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Tourismuschef berichtet Politikern

Brandschutz im Kreuzfeuer

BAD PYRMONT. „Ich fürchte, dass am Ende des Tages 10 bis 15 Betrieben in unserer Stadt aufgrund von Brandschutzmängeln eine Schließung droht“, sagt Karsten Stahlhut. Damit benennt Bad Pyrmonts Tourismuschef mögliche Folgen aus den im Juli begonnenen seriellen Brandverhütungsschauen in Hotels und Pensionen der Kurstadt.

veröffentlicht am 03.08.2017 um 22:24 Uhr

Gefährden Maximalforderungen der Brandschutzprüfer den Fortbestand traditionsreicher Beherbergungsbetriebe wie des Hotels „Zur Krone“? Diese Furcht treibt im Moment viele Pyrmonter um. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nachdem die zuständigen Landkreis-Fachleute 25 Jahre lang keine solchen Schauen in der Kur-stadt unternommen hatten, gehen sie jetzt konzertiert vor – und sollen in einigen Fällen schon ein sofortiges Abstellen der Mängel verlangt haben. Die Folgen der mitten in der Hochsaison gestarteten, nun aber immerhin bis Oktober pausierenden Kontrollen sind massiv. Nicht nur für die Hotelbetreiber und ihre Teams, sondern für die ganze Stadt.

Karsten Stahlhut fokussiert dabei keineswegs auf Hotels, die manche Leute in Gesprächen mit ihm als verzichtbaren „alten Klumpatsch“ abgetan hätten, wie er sagt. „Solche Häuser sind hier gar nicht mehr am Netz.“ Alle Betriebe, die schlimmstenfalls dichtmachen müssten, weil ihre Betreiber keine fünf- bis sechsstelligen Beträge ausgeben können, um die Brandschutzauflagen zu erfüllen, sind laut BPT-Chef unverzichtbar. „Alle Betten, die wir noch haben, werden dringend gebraucht.“ Die Situation sei auch ohne das Brandschutz-Problem angespannt genug. Mit jedem Haus, das schließe, brächen Bad Pyrmont Übernachtungen weg.

Am Beispiel von vier möglicherweise gefährdeten Häusern mit zusammen 100 Betten – „alle mit gutem Niveau und guter Auslastung“ – zeigt Stahlhut die Dramatik auf: „Das sind dann 20 000 bis 25 000 Übernachtungen weniger im Jahr.“ Dadurch fehlten allein 50 000 Euro an Kurtax-Einnahmen. Von ausbleibenden Ausgaben der Gäste und Gewerbesteuern ganz zu schweigen.

Die Hoteliers hätten den Brandschutz keineswegs vernachlässigt. Aber, so Stahlhut: „Wenn ein Vermieter selbst ein Gutachter erstellen lässt und dann 20 000 Euro in den Brandschutz investiert, kommt der Prüfer vom Landkreis und sagt, dass das nicht ausreicht.“

Die ersten Folgen bekommen die Touristiker in der BPT laut Stahlhut bereits zu spüren: Mehrere Hotel- und Pensionsbetreiber hätten darum gebeten, aus dem Gastgeberverzeichnis für 2018 gestrichen zu werden, das gerade zusammengestellt wird. Mit solchen drohenden Einnahmeverlusten vor Augen fürchtet Stahlhut für die ohnehin gebeutelte BPT: „Dann können wir Anfang 2018 unsere Rechnungen nicht mehr bezahlen.“ Deshalb begrüße die BPT „jede Initiative, die unternommen wird, um die Maßnahmen in einem längeren Zeitraum umsetzen zu können“.

Seinen alarmierenden Bericht gab Bad Pyrmonts Tourismuschef am Mittwochabend auf Einladung der Pyrmonter CDU-Fraktion. Deren Vorsitzender Nacke hatte dazu auch die Landtagsabgeordnete Petra Joumah und den Bundestagsabgeordneten Michael Vietz eingeladen, „damit sie ein Gespür dafür bekommen, was Brandschutz ausmachen kann“. Joumah wird sich jetzt ins Thema einarbeiten müssen. Denn das Problem hat einiges mit den Gesetzen in Niedersachsen zu tun. Vietz riet den Pyrmontern dazu, „den immer wieder propagierten Pragmatismus einzufordern“.

Einen Eindruck teilten so ziemlich alle Teilnehmer der presseöffentlichen Fraktionssitzung: Die von den Behörden gestellten Forderungen erscheinen Laien – und das sind alle anderen – als Maximalforderungen ohne jeden Blick auf die Verhältnisse. Im Idealfall wäre zwar das Schutzziel des vorbeugenden Brandschutzes erreicht. Nämlich: alle Menschen in angemessener Zeit lebend bergen zu können. Wenn es dumm liefe und Häuser vom Netz gingen, gäbe es allerdings gar nichts mehr zu schützen.



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