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Russischer Industrieller macht aus dem über 100 Jahre alten „Haus Kurgarten“ ein Appartmenthotel

„Bauherr spart weder Kosten noch Mühe“

Bad Pyrmont. Die frühere Hotelpension „Haus Kurgarten“ ist das wohl schönste Gebäude an der Bombergallee. Zweieinhalb Jahre nach dem Verkauf an den Industriellen Konstantin Vrasskiy aus dem russischen Tver stand die Jugendstilvilla aus dem Jahr 1911 mit der denkmalgeschützten Fassade leer. Ende Juli rückten die Bauarbeiter an und krempelten das Gebäude völlig um. „Der Bauherr spart weder Kosten noch Mühe, das Gebäude zu renovieren“, betont die Architektin Tanja Linke, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Axel Hagemeyer vom Hamelner Büro „Bauzeit“ für die Planung und Bauüberwachung zuständig ist.

veröffentlicht am 12.09.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

Hans-Ulirch kILIAN
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Der Aufwand ist in der Tat beträchtlich. „Wir haben acht Wochen lang das Haus völlig entkernt“, berichtet Hagemeyer. Die Villa, die in früheren Zeiten Sanatorium und sogar kurzzeitig Unterkunft für Nonnen des St.-Georg-Krankenhauses war, hat im Laufe der Zeit Um- und Anbauten erfahren, die ihren ursprünglichen Charakter verändert haben. Teils geschah dies ohne Rücksicht auf statische Belange. „Da fehlte dann irgendwo eine Stütze“, nennt Linke ein Beispiel. „Außerdem haben wird das Haus anfangs nicht verstanden. Damals haben Bauherren Wert auf Klarheit und Symmetrie gelegt, aber davon war einiges nicht mehr vorhanden“, so die Architektin. Die Anbauten sind mittlerweile verschwunden, Fußböden wurden aufgerissen, Wände neu eingezogen und Türen geöffnet. Das Gebäude sieht innen aus wie ein Rohbau. Jeder, der ein altes Haus renoviert, der weiß um die Überraschungen, die auf ihn lauern. Im Haus Kurgarten ist das nicht anders. „Wir stehen immer wieder vor der Situation, darauf reagieren zu müssen und Lösungen zu finden“, sagt Linke. Darin bestehe aber auch der Reiz der Aufgabe. Zu den harmlosen Überraschungen gehört die Entdeckung des alten Schriftzuges „Haus am Bomberg“ über der Eingangstür, der bislang verborgen war.

Doch eine Rückkehr zu dem alten Namen wird es nicht geben. Als „Appartmenthotel Haus Kurgarten“ will es Vrasskiy betreiben. Aus den früher 31 Zimmern entstehen sieben Appartements mit Schlafzimmer, Bad, Küche mit Ess- und Wohnbereich. Er selber bezieht das Dachgeschoss.

Und auch über den Brandschutz konnten die Architekten mit Jürgen Harney vom städtischen Baudezernat reden. Um zum Beispiel die alte Eichentreppe zu erhalten, werden die Flure mit Glaswänden vom Treppenhaus getrennt, an der Rückseite wird eine Spiraltreppe als zweiter Fluchtweg errichtet. „Das war das kleinere Übel“, so Hagemeyer. Auch für die denkmalgeschützte Fassade wurden Lösungen gefunden. „Alle Fenster werden erneuert, die schmalen Rahmen bleiben aber erhalten“, erläutert Linke. Ob die Sandsteinsäulen erhalten werden können, wird sich zeigen, wenn sie freigelegt sind. Für alle diese Varianten hat der Bauherr natürlich die notwendigen finanziellen Möglichkeiten und kann auch die eine oder andere Überraschung verkraften.

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Nächste Woche sollen die Dachdecker ihre Arbeit aufnehmen, damit den Winter über weitergearbeitet werden kann und das Haus, das vollkommen klimatisiert und barrierefrei wird, im Frühjahr fertig ist.

Kurdirektor Heinz-Hermann Blome hat sich intensiv darum gekümmert, dass das „Haus Kurgarten am Markt“ bleibt, nicht zuletzt, weil es in der Nahbarschaft zum Königin-Luise-Bad liegt und der neue Eigentümer einst Patient der Kurfürstenklinik war. „Das hat Modellcharakter, denn es zeigt, wie man etwas gegen Leerstand unternehmen kann, wenn man unaufgeregt, konzentriert und in aller Stille gemeinsam einen Investor überzeugt“, zeigt er sich zufrieden. Von dem Appartmenthotel erhofft sich Blome die Erschließung neuer, sprich zahlungskräftiger Gästeklientel, wie es sie bislang hier noch nicht gebe. Und da Herr Vrasskiy gut vernetzt sei, könnten dessen Freunde und Bekannte vielleicht seinem Vorbild folgen. Schöne Häuser gebe es in Bad Pyrmont genug.

Es ist an der Bombergallee nicht das Haus Kurgarten allein, in dem sich etwas tut. Bekanntlich wird 2014 das Königin-Luise-Bad modernisiert und die Psychosomatische Fachklinik will das frühere Krankenhaus St. Georg übernehmen, um hier ihren Akutbereich unterzubringen. Anfang nächsten Jahres könnten die Arbeiten beginnen.

Die Fassade der Jugendstilvilla an der Bombergallee steht unter Denkmalschutz. Sie erhält später erneut einen gelblichen Anstrich.uk



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