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DB Regio AG schickt Ute Meeßen einen für sie unnützen Reisegutschein und verweist auf Schiebetritte

Bahn-Brief macht Rentnerin zornig

Bad Pyrmont. Ute Meeßen war am Vormittag des 20. Januar mitsamt ihrem Rollstuhl auf dem Bahnsteig des Pyrmonter Bahnhofs zurückgelassen worden. Als Antwort auf ihre Beschwerde schickt die Bahn ihr einen für sie nutzlosen Reisegutschein.

veröffentlicht am 11.02.2016 um 19:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:47 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. Die Erfahrung lehrt: Wenn einmal irgendwo der Wurm drin ist, dann setzt er sich gern richtig fest. Diesen Eindruck hat derzeit zumindest Ute Meeßen. Denn am Donnerstag fand die Pyrmonterin ein Schreiben der DB Regio AG in ihrem Briefkasten. In dem DIN-A4-Umschlag steckte die Reaktion der „Kundendialog“-Abteilung der Bahn auf eine Beschwerde der körperbehinderten Rentnerin.

Meeßen war am Vormittag des 20. Januar mitsamt ihrem Rollstuhl auf dem Bahnsteig (Gleis 3) des Pyrmonter Bahnhofs zurückgelassen worden, obgleich sie bis zur Zugspitze rollte, als der Zug einfuhr – so, wie es die Bahn hilfsbedürftigen Rollifahrern empfiehlt. Der Triebwagenführer sah jedoch nicht aus dem Fenster. Die S-Bahn fuhr ohne die Pyrmonterin los (wir berichteten).

Versöhnen kann der Inhalt des Briefes die 71-Jährige jedoch nicht. Und die darin enthaltende „Geste des Entgegenkommens“ macht die Rentnerin beinahe zornig. „Was soll ich denn mit einem 15-Euro-Reisegutschein?“, fragt Meeßen. „Mit meinem Behindertenausweis kann ich doch seit 1981 kostenfrei durch ganz Deutschland fahren.“ Jemand anderen, dem sie mit dem Gutschein eine Freude machen könnte, kennt sie nicht. „Die fahren alle Auto.“

Im Anschreiben drückt die Kundendialog-Mitarbeiterin zwar ihr Bedauern darüber aus, dass Meeßen vor drei Wochen aufgrund einer „Verkettung widriger Umstände“ ihre geplante Fahrt nach Hameln nicht antreten konnte, weil der Lokführer bei der Einfahrt kein Handzeichen habe erkennen können und bis zur Einleitung der Abfahrt „ein weiteres Zeichen, dass Hilfe benötigt wird, leider auch nicht wahrgenommen“ habe. Fakt ist jedoch: Für Meeßen wurde ein Knopf an der bereits geschlossenen Zugtür gedrückt. „Dadurch erhält der Lokführer ein Signal“, sagt Meeßen.

Im Übrigen weist die Autorin des Bahn-Briefs ganz allgemein darauf hin, dass durch die bei Öffnung der Zugtüren automatisch ausfahrenden Spalt-überbrücker eine „Verbesserung der Zustiegsmöglichkeiten für mobilitätseingeschränkte Personen“ erreicht worden sei. „Bei den Spaltüberbrückern kann der Rollstuhl direkt in den Zug fahren, ohne dass eine Rampe angelegt werden muss“, heißt es weiter in dem Brief. Der wurde somit ganz offenbar in Unkenntnis der Situation formuliert, wie Meeßen und andere Bahnkunden mit Handicap sie einschätzen – und kritisieren: Die Klapptritte aus Aluminium verschmälern den Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante zwar. Schließen können sie ihn jedoch nicht. Die verbleibende Kluft misst – je nach Bahnsteig – noch bis zu 15 Zentimeter. Aus diesem Grund sollen laut Region Hannover bis zum Sommer alle 68 Züge der S 5 mit manuell ausklappbaren Rampen aufgerüstet werden (wir berichteten). Davon weiß man beim DB-Kundendialog aber offenbar noch nichts. Meeßen graust es jedenfalls vor dem Abgrund. Denn sie hat selbst erlebt, wie ein ebenfalls behinderter Bekannter mit einem kleinen Rad seines mehrere Hundert Kilo schweren Elektro-Rollstuhls in einem solchen Spalt hängenblieb. „Das war zwar in Duisburg“, sagt die Rentnerin. Aber sie glaubt: „Das könnte hier doch auch passieren.“ Dass die Bahn dem Brief noch ein Faltblatt mit Tipps und Hinweisen für Mobilitätseingeschränkte beigelegt hat, betrachtet die 71-Jährige auch nicht als hilfreich. Als sie gestern die im Briefkopf angegebene Rufnummer wählte, landete sie bei der kostenpflichtigen allgemeinen Auskunft. „Dort sollte ich dann Zahlen eingeben. Damit komme ich aber nicht klar“, sagt sie – und legte auf. Bad Pyrmonts Beirat für Menschen mit Behinderungen hofft indes, dass seine Intervention die Anliegen von Rollifahrern gegenüber der Bahn befördert. Das Gremium hat jetzt auch einen Brief an das Unternehmen erstellt, der dieser Tage, nach einer Endabstimmung, in die Post gegen soll.

„Was soll ich denn mit einem 15-Euro-Reisegutschein?“, fragt

Ute Meeßen. Das Schreiben der DB Regio AG hat die 71-Jährige alles andere als milde gestimmt.

Foto: jl



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