weather-image
Schüler des Humboldt-Gymnasiums fahren unter „etwas verschärften Regeln“ in die belgische Hauptstadt

Busse und Bahnen sind in Brüssel tabu

BAD PYRMONT. Die Terroranschläge von Brüssel am 22. März dieses Jahres haben die ganze Welt geschockt. Brüssel ist als eine der europäischen Hauptstädte mit einer sehr lebendigen Kulturszene und einer langen Geschichte ist ein sehr beliebtes Reiseziel, auch für Schulen. Nach den Anschlägen blieben die Reisenden aus, die Zahl der Übernachtungen sank, und auch Schulen sagten ihre geplanten Klassenreisen und Seminarfahrten ab. Auch im Pyrmonter Humboldt-Gymnasium mussten sich Schulleiterin Barbara Conring und ihr Kollege Thorven Lucht mit dem Thema befassen, denn schon seit November vergangenen Jahres hatte Lucht eine Seminarfachfahrt nach Brüssel geplant. Und die wird auch stattfinden – unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

veröffentlicht am 08.06.2016 um 11:38 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

270_0900_1230_pn101_0906.jpg

Autor:

Hans-Ulrich Kilian
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Natürlich mussten wir uns selber, den Schülern und ihren Eltern die Frage stellen, ob es verantwortlich ist, nach Brüssel im Herbst nach Brüssel zu reisen“, so Conring gegenüber den Pyrmonter Nachrichten. Es habe wegen der Sicherheitslage Bedenken gegeben und einige der Eltern hätte alternative Ziele vorgeschlagen. „Wir haben dann in Absprache mit der Landesschulbehörde und dem Kultusministerium die Eltern entscheiden lassen, und die haben sich mit überwältigender Mehrheit dafür entschieden, die Reise stattfinden zu lassen“, so die Schulleiterin. Es seien nur ganz, ganz wenige Eltern gewesen, die sich dagegen ausgesprochen hätten. Sie sei selber von diesem überwältigend eindeutigen Votum beeindruckt aber auch überrascht worden. Es wäre kein Problem gewesen, die Reise zu stornieren, versichert sie. Kosten wären nicht entstanden, weil ihr Kollege Lucht eine sehr umfassende Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen habe. „Ich weiß, das andere Schulen in Niedersachsen mit den Kosten ihrer Reisestornierung jetzt Probleme haben.“

Aber das ist für die Schule zurzeit kein Thema. So wird die Reisegruppe mit 36 Schülern der beiden Seminarfachkurse „Utopia/Dystopia“ und „Comics“ im Alter von 16 bis 18 Jahren am 26. September nach Brüssel aufbrechen. Für den Aufenthalt in der belgischen Hauptstadt, für die zurzeit die Warnstufe 3 von 4 gilt, wurden „etwas verschärfte Regeln“ aufgestellt, wie es die Schulleiterin formuliert, deren eigene Tochter mit nach Brüssel reist. Es werde keine Fahrten mit Bus oder U-Bahn geben. Vieles lass sich zu Fuß erkunden und für eine längere Fahrt werde ein Bus gemietet. Bestimmte Stadtteile wie Molenbeek sind überdies für eine Eigenerkundung tabu. „Wir wollen keinen Terrorismus-Tourismus, auch wenn ich nicht glaube, dass bei unseren Schülern diese Gefahr besteht.“ Den Schülern sei klar gemacht worden, dass sie sich unbedingt an die Regel halten, sonst würden sie auf Kosten ihrer Eltern sofort nach Hause geschickt, betont Conring. Ursprünglich war überlegt worden, die Bewegungsfreiheit der Schüler grundsätzlich einzuschränken, aber das ist zurzeit nicht mehr geplant. „Die beiden Kollgen, die die Reise betreuen, werden vor Ort je nach Lage reagieren.“ Und zeitnah vor der Fahrt werde es noch einmal eine Versammlung geben. Den Schülern, deren Eltern sich gegen die Reise ausgesprochen hätten, seien alternative Fahrten angeboten worden.

Eines der Ziele der Pyrmonter ist das berühmte Comic Art Museum im Zentrum Brüssels. Die Mitarbeiter dort werden sich auf jeden Fall über die Besucher freuen, denn wie alle Museen der Stadt kämpfen nach wie vor mit den Folgen der Terrorattentate. So hatte das Comic-Museum in den letzten beiden Jahren im Monat April jeweils 23 000 Besucher, in diesem Jahr waren es gerade mal 10000, wie aktuell bekannt wurde. Ob und wie sich diese Entwicklung fortsetzt, weiß man in Brüssel nicht. Die auch für Museen und Großstädte zuständige belgische Staatssekretärin Elke Sleurs ist sich aber sicher: „Die Touristen werden bald wieder nach Brüssel zurückkehren. Nur braucht es eben noch ein bisschen Zeit.“ Die Pyrmonter sind also mehr als willkommen, zumal sie laut Conring damit auch ein Zeichen setzen wollen, dass sie sich von Terroristen nicht in ihrer persönlichen Freiheit einschränken lassen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt