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Pyrmonter Immobilie versteigert

Bieter-Wettstreit um ein (Alb)Traumhaus

BAD PYRMONT / HAMELN. Der ganz übliche Weg, eine Immobilie zu kaufen, ist das nicht, wenn jemand binnen 50 Minuten 265 000 Euro für ein Einfamilienhaus mit einem vom Gutachter attestierten Verkehrswert von 198 000 Euro lockermacht, ohne es vorher von innen gesehen zu haben. Aber bei Zwangsversteigerungen ist das so.

veröffentlicht am 23.04.2018 um 22:03 Uhr
aktualisiert am 24.04.2018 um 15:40 Uhr

Wenn die Schuldentilgung stockt, kann das Traumhaus zum Albtraum werden. Ein solcher Fall fand jetzt bei einer Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Hameln sein vorläufiges Ende. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Der Höchstbietende kauft in der Regel die Katze im Sack. Denn falls der bisherige Eigentümer – wie in diesem Fall – das Gebäude noch bewohnt, muss er potenziellen Bietern, die es haben wollen, vor der Auktion keinen Zutritt gewähren. Da machte die jüngste Zwangsversteigerung einer Pyrmonter Immobilie im Amtsgericht Hameln keine Ausnahme.

Das Besondere an dem Termin: Es war nicht nur das erste Pyrmonter Haus seit Langem, das in Hameln unter den Hammer kam. Es handelte sich laut Gutachten auch um ein echtes Sahnestück: recht ruhig im Grünen gelegen und doch noch in Zentrumsnähe. Solide gebaut Ende der 1950er Jahre und offensichtlich in einem durchaus passablen Zustand. Wenn Makler solche Immobilien auf dem freien Markt anpreisen, dann fließen ihnen die blumigen Vokabeln dafür nur so aus der Feder.

Die per Aushang im Schaukasten am Pyrmonter Rathaus, aber auch auf einschlägigen Plattformen veröffentlichten Fotos und das Gutachten locken denn auch beinahe zwei Dutzend Bietparteien ins Hamelner Amtsgericht.

Vor Beginn der Versteigerung sind die allermeisten Stühle im Flur vor Saal 108 besetzt von Menschen, die in dieser Gruppierung wohl nie wieder zusammentreffen werden: von gut situierten jungen und reiferen Paaren, die endlich schöner wohnen wollen, über zwei, drei Spekulanten und ein paar Makler bis hin zu den älteren Eheleuten, die nur hier sind, weil sie wissen wollen, wer ihre neuen Nachbarn werden. Als es dann losgeht, fasst der Rentner die Spannung im Raum in treffende Worte: „Jeder Körper strahlt 40 Watt ab, aber hier sind es 60“, raunt er seiner Frau zu.

Der für den Noch-Eigentümer freigehaltene Stuhl bleibt dagegen leer. „Das wollte ich mir nicht antun“, sagt der 71-Jährige hinterher, der sich nun mit seiner Frau eine neue Bleibe suchen muss. „600 000 Mark habe ich für das Haus bezahlt“, erinnert er sich. Das war vor 20 Jahren, als die Banken noch sehr freigiebig mit Krediten waren. „Und dann wird man krank, und alles kommt anders.“ Wegen der noch immer rund 200 000 Euro Schulden betrieb Bad Pyrmonts Stadtsparkasse das Zwangsversteigerungsverfahren nun als Gläubigerin.

Dass Schnäppchenjäger hier wohl kaum zum Zuge kommen würden, hatte der zuständige Banker potenziellen Interessenten schon am Telefon erklärt. „So ein Haus kommt sonst gar nicht in den freien Verkauf.“ Deshalb ist dem Herrn im Anzug bei der Versteigerung auch nicht bange, die Außenstände wieder hereinzuholen. Als der erste Bieter („Ich kann auch in Dollars zahlen“) mit 99 000 Euro startet, gefolgt von einer sehr alten Frau mit 100 000-Euro-Gebot, kann der Sparkassenmitarbeiter ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Seine Vorstellung, „dass wir in jedem Fall in Höhe des Verkehrswerts liegen“, wird nach einem spannenden, Schlag auf Schlag in 1000er-Schritten vollzogenen Wettstreit von zum Schluss zwei Ehepaaren dann sogar noch deutlich getoppt. Den Zuschlag erhält schließlich ein zugezogenes Paar mittleren Alters. Ob die Immobilie seine wird, erweist sich in der kommenden Woche beim Termin für den Zuschlagsbeschluss.

Immerhin: Dank des deutlich über seinen Schulden liegenden Erlöses ist der Noch-Bewohner nun nicht mittellos.



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