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Zahl der Notfalleinsätze hat sich verdreifacht / Kooperationen scheitern an Landesgrenze

Bathildiskrankenhaus springt für Hausärzte ein

Bad Pyrmont. Die Rettungskräfte des Bathildiskrankenhauses springen immer öfter für den hausärztlichen Notdienst ein. „Die Zahl der Einsätze hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht“, berichtete jetzt der Ärztliche Direktor Dr. Joachim Hertel, der das unter anderem auch auf die immer schlechter werdende Versorgungslage durch die Hausärzte zurückführt.

veröffentlicht am 06.02.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Hans-Ulirch Kilian
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Auf dem Land geht die Zahl der Ärzte, die sich für den Notfalldienst außerhalb der üblichen Sprechzeiten zur Verfügung stellen, immer weiter zurück. Wer beim ärztlichen Notdienst nicht weiterkommt, der ruft stattdessen den Rettungsdienst, und das geschieht offenbar immer öfter. „Im Jahr 2008 hatten wir jährlich noch 900 Einsätze, 2011 waren es dann schon fast 1400 und im vergangenen Jahr waren es 1900“, so der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, der vermutet: „Diese Zahl steigt weiter.“

Dabei bietet das Krankenhaus keinen hausärztlichen Notdienst, sondern eine Notfallaufnahme. „Wer medizinische Hilfe braucht, der wird von uns versorgt“, versichert Hertel. „Doch was wir nicht dürfen, ist ein Rezept ausstellen, dafür haben wir mit der Kassenärztlichen Vereinigung keine Vereinbarung.“

Miriam Kantzoglou aus Lügde ist eine Patientin, deren Bitte nach einem Arzneirezept an einem Wochenende im Januar von der ambulanten Notfallaufnahme des Bathildiskrankenhauses abgewiesen wurde. Stattdessen fuhr sie nach Hameln und bekam dort in der Notfallpraxis des Ärztlichen Notdienstes am Hastenbecker Weg das benötigte Rezept. „In Bad Pyrmont hatte ich die Auskunft erhalten, ich bekäme kein Rezept, weil ich aus Lügde komme.“

Dr. J. Hertel

Hertel kennt zwar diesen konkreten Fall nicht, doch er versichert: „Mit der Herkunft aus Lügde hat das nichts zu tun.“ Stattdessen sei es so, dass die ambulante Notfallaufnahme das Recht der niedergelassenen Ärzte und Apotheken nicht verletzten dürfe, ansonsten drohten Schadensersatzforderungen. „Wir können Patienten allerdings für ein oder zwei Tage mit Medikamenten versorgen, bis ihr Hausarzt wieder Dienst hat. Ich gehe aber davon aus, dass wir – wenn die Zahlen weiter steigen – früher oder später eine Zulassung bekommen, um auch Rezepte auszustellen zu dürfen.“

Dabei ist auch das Bathildiskrankenhaus in den Hausärztlichen Notdienst in Bad Pyrmont eingebunden. Nicht über die Notfallaufnahme, sondern über das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ). „Und wenn das Dienst hat, dann stellt es auch Rezepte aus“, versichert Dr. Anette Koch, Vorsitzende der Pyrmonter KV-Kreisstelle. „Der Hausärztliche Notdienst darf aber eigentlich keine Patienten aus Lippe behandeln. Denn das können wir nicht abrechnen. Wir haben aber nie jemanden abgewiesen.“ Miriam Kantzoglou aus Lügde hat andere Erfahrungen gemacht, und: „Der Notfallpraxis in Hameln war es egal, woher ich komme.“

Unter der zentralen Notrufnummer 116117 werden Anrufer aus Lügde immer wieder an Krankenhäuser in Höxter, Lemgo oder Detmold verwiesen, weil vor Ort kein Hausarzt Dienst hat. „Das weiß auch der Lügder Hausarzt Dr. Bertel Berendes, der die Einschätzung von Dr. Hertel teilt, dass das der Grund für die zunehmende Zahl von Notfalleinsätzen für das Krankenhaus ist. „30 Kilometer zu fahren, ist manchen Patienten zu weit, dann wenden sie sich lieber an die Notfallaufnahme“, bestätigt er. „Dabei ist das dreimal teurer.“ Er hatte darum auch eine gemeinsame Notfallpraxis der Ärzte aus Bad Pyrmont und Lügde vorgeschlagen, doch das sei an der Landesgrenze gescheitert. „Auf der einen Seite ist die KV Westfalen, auf der anderen Seite die KV Niedersachsen zuständig.“

Auch Dr. Koch hält eine Kooperation der beiden Nachbarstädte für sinnvoller, als die gegenwärtig praktizierte Regelung für Lügde, die sich auf lippischer Seite mit anderen Hausärzten für den Notdienst zusammengeschlossen haben. Gleiches gelte für Bad Pyrmont und Hameln, doch das sei bislang nicht gewünscht gewesen. „Auch wenn die Zahl der Ärzte, die sich an dem Notfalldienst beteiligen, immer geringer wird, so ist die Situation für die Patienten im Vergleich mit Lügde noch gut“, meint sie. Sie fragt gerade ab, wie viele Kollegen sich aktuell an dem Dienst beteiligen. Sie wisse nur, dass das von den Fachärzten fast keiner tue und von den vielen Ärzten über 60 eben immer weniger.

Übrigens gehe auch die Zahl der Patienten zurück, weil die Leitstelle die Anrufer vorfiltere, so die Gynäkologin. Nicht jeder Anrufer sei ein Notfall. Der Notdienst werde auch massiv ausgenutzt, zum Beispiel, um nicht lange auf einen Termin in der Sprechstunde warten zu müssen.

Doch auch für die Pyrmonter könnte es bald heißen, im Falle eines Notfalles den Weg zu einem Arzt nach Hameln antreten zu müssen. „Wenn die Zahl der niedergelassenen Hausärzte in Bad Pyrmont unter 23 sinkt, dann müssen wir uns einen Partner suchen, das ist gesetzlich so geregelt“, so Koch. Das sei absehbar, denn gut die Hälfte der Kollegen sei mittlerweile älter als 60 Jahre.

Die Notfallaufnahme des Bathildiskrankenhauses bekommt mehr zu tun, weil die Versorgungslage durch Hausärzte schlechter wird.

Foto: Archiv



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