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Erinnerung an eine „Cigarrenfabrik“

„Blauer Dunst“ aus Neersen

BAD PYRMONT. Der blaue Dunst – er kam, zumindest zeitweilig, auch aus dem beschaulichen Bergdorf Neersen. Dort, in der Ortschaft auf der Ottensteiner Hochebene, gründete 1823 Heinrich Christian Schäfer eine „Cigarren-Fabrik“, in der anfangs größtenteils „Rauch- und Kautabak sowie „Schnupftabak“ produziert wurde.

veröffentlicht am 13.06.2018 um 15:53 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 18:30 Uhr

August Hartmann, der letzte Zigarrenmacher in Neersen, an seinem Arbeitstisch im Jahre 1959. Foto: Archiv Pyrmonter Bergdörfer

Autor:

Wolfgang Warnecke
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Heinrich Christian Schäfer (1794-1870), der zugleich auch das angesehene Amt des Kreisrichters ausübte, vertrieb seine Ware mithilfe eines Pferdefuhrwerks in der näheren Umgebung, überwiegend aber in die nahe gelegenen Lippischen Lande.

Die Zigarrenfabrikation löste später die ursprüngliche Produktion größtenteils ab. Hierbei beschäftigte man einen Arbeiter und vergab die Herstellung hauptsächlich in Heimarbeit. In Neersen waren hier die Familien von Emilie und Ferdinand Grages, Hundertmark, Moniac, Runte, K. Schaper und Strohmeyer besonders tätig. Gerade in den ländlichen Gebieten war die Zigarrenherstellung in Heimarbeit ein willkommener und wichtiger Nebenerwerb.

Das Familienunternehmen wurde von seinem Sohn Heinrich Schäfer (1823-1897) fortgeführt und weiter ausgebaut. Sein Sohn Heinrich Friedrich Schäfer (1854-1929) war ebenfalls Zigarrenfabrikant und betrieb darüber hinaus noch Landwirtschaft und eine kleine Gastwirtschaft als zusätzlichen Erwerbszweig. In dieser Zeit produzierte Heinrich Friedrich Schäfer in Neersen hauptsächlich für die Zigarrenfabrikation seines zwei Jahre älteren Bruders Richard Schäfer, der in Siegburg bei Bonn eine größere Zigarrenfabrik besaß.

Als letzter Zigarrenmacher in Neersen galt August Hartmann, der das Handwerk des Zigarrenmachers noch bei der Familie Schäfer erlernte. Später arbeitete er in Löwensen und dann in Lügde in der Firma Schwering & Hasse. Noch im Alter von 78 Jahren bekam er von der Fabrik meistens Zigarrillos geliefert, die er dann in Heimarbeit mit dem Deckblatt versah.

Vom Rohtabak an musste der Zigarrenmacher alles selbst herstellen. Zunächst musste ein großes, angefeuchtetes Zigarrenblatt, das Deckblatt, in Streifen geschnitten und um die Zigarre gerollt werden. Die Zigarrenspitze erhielt meistens durch Klebstoff die nötige Festigkeit. Zur Grundausstattung eines Zigarrenmachers gehörten neben einem Tisch und einem Rollbrett das Zigarrenmesser sowie die typische Wickelform und Spindelpresse.

Der Sohn von Heinrich Friedrich Schäfer, Oskar Schäfer. Er verkaufte die Gastwirtschaft 1930 an die Gemeinde Neersen, die es noch im selben Jahr abreißen ließ und auf dem Grundstück neben dem alten Pfarrhaus 1932 ein neues zeitgemäßes Schulhaus erbauen ließ. Im ehemaligen Schulhaus hat heute die Kita „Bergzwerge Neersen“ ihren Platz.



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