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Es ist die erste Ausleihung

Brunnenfund wird im Varusschlacht-Museum Kalkriese gezeigt

BAD PYRMONT. Der Pyrmonter Brunnenfund, eine der bedeutendsten frühgeschichtlichen Opferfunde Mitteleuropas aus der Kaiserzeit, wird in diesem Sommer im Varusschlacht-Museum Kalkriese im Osnabrücker Land als Teil der Sonderausstellung „Götter, Glaube, Germanen“ zu sehen sein.

veröffentlicht am 09.02.2018 um 14:11 Uhr
aktualisiert am 09.02.2018 um 17:20 Uhr

Gut 1600 Jahre alt: Aus 200 Fundstücken besteht der Pyrmonter Brunnenfund. Wertvollstes Exponat ist eine Schöpfkelle mit Emaileinlagen. Foto: © Museum im Schloss
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Der Verwaltungsausschuss hat einer entsprechenden Bitte des Museums zugestimmt. Das hat Bürgermeister Klaus Blome am Freitag mitgeteilt.

Es ist das erste Mal, dass die wertvollesten Teile des Funds wie Schöpfkelle, Reiter- und Hundefibeln ausgeliehen werden. „Bisher haben wird das höchstens mit einigen wenigen Teilen getan, aber die Schöpfkelle zum Beispiel hat Bad Pyrmont noch nie verlassen“, so der frühere Museumsleiter Dr. Dieter Alfter.

„Die Entscheidung fiel einstimmig, denn wir erhoffen uns von der Ausstellung Werbung für Bad Pyrmont“, sagte der Bürgermeister und versicherte gleichzeitig, dass die Vitrinen im Museum im Schloss, in der der Brunnenfund präsentiert werde, nicht leer bleibe, sondern mit Repliken gefüllt werden. Einige dieser Duplikate sind bereits gut 100 Jahre. Sie wurden früher im Heimatmuseum gezeigt, als die Originale noch sicher verwahrt im Tresor der Stadtsparkasse lagerten.

In Kalkriese dürfte sich der Brunnenfund in guter Gesellschaft befinden. „Herausragende archäologische Funde und aufsehenerregende archäologische Entdeckungen“, kündigt das Varusschlacht-Museum für die neue Sonderausstellung an, die vom 28. April bis zum 28. Oktober dieses Jahres im Osnabrücker Land gezeigt wird. Zu sehen sein werden Exponate aus dem Nationalmuseum in Kopenhagen und weiteren Häusern aus Europa. „Es geht dabei um die Glaubenswelt im 1. Jahrtausend in Norddeutschland und Nordeuropa“, erläutert der Geschäftsführer des Museums, Dr. Joseph Rottmann, auf Anfrage der Pyrmonter Nachrichten. Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Forschungsgrabungen der letzten Jahre an den dänischen Fundplätzen Hobby, Gudme und Tissø. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Opfer- und Kultpraktiken abseits der bekannten Herrschaftszentren – speziell im norddeutschen Raum. „Analog dazu passt der Pyrmonter Brunnenfund sehr gut in unser Konzept“, so Rottmann. „Wir wollen deutlich machen, wie Germanen mit Gottesopfern umgegangen sind.“ Der Gedanke, den Brunnenfund einzubeziehen habe nahegelegen, da er eben in dieser Hinsicht sehr bekannt sei, so der Historiker. „Darum haben wir im Museum bei Frau Heitland angefragt und ich freue mich jetzt wirklich sehr, dass wir ihn ausleihen dürfen.“

Laut Rottmann wird in der Sonderausstellung zwar auch die Verbindung zur Varusschlacht dargestellt, aber ausschlaggebend sei das nicht gewesen. Bis heute ist der Ort, wo der römische Statthalter Varus im Jahre 9 nach Christus mit drei Legionen von germanischen Stammesverbänden unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen wurde, noch immer nicht zweifelsfrei identifiziert. Es gibt zahllose Theorien, eine davon verlegt die Schlacht an die Herlingsburg bei Lügde. „Bei Kalkriese konnte durch archäologische Ausgrabungen aber zweifelsfrei festgestellt werden, dass hier zumindest eine Schlacht stattgefunden hat“, so Rottmann.

Ihm ist der Wunsch sehr wohl bekannt, dass es innerhalb der Ausstellung Hinweise auf Bad Pyrmont gibt. „Das machen wir gerne und werden mit Frau Heitland besprechen, wie wir das umsetzen.“

Information

Der Pyrmonter Brunnenfund

Bei der Neufassung des Brodelbrunnens auf dem Brunnenplatz von Bad Pyrmont entdeckte im Herbst des Jahres 1863 der berühmte Geologe und Quellenfachmann Rudolph Ludwig (1812-1888) in einer Tiefe von knapp vier Metern mehrere hundert Fibeln, eine Schöpfkelle mit Emaileinlagen und drei römischen Münzen. Der Fund zählt heute zu einem der bedeutendsten frühgeschichtlichen Opferfunden Mitteleuropas aus der Kaiserzeit. In Bad Pyrmont werden seit dieser Entdeckung 156 Fundstücke verwahrt, die von der Zeit um Christi Geburt bis ins 5. Jahrhundert nach Christi datiert werden. 44 weitere Fibeln aus dem Besitz von Rudolph Ludwig, die er dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt stiftete, kehrten im Sommer 2015 als Dauerleihgabe nach Bad Pyrmont zurück.wwa

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