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Auch zehn Wochen nach dem „Multi-Kulti“-Anschlag ist kein dringend Tatverdächtiger ermittelt

Bleibt der Brandstifter ein Phantom?

Bad Pyrmont. Auch mehr als zwei Monate nach dem Brandanschlag auf das „Multi-Kulti“- Lebensmittelgeschäft an der Pyrmonter Humboldtstraße bleibt der Täter ein Phantom. Die Kripo habe zwar insgesamt rund zehn Hinweise erhalten und überprüft, „aber wir konnten bisher keinen Täter ermitteln“, sagt Polizeisprecher Jörn Schedlitzki in Hameln.

veröffentlicht am 08.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nach der Veröffentlichung des Videos auf der Internet-Seite der Pyrmonter Nachrichten gingen bei Lebensmittelhändler Ali Eren mehrere Anrufe ein, die er jeweils an die Ermittler weitergab. Aber der eine entscheidende Hinweis, der die Polizei hätte auf die Spur des Brandstifters führen können, war offenbar nicht darunter.

Dabei hatte die Kripo schon bald nach der Tat einen Tipp bekommen, der zumindest zu einem Verdächtigen hätte führen können: Wie es aus Ermittlerkreisen heißt, brachten die Beamten in Erfahrung, dass sich relativ kurz nach der Tat, in den frühen Morgenstunden des 25. März, jemand mit Brandverletzungen im Hamelner Sana-Klinikum hatte behandeln lassen. Die Identität dieser möglicherweise verdächtigen Person kennt die Polizei jedoch nicht. Auf eine Anfrage hin gab das Krankenhaus den Namen des Patienten nicht preis und berief sich dabei auf die ärztliche Schweigepflicht.

Dass der Täter oder die Täterin sich bei der Brandstiftung, die das Ladeninnere verwüstete, selbst verletzt haben könnte, wäre durchaus möglich. Denn die Person, die mehrere Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit durch das aufgedrückte Tür-Oberlicht des Lebensmittelladens warf, könnte in den darauf folgenden Sekunden sehr wohl auch von der Stichflamme erreicht worden sein, die aus dem Tür-Fenster sowie einer geborstenen Scheibe schoss. Allerdings lässt sich aus der bloßen zeitlichen Nähe der Tat in Bad Pyrmont und der Behandlung eines Verletzten in Hameln nicht automatisch ein Zusammenhang herstellen.

Und doch hätten die Ermittler wohl viel darum gegeben, den Namen des Behandelten zu erfahren. Aber, so erklärt Sana-Justiziar Burkhard Rupprecht: „Dass jemand eine Straftat begangen haben könnte, ist kein Grund, eine Ausnahme von der Schweigepflicht zu machen.“ Andernfalls würde man Straftätern jede Möglichkeit nehmen, einen Arzt aufzusuchen. „Aber jeder Mensch soll ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können“, betont der Jurist unter Berufung auf eine der Grundmaximen ärztlichen Handelns.

Ein Weg, den Namen eines Verdächtigen herauszubekommen, wäre eine Durchsuchung. Aber der war hier nicht gangbar. Denn dann hätten die Ermittler in dem an der Tat selbst völlig unbeteiligten Krankenhaus auch die Akten einer ganzen Reihe völlig unverdächtiger Patienten sichten müssen. Den für eine solche Aktion notwendigen richterlichen Beschluss beantragte die Staatsanwaltschaft nicht.

„Wenn ein dringender Tatverdacht vorliegt, kann zwar eine Durchsuchung bei Unverdächtigen beantragt werden“, erklärt Polizeisprecher Schedlitzki und meint mit „unverdächtig“ das Krankenhaus. Der Brandanschlag sei zur fraglichen Zeit jedoch schon geschehen und hätte nicht mehr verhindert werden können. Es habe kein „dringender“, sondern nur ein „einfacher Tatverdacht“ vorgelegen. Und der rechtfertige ein solches Vorgehen nicht. Schedlitzki: „Das sind die Spielregeln der Strafprozessordnung.“ Aus einer bereits verübten Tat lasse sich zudem nicht generell ableiten, dass der Brandstifter erneut zuschlagen werde.

Ali Erens kleiner Laden ist mittlerweile nach wochenlangen Instandsetzungsarbeiten wieder mit neuer Ware bestückt. „Jetzt warten wir, dass die Tür und das Fenster geliefert werden, damit wir wieder richtig öffnen können.“

Was einen möglichen Ermittlungserfolg betrifft, so gibt sich der Einzelhändler pessimistisch: „Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass was passiert“, sagt er, „so lange, wie die Ermittlungen dauern.“ Doch Polizeisprecher Schedlitzki betont: „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.“



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