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Förster trifft auf Kritikerin

Begegnung im Wald

BAD PYRMONT. Ein Showdown im Wald sollte es nicht werden, aber die Voraussetzung war klar: Eine Kritikerin von Baumfällungen trifft auf den zuständigen Revierförster und hat ganz viele Fragen. Wie das wohl ausgeht?

veröffentlicht am 05.04.2017 um 16:02 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:39 Uhr

„Das sieht ja schrecklich aus“, kommentiert Margret Reese den Anblick einer Rückegasse. Revierförster Phillipp Klapper gibt ihr Recht, hat aber auch eine Erklärung. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Es war ein dramatischer „Hilferuf“, mit dem sich Margaret Reese vor gut zwei Wochen an die Pyrmonter Nachrichten wendete. „Pyrmonts Wälder werden zerstört. Allein um die Sennhütte und den Spelunkenturm ist alles platt gemacht. Kein Mensch wagt sich in den Wald“, schrieb die Wanderführerin des Heimatbundes. Doch die Bäume lagen längst am Boden, waren zum Teil schon von den Käufern abgeholt worden und Revierförster Phillipp Klapper hatte zudem im Vorfeld Ende Januar öffentlich erklärt, warum die Arbeiten aus seiner Sicht notwendig waren. Was also tun?

Warum nicht Kritikerin und Förster vor Ort zusammenbringen und die Angelegenheit bereden lassen, denn das Ausmaß der Arbeiten an der Sennhütte hatte es in sich. Immerhin wurden hier gut 10 Prozent der Jahreseinschlagmenge geerntet, wie Forstleute sagen. Klapper war dazu sofort bereit. Solche kritischen Fragen bekomme er alle paar Wochen gestellt, sah er eine gute Gelegenheit, einmal grundsätzlich Stellung zu beziehen. Auch Margret Reese zögerte nicht, war neugierig auf das, was ihr der Revierförster zu erzählen hatte.

Los ging es im großen Bogen um die Sennhütte zum Spelunkenturm und zurück. „Warum können die Leute nicht die vielen Äste und Zweige, die am Boden liegen, einsammeln und verwerten?“, wollte Margret Reese als erstes wissen. „Das sieht so unordentlich aus. „ Das ist wertvoller Nährstoff für die Bäume, darum lassen wir das liegen“, so Klapper, der aus Erfahrung weiß, dass besonders Vertreter der Nachkriegsgeneration, die unter Mangel – auch was Brennholz anging – zu leiden hatten, und ihm immer wieder diese Frage stellen. „Einen aufgeräumten Wald sieht die Natur sowieso nicht vor“, fügte er hinzu. „Es ist typisch menschlich, zu ordnen und zu sortieren.“ Und Margret Reese? Sie akzeptierte die Antwort.

Der Stumpf einer großen Esche am Wegesrand wird zum nächsten Gesprächsthema. „Die sieht doch ziemlich gesund aus, warum haben Sie die fällen lassen?“, wollte Margret Reese wissen. „Der Baum war vom Eschentriebsterben befallen und war wie viele andere hier eine Gefahr für Waldbesucher“, lautete die Antwort, die die Fragestellerin ebenfalls akzeptierte.

Doch dann ein Knackpunkt. Eine mehrere Meter breite Schneise mit tiefen Reifenspuren führt vom Weg weg in den Wald. „Das sieht ja schrecklich aus, richtig verwüstet“, kommentiert Margret Reese den Anblick. Phillipp Klapper gibt ihr recht. „Das sieht wirklich nicht schön aus. Das ist eine Rückegasse, durch die die Stämme abtransportiert werden“, erklärt er. Die gebe es alle 40 bis 50 Meter. „Früher ist man kreuz und quer durch den Wald gefahren und hat viel größere Schäden angerichtet. Auf diese Weise können wir die Schäden wesentlich kleiner halten, denn gerückt werden müssen die Baumstämme nun einmal.“ Margret Reese hat dafür Verständnis, bleibt aber dabei, dass diese Gassen einen schrecklichen Anblick bieten. „Wenn jetzt alles grüner wird, sieht das ja vielleicht wieder besser aus“, so ihre Hoffnung.

Auch der Umfang der Arbeiten ist etwas, was sie stört. „So viele Bäume wurden gefällt, musste das sein?“, fragt sie. In einem Wald wie dem Pyrmonter Wald ja. Denn die Stadt hat grundsätzlich festgelegt, hier einen Wirtschaftswald zu betreiben und keinen Erholungswald. Mit der Forstwirtschaft soll in erster Linie Geld verdient werden, die Erholungsfunktion, um die sich die Forstleute mit dem Bau von Wegen und Schutzhütten, Bänken und Waldlehrpfaden auch kümmern, kommt erst an zweiter Stelle. „Und Holz brauchen wir alle, ob für Möbel, Werkzeuge, Spanplatten oder Eis am Stil“, erläuter Phillipp Klapper. „Deutschland kann seinen Bedarf schon jetzt nicht alleine decken, sondern muss auch Holz aus dem Ausland importieren.“ Hier hat er seinen Gast wieder ganz auf seiner Seite.

Am Ende sind beide zufrieden: Förster und Kritikerin. „Ich finde es toll, wenn Bürger und Bürgerinnen sich mit dem Wald identifizieren und auch kritisch unsere Arbeit beleuchten. Wenn ich einiges auflösen konnte wie heute, dann ist das natürlich sehr schön“, so das Fazit Klappers. Und Margret Resse bekannte, eine große Zufriedenheit zu empfinden. „Ich sehe jetzt vieles anders.“ Nur den Anblick der Rückegassen, nein, den könne sie nun wirklich nicht nachvollziehen, fügt sie hinzu. Aber bei den von ihr geführten Wanderungen kann sie nun immerhin erklären, warum die Forstleute das tun, was sie tun.

Der Revierförster freut sich über die Unterstützung, will aber auch selber aktiv werden. Er plant in diesem Jahr drei Waldführungen, um über die Aufgaben der Forstwirte zu informieren. Näheres will er rechtzeitig bekannt geben.

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