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Investoren fragen nach ihrem Geld

Bruchlandung für Hybriddrohne? Staatsanwaltschaft ermittelt

BAD PYRMONT. Haben die Pläne eines in Bad Pyrmont ansässigen Start-up-Unternehmens für einen Multicopter mit Hybridantrieb eine Bruchlandung hingelegt? 171 Anlieger, die mehr als 150 000 Euro investiert haben, fragen nach ihrem Geld. Mittlerweile sind die Drohnenpläne ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft.

veröffentlicht am 21.08.2017 um 17:29 Uhr
aktualisiert am 21.08.2017 um 18:45 Uhr

So cool präsentiert das Start-up-Unternehmen im Internet seine Drohne. Doch die Geldgeber warten bis heute vergeblich darauf, dass der Multicopter auf den Markt kommt.
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Vor drei Jahren hatte ein technikbegeistertes Trio einen Multicopter mit einem völlig neuen Antrieb vorgestellt. Die Tüftler hatten einen Benzinmotor mit einem Elektromotor kombiniert, um das 90 mal 70 Zentimeter große Fluggerät in die Lage zu versetzten, länger zu fliegen und mehr Nutzlast zu tragen als übliche Drohnen mit reinem Elektromotor. 1399 Euro soll der Multicopter kosten, der besonders für professionelle Anbieter interessant sein könnte. Von Serienproduktion war die Rede und sogar von einer Weiterentwicklung zu einer Drohne, die auch Personen befördern könne. Mindestens 100 000 Euro sollten in die Entwicklung eines Prototyps investiert werden. Das dafür benötigte Kapital sammelte das Team über die Onlineplattform „Kickstarter“ ein, immerhin 153 268 Euro. Mehrere technische Fachmagazine berichteten über die Pläne, auch diese Zeitung.

Das war vor mehr als zwei Jahren. Doch kaufen kann man die Drohne bis heute nicht. Die Geldgeber aus aller Herren Länder wurden nervös und nervöser. Sie drängen schon länger darauf, die Drohne auszuliefern oder ihr Geld zuzubekommen. Von Diebstahl und Betrug ist mittlerweile die Rede. Bei der Hannover Messe 2016 stellte das Team sein Projekt vor, danach ist von weiteren öffentlichen Auftritten nichts bekannt. Im Internet gibt es einen Film, der verschiedene Modell bei Testflügen zeigt, und vor wenigen Wochen versicherte der Geschäftsführer auf Nachfrage, das Projekt sei noch in Arbeit, die dafür gegründete Firma bestehe noch.

Doch seitdem reagiert er weder auf Anrufe noch auf Mails – weder auf die der Pyrmonter Nachrichten noch auf die der Anlieger, von denen einige die Polizei kontaktierten. Zurzeit befasst sich das Fachkommissariat für Betrug und Wirtschaftsdelikte der Hamelner Polizei mit den Vorgängen. Es sei in solchen Fällen allerdings sehr schwierig, eine Betrugsabsicht nachzuweisen, so ein Ermittler auf Anfrage.

Ein Geldgeber aus Deutschland meldete sich vor einiger Zeit bei dieser Zeitung in der Hoffnung, positive Neuigkeiten von den Drohnenentwicklern zu bekommen. Dabei ist er sich über sein finanzielles Engagement grundsätzlich bewusst. Es könne ja durchaus vorkommen, dass ein gutes Projekt nicht beendet werde. Das sei eben das Risiko, auf das man sich als Investor eines Start-ups einlasse, stellte er fest. Aber in diesem Fall laute die Frage: „Was haben sie mit unserem Geld gemacht? Haben sie sich ein paar gute Tage gegönnt? Ich hoffe, sie bekommen die Rechnung dafür später“, kommentiert er auf Kickstarter und ist pessimistisch. Er gehe davon aus, dass niemand sein Geld wiedersehe.

Die Onlineplattform Kickstarter hält sich völlig raus und betont, dass sie nur als Vermittlerin fungiere und nicht als Vertragspartei. „Der Projektgründer trägt die alleinige Verantwortung für die bei seinem Projekt gemachten Versprechungen“, heißt es in den Nutzungsbedingungen. Zudem verweist sie darauf, dass das Drohnenprojekt nach wie vor betrieben werde und sie es nicht gefährden wolle.

Information

Riskante Geldanlage

Crowdfunding oder auch Schwarmfinanzierung wie über Kickstarter ist riskant. Darüber sollten sich Anlieger im Klaren sein. Beim Crowdfunding geben sie oft wenig regulierte Nachrangdarlehen. Sie haben nichts zu sagen und gehen im Insolvenzfall in aller Regel leer aus. Die Stiftung Warentest rät darum, sich über Rechte und Pflichten genau zu informieren, denn die Gefahr eines Totalverlustes sei groß. Besser sei es darum, die für das Crowdfunding eingeplante Summe auf mehrere Projekte aufzuteilen und nur so viel Kapital einzusetzen, dass man einen Totalverlust aller Projekte verkraften könne. Bedenken sollte man auch, dass Anlieger oft Jahre nicht an Ihr Geld kämen, auch wenn die Rückzahlung vorgesehen sei.



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