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Bauherren tun gut daran, ihn zu erkunden

Bad Pyrmonts trügerischer Untergrund

Bad Pyrmont. Zugmaschinen und Auflieger haben vergangene Woche am Altenauplatz neugierig gemacht. Zwischen den Häusern 3 und 5 machten sich Bauarbeiter daran, den Untergrund mit einem großen fahrbaren Bohrgestänge zu erkunden. Es war wieder einmal so weit: Ein Bauherr ließ den Boden prüfen, bevor er seine Baupläne umsetzt.

veröffentlicht am 02.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian und Klaus Titze
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Er ist gut damit beraten, denn der Untergrund Bad Pyrmonts ist tückisch. Das hat in der Vergangenheit schon so mancher Bauherr erfahren müssen, denn die Beschaffenheit kann aufwendige Gründungsarbeiten erforderlich machen. Die Quellen, von und mit denen der Kurort lebt, steigen durch Risse und Spalten aus mehreren Tausend Metern Tiefe auf. Sämtliche Bauarbeiten in der engsten Schutzzone müssen mit großer Vorsicht ausgeführt werden.

In jüngerer Vergangenheit ließ die Stadtsparkasse Bad Pyrmont bei ihrem Wohnbauprojekt „Living Garden“ an der Solbadstraße den Untergrund prüfen, weil unter den Mehrfamilienhäusern eine große Tiefgarage entstand. „Ich will nicht noch eine Quelle entdecken“, scherzte Vorstandschef Martin Lauffer seinerzeit. Die Mühe und die Kosten für den Hydrologen haben sich gelohnt, der Bankchef hat keine neue Quelle entdeckt. Ähnliches erhofft sich die Stadt beim Neubau der Bad Freienwalder Brücke.

Anders erging es in den 90er Jahren der Deutschen Post, die am Postweg/Ecke Bathildisstraße ein großes Gebäude errichten wollte. Doch die Baugrube lief voll Wasser, die angrenzenden Häuser drohten in Mitleidenschaft gezogen zu werden (noch heute erinnert ein aus der Erde ragender Stahlträger an die Sicherungsmaßnahmen) und schließlich entschloss man sich dazu, die Grube wieder zu verfüllen und mit Gras einzusäen. Das muss nicht bedeuten, dass unter dem Nachbargrundstück ähnliche Beschaffenheiten herrschen. „Wir haben an einigen Stellen im Stadtgebiet innerhalb weniger Hundert Meter unterschiedlichen Untergrund“, erläutert Friedrich Hennecke vom Baudezernat, der dort für den Tiefbau zuständig ist. „Vor dem Rathaus haben wir eine große Treibstandblase, unter dem Brunnenplatz Moor“, erklärt er. Konsequenterweise steht die Wandelhalle – wie auch das heutige Hotel Steigenberger – auf mehreren Hundert Eichenpfählen, die in die Erde eingelassen sind und für Stabilität sorgen. Das völlige Gegenteil entdeckte die Stadt unter dem Kaiserplatz. „Als wir dort vor einigen Jahren Kanalrohre verlegen wollten, mussten wir uns in eine Felsschicht graben“, so Hennecke. Der Aufwand – Zeit und Kosten – sei so ungewöhnlich hoch gewesen, dass bei der Abrechnung das Rechnungsprüfungsamt der Stadt ganz genau wissen wollte, was dafür verantwortlich war. „Wir haben das sogar mit Fotos nachgewiesen“, erinnert sich Hennecke.

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  • Eigentlich sollte hier am Postweg ein Gebäude stehen, stattdessen wächst Rasen. Immer noch erinnert der aus der Erde ragende Stahlträger an den gescheiterten Versuch in den 90er Jahren. jl

Wenn heute in Bauherr in Bad Pyrmont bauen will, dann muss er einen Bauantrag stellen, aber ein Bodengutachten gehört laut Hennecke nicht zu den amtlichen Anforderungen. „Aber der Architekt haftet gegenüber seinem Auftraggeber und wird im Zweifel aus eigenem Interesse dafür sorgen.“

So ist es jetzt auch am Altennauplatz geschehen. Mit einem knapp vier Meter langen Bohrgestänge wurden an verschiedenen Stellen Bodenproben entnommen. Diese Aufschlussbohrungen über die Tragfähigkeit des Baugrundes dienen als Grundlage für weitere Planungen, etwa zur Frage, ob hier eine Tiefgarage möglich ist. Der Käufer der beiden Häuser hält sich darum mit Details über das, was dort geschehen soll – dem Vernehmen nach sind hier Mehrfamilienhäuser geplant – noch immer zurück. Es sei noch nicht so weit, um Planungsdetails preisgeben zu können, ließ er auf Anfrage wissen und verwies auf ausstehende Untersuchungen, deren Analysen und Gespräche.

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