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Bahn-Sprecherin bedauert Vorfall

Busfahrer lässt Kinder stehen: „Darf nicht passieren“

BAD PYRMONT. Nachdem am Dienstag ein Busfahrer an der Pyrmonter Marktplatz-Haltestelle fast zwei Dutzend Schüler stehenließ, weil er sie offenbar fürs Drängeln an der Tür bestrafen wollte, hat eine Bahn-Sprecherin mit Bedauern auf den Vorfall reagiert und betont: „So etwas darf nicht passieren.“

veröffentlicht am 10.08.2017 um 22:32 Uhr
aktualisiert am 11.08.2017 um 08:30 Uhr

Das Einsteigen kann auch relativ entspannt funktionieren. Liegt‘s hier vielleicht an der natürlichen Autorität des freundlichen Busfahrers? Foto: jl Das Einsteigen kann auch relativ entspannt funktionieren. Liegt‘s hier vielleicht an der natürlichen
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite

Das Bibelwort von den Letzten, die die Ersten sein werden, klingt tröstlich. Im Schulbus glaubt daran aber keiner. Denn wer zu spät reinkommt, bleibt stehen. Auf der Linie 521 mindestens zehn Kilometer lang. So läuft es jedenfalls mittags nach der sechsten Stunde an der Pyrmonter Marktplatz-Haltestelle: Für viele Kinder und Jugendliche, die auf der Fahrt in die Pyrmonter Bergdörfer oder auf die Ottensteiner Hochebene einen Sitzplatz ergattern wollen, gehört das Drängeln beinahe automatisch zum Einsteigen, wenn die Busse der Linie 521 mit den Fahrtzielen Lichtenhagen, Ottenstein oder Polle am Bordstein halten. 60 Pyrmonter Mittelstufen-Schüler kommen allein aus den Pyrmonter Bergdörfern, plus Oberstufenschüler sowie die Kinder aus dem Kreis Holzminden. Genug also, um zur Rush Hour zwei Busse so zu füllen, dass die Sitzplätze nicht für alle reichen.

Weil grundsätzlich der Busfahrer schuld wäre, wenn im Extremfall infolge chaotischen Einsteigens jemand zu Schaden käme, nehmen nicht alle Chauffeure das Drücken und Schieben gelassen. In § 14 der Beförderungsbedingungen der „Öffis“ Hameln-Pyrmont heißt es: „Der Unternehmer haftet für die Tötung oder Verletzung eines Fahrgastes.“

Dass jedoch ein Fahrer so überreagiert wie der Mann, der am Dienstagmittag fast zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler stehenließ und mit nicht einmal einem Dutzend Passagieren davonfuhr (wir berichteten), ist noch nie vorgekommen.

Die Folge der Aktion: erst heulende Kinder, dann entsetzte bis wütende Eltern – nicht zuletzt, weil mehr als die Hälfte der an der pünktlichen Heimfahrt gehinderten Kinder erst seit wenigen Tagen aus den Bergdörfern ins Pyrmonter Schulzentrum pendelt. Und, weil der nächste Bus erst zwei Stunden spät fuhr.

Die Eltern betrachten das Verhalten des Fahrers nicht nur als gründlich verunglückte Disziplinarmaßnahme. Dass er ihre Kinder stehenließ, empfinden sie als Vertragsbruch. Der Blick in die Beförderungsbedingungen bestätigt diese Sicht: § 2 schließt zwar Personen von der Beförderungspflicht aus, „die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes darstellen“. Speziell erwähnt sind hier allerdings vor allem alkoholisierte oder von anderen Drogen berauschte Menschen, solche mit ansteckenden Krankheiten oder geladenen Schusswaffen (außer Polizisten). Drängelnde Kinder sind nicht explizit genannt. Dafür steht in dem Regelwerk an anderer Stelle: „Es ist zügig ein- und auszusteigen.“

Bei den Institutionen und Unternehmen, in deren Verantwortungsbereich die Schülerbeförderung fällt, kommt die Aktion des Fahrers denn auch nicht gut an: Eine Sprecherin der Deutschen Bahn, deren Tochterunternehmen „Regionalbus Braunschweig GmbH“ (RBB) die Buslinie 521 von verschiedenen Subunternehmern bedienen lässt, sagte, der Vorfall in Bad Pyrmont werde „sehr bedauert“. Um den Fall sachgerecht auswerten zu können, solle nun mit allen Beteiligten gesprochen werden. Aber, ganz klar: „So etwas darf nicht passieren. Die Fahrgäste haben grundsätzlich Anspruch auf ordnungsgemäße Beförderung.“

Das Schulzentrum scheint hier indes nicht gefordert. „Die Marktplatz-Haltestelle fällt nicht in den Aufsichtsbereich des Schulzentrums“, sagt Hameln-Pyrmonts Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch und verweist auf die offizielle Schul-Haltestelle an der Oesdorfer Straße, die „Schweineboxen“. Stiegen die Schülerinnen und Schüler entgegen der Anordnung, sie zu nutzen, am Marktplatz ein, lasse sich daraus wohl keine Aufsichtspflicht der Schule herleiten.

Die Eltern, die sich schriftlich bei den Öffis, der RBB und dem Busunternehmen beschwert haben, warten jetzt gespannt auf die Antworten.



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