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Sebastian Pufpaff sezierte gnadenlos menschliche Schwächen

Böse Satire

BAD PYRMONT. Auf den ersten Blick wirkt Sebastian Pufpaff eigentlich ganz harmlos. Mit ordentlichem Scheitel, mausgrauem Anzug und korrekt gebundener Krawatte könnte er glatt als smarter Banker durchgehen. Aber dann erlebt das Publikum im fast ausverkauften Konzerthaus sehr schnell, wie der Kabarettist gnadenlos Dinge des allgemein menschlichen und des politischen Lebens mit dem Mittel der Satire seziert und eine freche Pointe nach der anderen losschießt.

veröffentlicht am 28.04.2017 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 28.04.2017 um 18:30 Uhr

Hohe Pointendichte: Sebastin Pufpaff beeindruckte mit seinem satirischen Rundumschlag. Foto: YT
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Autor

Karin Heininger Reporterin
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Das Pyrmonter Publikum ist nicht irgendeins, versichert der fernsehbekannte Kabarettist. Vielmehr schätzt er die Zuschauer, von der Bühne aus gesehen, als besondere Elite ein, als bemerkenswert pfiffig und intellektuell. Man werde eine Art Stuhlkreis bilden, und dann könne man über alles reden und sich aufregen. Was dieses „Alles“ ist, lässt er sich dann aus der Menge zurufen. Und da kommen Vorschläge wie Pflegenotstand, Banken-Skandal und Merkel, bis zu Erdogan, Donald Trump und (kein Witz!) Läuse.

Nicht alle Themen werden später abgearbeitet, dazu ist der Abend viel zu kurz. Der Künstler redet wie ein Maschinengewehr, schweift immer wieder ab, füllt jede Minute auf der Bühne mit bemerkenswerten, witzigen und schlagfertigen Erkenntnissen. Manche nur in Nebensätzen hingemurmelt, da muss man höllisch aufpassen, um jeden Gag mitzukriegen.

Manchmal, so erzählt Pufpaff, wache er morgens lächelnd auf und fühle sich gut. Aber dann falle ihm wieder ein: „Ich bin ja Deutscher, ich brauche meine Krisen“. Jeder, der ihm auf der Autobahn, im Baumarkt oder im Restaurant freundlich begegnet und nicht den Stinkefinger zeigt, weckt sein Misstrauen. In Zeiten wie diesen dürfe man Frauen nicht mehr als Kavalier begegnen, sondern müsse ihnen bei der Emanzipation helfen. Zum Beispiel nicht mehr die Tür aufhalten, sondern vorgehen, sich gegen die Tür stemmen und dann die Begleiterin ermutigen: „Komm Mädchen, das schaffst du doch!“

Wenn Pufpaff vorführt, wie langjährige Handy-Benutzer auf die Dauer eine Glöckner- von-Notre-Dame-Haltung annehmen, wenn er sich über aufgespritzte Schlauchboot-Lippen, das Modeleiden Burnout oder über romantische „Tatort“-Abende auf dem ehelichen Sofa in Rage redet, kommt das Komödiantische in ihm durch. Aber seine Satire kann auch böse sein, da bleibt manchmal das Lachen im Halse stecken. „Wenn die Pole schmelzen, haben die Afrikaner wenigstens was zu trinken!“ ist solch ein Satz.

Vehement nimmt Pufpaff das Thema Flüchtlinge aufs Korn und wettert gegen Vorurteile und Schubladen-Denken. Er malt aber auch aus, wie die „Berufsfindung“ für künftige Terroristen auf facebook unter dem Motto „to spreng myself“ sein könnte. Und wenn es gar zu hart scheint, meldet er dem Publikum mit einem Seitenblick „Ey, Leute, das ist Satire!“

Als Resümee seiner Menschenerkenntnisse stellt der Kabarettist fest: „Es gibt nur zwei Sorten von Zeitgenossen: Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher!“ Trotz ständiger Lacher im Verlauf des Abends klingt der Schlussbeifall dann eher gemäßigt. War manches manchen vielleicht doch zu scharf und zu unorthodox?

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