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Bad Pyrmonts Stadtwerke-Chef Dieter Boldt zum Gerücht einer Kontaktaufnahme durch Hochtief

„Bei uns war noch niemand“

Lügde/Bad Pyrmont. Noch ist keineswegs klar, ob der Industriebau-Wunsch des Baukonzerns Hochtief und des Kreises Lippe nicht schon an den Naturschutz-Auflagen scheitert. Denn der Status des nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Lügder Mörth-Hochplateaus hat Gewicht.

veröffentlicht am 04.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 21:41 Uhr

Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Mindestens ebenso bedeutsam dürfte aber die Frage der Finanzierung sein. Setzt Hochtief nach Auskunft von Bastian Görke von der „PSW Lippe GmbH“ für die Projektkosten noch von der Konzernmutter bereitgestelltes Risikokapital ein, so muss die als Investorin auftretende Projektgesellschaft die vermutlich mehr als 400 Millionen Euro zum Bau des Pumpspeicherkraftwerks PSW) bei potenten Geldgebern auftun. Das Stammkapital der GmbH mit Anschrift in Essen beträgt laut Handelsregister Lemgo 50 000 Euro. Da sind Investoren – ebenso wie potenzielle spätere Betreiber sehr gefragt.

Die zu finden, scheint derzeit allerdings schwierig. Denn so lange Pumpspeicherkraftwerke vom Staat nicht subventioniert werden, ist mit ihnen kein Geschäft zu machen. Das sähe erst dann anders aus, wenn der Staat den Bau bezuschusst und/oder den Betreibern eine Grundvergütung garantiert – in der Branche war schon die Rede vom Pumpspeicher-Pfennig.

Noch hat die intensive Lobby-Arbeit der Bau- und Speicher-Branche allerdings keine sichtbaren Früchte getragen. Denn auch Politiker fürchten die Gegenwehr der Bürger angesichts der mit dem PSW-Bau verbundenen massiven Eingriffe in Landschaft und Natur. Anders als bisher in Lügde provozieren ähnliche Bauprojekte vielerorts lauten Widerstand.

Dennoch hält sich im Talkessel ein Gerücht hartnäckig: Demnach sollen die Stadtwerke Bad Pyrmont längst um eine Beteiligung angefragt worden und angeblich sogar schon im Boot sein. Doch was ist dran an der Geschichte?

„Bei uns war noch niemand“, erteilt Bad Pyrmonts Stadtwerke-Chef Dieter Boldt dem Gerücht eine klare Absage. Zwar könnten die landauf, landab geplanten PSW auch seiner Ansicht nach ein Baustein der Energiewende werden. „Aber sie sind mit sehr vielen Risiken behaftet, weil niemand weiß, wie sich die Wirtschaftlichkeit darstellt“, sagt der Geschäftsführer des heimischen Energieversorgers. Deshalb sähe Boldt in einer Beteiligung unter den derzeit geltenden Gesetzesvorgaben „eine große Gefahr“. Dabei verweist er auf den Stadtwerke-Verbund Trianel, der seine PSW-Projekte etwa an der Nethe im Kreis Höxter derzeit auch ruhen lasse. Würde der Strom in Zukunft deutlich teurer, dann könnten die Speicher-Betreiber wohl richtig viel Geld verdienen, glaubt Boldt.

Und wie sieht sein kürzlich bestellter Nachfolger Uwe Benkendorff die Sache? Der Diplom-Ökonom, der ab 1. Januar 2015 die Geschicke der Pyrmonter Stadtwerke lenken soll, antwortet zunächst mit einer Frage: „Haben Pumpspeicherkraftwerke eine Zukunft?“

Auch für ihn wäre entscheidend, ob sich solche Investitionen rechnen. Doch das ist nicht alles. „Da haben Sie ganz schnell ein Bürgerbegehren“, schließt er mit Blick auf diverse von Protesten begleitete PSW-Projekte in der Republik.

Für Benkendorff ist deshalb klar: Wer etwas gegen die Bürger baue, schade seinem Ruf. Hinzu kämen die mit großen PSW-Projekten verbundenen erheblichen Eingriffe in die Natur. Ungeklärt sei zudem die Perspektive. Die Frage: „Hat so etwas in 15 Jahren noch eine Zukunft?“, könne derzeit niemand verlässlich beantworten.

Ohne sich speziell mit den Hochtief-Plänen für ein PSW im Lügder Mörth intensiv beschäftigt zu haben, würde Uwe Benkendorff derzeit eher dazu neigen, „mit Investitionen in einer solchen Größenordnung sehr zurückhaltend zu sein“. Denn: „Es ist sehr viel Bewegung in der Energiewirtschaft“, sagt der Fachmann. Im Moment seien alle Unternehmen auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. „Aber keiner hat ein Patentrezept.“



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