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Shooting-Star am Dirigentenpult

Beeindruckend virtuos: Nordwestdeutsche Philharmonie

BAD PYRMONT. Was es am Freitagabend im Konzerthaus zu hören und zu sehen bekam, war höchstes Niveau. Zugaben wären sehr willkommen gewesen, aber sie waren nicht erlaubt. Doch was im Rahmen der regulären Spielzeit von Tschaikowsky, Mozart, Schubert und Smetana präsentiert wurde, begeisterte das Publikum auch ohne Extras restlos.

veröffentlicht am 19.09.2021 um 07:00 Uhr

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Reporter

Was für ein Schlussapplaus am Freitagabend im voll besetzten Konzerthaus beim Konzert Pyrmonter Symphonics VI! Das Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie aus Herford, die 1950 in Bad Pyrmont gegründet wurde, war das Beste, was man seit langer Zeit in dem würdigen Gemäuer hören konnte. Und sehen, denn ein Großteil der beeindruckenden Klangwirkung ging auf das Konto des 29-jährigen Shooting-Stars der internationalen Dirigentenszene: Jonathon Heyward.

Eine derartige Feinfühligkeit, Empathie und fast tänzerisch enge Verbindung zum Orchester, und ein Orchester mit hoher Motivation und Spielfreude! Peter Tschaikowskys „Dornröschen: Suite op. 66a“ bildete den Auftakt, bekannt und voll von instrumentatorischer Finesse und melodischer Originalität. Nach der Introduktion das Rosen-Adagio, gefolgt vom mitreißenden Walzer. Ein absolutes Highlight bildete der Auftritt des spanischen Hornisten Alfredo Cabo-Carbonell, ebenfalls 29 Jahre jung, mit dem „Hornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 495“ von Wolfgang Amadeus Mozart, einem der anspruchsvollsten und schönsten Konzerte für dieses Instrument. Ein exzellenter Eingangssatz, lebhaft und virtuos, dann ein in Jagdhornthematik gehaltenes Rondo, beide mit hoher Spielkunst interpretiert, unterstütz von feinfühligem Dirigat.

Leider verboten die Corona-Regeln eine Zugabe aufgrund der für das gesamte Konzert geltenden begrenzten Spielzeit. Schon in der Pause zeigte sich das Publikum begeistert von der Qualität des Verlaufs, und es wurde auch in der zweiten Hälfte nicht enttäuscht.

Die Moldau - bekannt und intensiv

Die „Sinfonie Nr. 8 h-Moll D 759 ‚Unvollendete‘“ von Franz Schubert, in ihrer Wertigkeit neben Beethoven einzuordnen, ist umstritten, weil nicht klar ist, ob sie nach zwei Sätzen „fertig“ oder ob ursprünglich eine viersätzige Sinfonie geplant war. Mächtige Akkorde, ein streichergetragenes Klangfeld, über dem Oboe und Klarinette das Hauptthema entfalten, da konnte man in Schubert schwelgen.

Als großen Abschluss dann „Die Moldau“ von Bedrich Smetana – wer hat es jemals mit solcher Intensität gehört? Fast bis zur Unhörbarkeit flüsternde Violinen, die den Lauf der Moldau an stillen Stellen illustrieren, dezente Jagdhörner im Hintergrund, sprudelndes Wasser, dann die gewaltigen Stromschnellen, wo Pauke, Becken und große Trommel einsteigen, dann der majestätische Übergang ins Flussdelta. Das war Programmmusik vom Feinsten, das Publikum atemlos vor Begeisterung, ein Abend, der wieder einmal zeigte, wie eminent wichtig das Konzerthaus und ein gehobenes Konzertangebot für ein Staatsbad wie Bad Pyrmont ist.



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