Dabei schließen sie die Nutzung all jener Streckenabschnitte aus, die zu schmal, zu hoch oder nicht belastbar erscheinen – oder gerade ganz gesperrt sind.

Die Zahl der Großraum- und Schwertransporte, die pro Jahr durch Deutschland rollen, wird auf eine halbe Million geschätzt. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Denn die Speditionen stellen meist mehrere Anträge pro Fahrt. Der Grund: Eine Genehmigung bekommen sie nur für maximal drei Fahrzeugkennzeichen. Doch oft steht erst kurzfristig fest, welche Lkw tatsächlich frei sind und eingesetzt werden können. Die Folge: Die Behörden werden mit Anträgen überhäuft, und die Bearbeitung dauert immer länger. „Früher hatten wir eine Genehmigung nach zwei, drei Wochen. Heute dauert es acht Wochen“, sagt Speditions-Vertriebler Gisella. Bevor die Tour startet, wird die Strecke zur Sicherheit erneut geprüft.

„Die Anforderungen entwickeln sich exorbitant und der Aufwand zur Klärung wird immer größer“, heißt es derweil aus einer der beteiligten Behörden.

Allein 32 Seiten umfasst eine der Genehmigungen für den Transport der Pyrmonter Brückenteile. „Und das ist noch eine kleine“, heißt es vom Spediteur. Sie tangiere ja nur drei Bundesländer. Diverse Arbeitsschritte bei der Abwägung übernähmen zwar Algorithmen. Aber ohne Menschen geht es nicht.

Bei aller Umsicht sind Überraschungen wegen der langen Vorlaufzeiten nicht auszuschließen. Etwa, wenn irgendwo doch kein Durchkommen ist, weil nach einem Wasserrohrbruch plötzlich eine Straße aufgerissen wurde.

Andersherum kommen auch unnötige Umfahrungen vor. So war die neue B 83-Brücke in Amelgatzen zur Zeit der Antragsstellung und wohl auch der Genehmigung noch nicht fertig. Möglich aber auch, dass die Trucks nicht durchs Nadelöhr in Hämelschenburg passen würden. Aus welchem Grund ihre Tour ab der A7-Abfahrt Nordheim-Nord über Eschershausen und durch Hehlen via B 83 bis Wangelist und von dort auf der B1 nach Barntrup führt, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen.

Fest steht indes: Die genehmigte Strecke muss gefahren werden. Spontane Abkürzungen sind mit 100 Tonnen Gesamtgewicht pro Lkw tabu.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt