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Bürgermeister schreibt Hoteliers

Brandschutz: Funkstille aus dem Rathaus beendet

BAD PYRMONT. Seit den ersten Kontrollgängen vor sechs Wochen ist der Brandschutz das heißeste Thema der Kurstadt. Aus dem Rathaus hörte man dazu: nichts. Jetzt versucht der Bürgermeister, das Thema mit einem offenen Brief herunterzukühlen.

veröffentlicht am 14.08.2017 um 22:38 Uhr

Das Thema Brandschutz beschert so manchem Hotelier schlaflose Nächte. Symbolfoto: Dana
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Keine Frage: Wenn’s in einem Hotel brennt, muss es das Ziel sein, alle Menschen lebend zu bergen. Das dürfte auch den allermeisten Betreibern klar sein. Rauchmelder? Rettungsweg-Hinweise? Haben sie längst. Doch der Teufel steckt im Detail. Das wissen ein paar Pyrmonter Hoteliers seit den ersten auf Veranlassung der Kreisverwaltung gestarteten Brandverhütungsschauen Anfang Juli (wir berichteten). Da bekamen sie Einblick in die Sicht der Prüfer: Hier sind die Rauchmelder die Falschen, dort die Notausgang-Lampen nicht hell genug. Und ein paar Bilder an der Flurwand, ein Kühlschrank für Gäste-Getränke im Foyer oder Info-Flyer aus Papier an der Rezeption – all das geht schon gar nicht. Ganz normale Türen ohne Spezialdichtung und Schließer sind ebenfalls tabu.

Das Thema beschert manchem Hotelier, mancher Pensionswirtin schlaflose Nächte. Sie fürchten um ihre Existenz. Denn die Betreiber von Häusern mit mehr als 12 Betten – und nur sie sind Adressaten der konzertierten Brandverhütungsschauen – wissen nicht, was mit diesen Kontrollen auf sie zukommt und wie teuer das alles für sie wird.

Nach Beginn der Kontrollgänge erfuhr die Geschäftsführung der Tourismusgesellschaft BPT aus dem Rathaus davon. Daraufhin schickte sie am 11. Juli eine aufklärende E-Mail an die Beherbergungsbetriebe.

Aus dem Rathaus kam derweil wochenlang nichts Offizielles zum Thema. Doch jetzt, eine Woche nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub, hat Bürgermeister Klaus Blome, quasi in Fortsetzung der BPT-Mail, am Dienstag einen offenen Brief an die Betreiber auf die Internet-Seite der Stadtverwaltung stellen lassen. Angekündigt worden war der bereits letzte Woche im Bauausschuss (wir berichteten). Mit dem zweiseitigen Schreiben reagiert er auf „mehrere Äußerungen“ zum Thema seit Bekanntwerden der ersten Kontrollgänge und ihrer Folgen für die Betroffenen. Die Urheber der Äußerungen – unter anderem den Kur- und Verkehrsverein, aber auch diverse Politiker der Kurstadt – benennt Blome nicht. Ihm scheint vor allem an einem gelegen: Er will die Wogen glätten. Er betont: „Der Verwaltung ist weder an einem Herunterspielen noch an einem Aufbauschen des Themas und der damit verbundenen Probleme und Fragestellungen gelegen.“ Ihr seien die Sorgen der Betreiber bewusst.

Mit Blick auf die Befürchtung einiger, ihre Häuser schließen zu müssen, falls sie die kostspielige Erfüllung unverhältnismäßig scheinender Brandschutzauflagen nicht bezahlen können, appelliert Blome an die Hoteliers, „der Brandverhütungsschau zunächst unter Beachtung des Nachfolgenden entgegenzusehen“. Dann erklärt er – ähnlich wie BPT-Geschäftsführer Karsten Stahlhut im Juli, das Prozedere. Nur ausführlicher.

Und der Bürgermeister versichert, der Landkreis werde zunächst versuchen, die zur Behebung etwaiger Mängel festgestellten Maßnahmen einvernehmlich mit den Betreibern abzustimmen. Und zum Zeitrahmen: „Das bedeutet, dass im Normalfall auch bei Mängeln nicht sofort alles auf einmal umgesetzt werden muss.“ Vielmehr treffe das nur für solche Arbeiten zu, die zur Beseitigung einer konkreten Gefahr erforderlich seien. Um Maximalforderungen gehe es nicht. Die ganz reale Erfahrung von Betroffenen, die binnen 24 Stunden sämtliche Türen abdichten und mit Schließern versehen lassen sollten, scheint für die Zukunft offenbar kein Maßstab mehr.

Zur Aufgabe der städtischen Bauaufsicht schreibt Blome, sie nehme an den Schauen teil, weil „in letzter Konsequenz die Stadt Bad Pyrmont als Untere Bauaufsichtsbehörde gehalten ist, für die Umsetzung eventueller Brandschutzauflagen des Landkreises Hameln-Pyrmont Sorge zu tragen, falls zwischen dem Landkreis und den Betroffenen keine einvernehmliche Lösung entwickelt werden kann“.

Der Verwaltungschef rät den Hoteliers, im Vorfeld der Kontrolle die Bau- und Konzessionierungsgenehmigungen für ihre Betriebe „sehr genau anzusehen, um sich noch einmal mit den seinerzeit gegebenenfalls gemachten Auflagen vertraut zu machen“.

Und er bietet im Vorfeld der Kontrollen eine Beratung durch die städtische Bauaufsicht an. Wer eine E-Mail an j.harney@stadt-pyrmont.de. schicke, könne binnen einer Woche auf eine Kontaktaufnahme hoffen. Blome appelliert an die Betreiber, das Angebot anzunehmen, „wenn Sie jetzt schon vermuten oder wissen, dass Ihr Betrieb nicht den heutigen Anforderungen entspricht.“



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