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Stau-Ärger, Umwege, Umsatzeinbußen

Brückenbau in Bad Pyrmont: So nerven die Folgen der Sperrung

BAD PYRMONT. „Jede große Baustelle schwächt die Umsätze im Einzelhandel“, glaubt Helmut Fahle. Wieviele auswärtige Kunden Bad Pyrmont wegen der Sperrung der Heemsteder Brücke nicht ansteuern, kann der Vorsitzende der Werbegemeinschaft natürlich nur mutmaßen. „Aber die Frequenz ist schon etwas zurückhaltender.“

veröffentlicht am 12.10.2018 um 22:39 Uhr

So lang ist der Stau längst nicht immer. Aber die Aussicht, zu Stoßzeiten vor der Bad Freienwalder Brücke in der Schlange zu stehen, lässt offenbar selbst Stammkunden „ihren“ sonst üblichen Einkaufszielen untreu werden. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Diesen erklärtermaßen gefühlten Effekt schreibt Fahle allerdings auch der Sperrung der Bahnbrücke in Amelgatzen und der Kappung der B 83 bei Steinmühle im Landkreis Holzminden zu. „Bad Pyrmont ist ja regelrecht von Baustellen umzingelt.“

Die Gewerbetreibenden, deren Firmen in der Nähe des Pyrmonter Bahnhofs liegen, spüren seit dem Kappen der Hauptverkehrsader ein deutliches Minus in ihren Kassen: „Bahnhofsstübchen“-Wirtin Claudia Fricke hat ihre massiven Probleme bereits geschildert (wir berichteten). Aber auch den Tankstellen fehlt ein Gutteil der Spontankunden, die nun andere Wege nehmen.

Einheimische werden umleitungsbedingt „ihren“ Läden untreu, die sie sonst gewohnheitsmäßig ansteuern. Wegen des zurückliegenden Desasters an der Bad Freienwalder Brücke sind die Pyrmonter eigentlich Staus gewohnt. Aber sie nehmen sie längst nicht so schicksalsergeben hin wie Autofahrer in Großstädten.

„Die Frequenz ist schon etwas zurückgegangen“, sagt Georg Weber, Chef des gleichnamigen Fachcenters an der Ecke Thaler Landstraße/Siemensstraße. Er schätzt, dass derzeit 25 Prozent der privaten Abholkunden wegbleibt. 80 Prozent seiner Kunden seien jedoch ohnehin Handwerker vom Fach. Diese gewerblichen Kunden schrecke keine Wartezeit an der Ampel ab. So bleibe das Minus letztlich überschaubar.

Was Weber jedoch wundert, sind die Umleitungsschilder in Lippe: „Auf denen wird immer noch der Anschein erweckt, als käme man gar nicht nach Bad Pyrmont.“

Zu den Baustellen-Geplagten gehört auch Franz Welger. Nicht nur, dass seit Februar spürbar weniger Kunden aus dem Umland sein Mercedes-Autohaus ansteuern. Seine Waschanlage steht auch noch jenseits der Brückenbaustelle. „Normalerweise ist es nach einer Reparatur ein Klacks, aus der Südstraße dorthin zu fahren“, sagt er. „Aber ,mal eben’ geht nicht mehr. An der Bad Freienwalder Brücke ist ewig Stau.“ Reparierte Wagen blitzblank zurückzugeben, sei nun mühsam. Und an der Lügder Straße blieben auch Kunden weg: „Wir haben halb so viele Autowäschen wie sonst.“

In Welgers Wahrnehmung ist „die ganze Wirtschaftsverbindung zwischen Bad Pyrmont und Lügde erheblich gestört“. In seinen Augen hat die für den Brückenneubau verantwortliche Landes-Straßenbaubehörde den monatelangen Stillstand auf der Baustelle zu verantworten, weil sie die Fundamente der alten Emmer-Querung nicht gleich ordentlich prüfen ließ.

Wie die meisten Betroffenen, so hatte sich Welger zunächst damit abgefunden, dass der Ausnahmezustand bis Ende November dauern würde. Dass nun noch immer kein Ende absehbar ist, ärgert ihn.

Im E-Center am Stadteingang wird der umleitungsbedingte Kundenschwund laut Marktleiter Tilo Peters seit dem Rewe-Abriss an der Schillerstraße immerhin „gerade so kompensiert“. Werde die Brücke jedoch nicht vor der Neueröffnung des Mitbewerbers fertig, „dann wäre hier der Supergau perfekt“.

Immerhin: „Am Montag werden wieder Leute auf der Baustelle sein“, versprach am Freitag Markus Brockmann, der die Hamelner Niederlassung der Landes-Straßenbaubehörde leitet, auf Anfrage. „Uns ist wichtig, dass es jetzt zügig weitergeht.“ Die Verzögerung bedaure er sehr. Aber eine Bohrfirma mit großem Gerät zu finden, sei schwierig. „Die Wenigen, die solche Arbeiten ausführen können, sind ausgelastet.“ Deshalb habe man zunächst einen schnell verfügbaren kleineren Bohrer eingesetzt. „Denn man schießt ja nicht gleich mit einer Kanone auf einen Spatz“, so Brockmann. Als der Bohrkern dann den unklaren Befund über das Fundament ergab, „begann gleich die Suche nach einer anderen Firma“. Die große Bohrung sei unerlässlich gewesen. „Wird schon gutgehen“ sei bei solchen Projekten keine Option.

Am Dienstag kommt Brockmann nach Pyrmont. Hier will er die Politiker sowie Besucher im Bauausschuss über den Stand der Dinge informieren sowie Rede und Antwort stehen. „Ich wollte eigentlich schon im September kommen. Aber sie Sitzung fiel aus.“

Einen belastbaren Bauzeitenplan wird Brockmann jedoch nicht mitbringen. „Den stellt uns die Firma erst bei der Baubesprechung am Mittwoch vor.“ Nach dessen Prüfung könnte der endgültige Plan Ende Oktober feststehen.

Die öffentliche Sitzung des Bauausschusses beginnt am Dienstag, 16. Oktober, um 18 Uhr im Ratssaal des Pyrmonter Rathauses. Neben Markus Brockmanns Statusbericht gibt es einen weiteren zum Gymnasiums-Neubau. Zudem geht es um die Übernahme der Erschließungsanlagen im Baugebiet „Holzhausen Süd“ von einem insolventen Erschießungsträger durch die Stadt und ihre Entsorgungsanstalt.



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