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Ärztin hat gekündigt, Betreiber findet keinen Nachfolger

Bad Pyrmonts einzige HNO-Praxis vor der Schließung

BAD PYRMONT. Seit zehn Jahren gibt es in Bad Pyrmont eine HNO-Praxis. Es ist die einzige in der Kurstadt. Doch zum Jahresende droht das Aus. Der Hamelner Arzt Dr. Bernd Horn wird nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge seine als Ableger betriebene Praxis schließen, weil seine Mitarbeiterin Dr. Lohmann gekündigt hat.

veröffentlicht am 23.11.2018 um 15:10 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 19:10 Uhr

Dr. Sandra Lohmann bei der Arbeit: Die HNO-Ärztin wird die von dem Hamelner Arzt Dr. Bernd Horn betriebene Praxis in Bad Pyrmont zum Jahresende verlassen. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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Ob für Kinder- oder Augenheilkunde, die fachärztliche Versorgung ist immer wieder ein Sorgenkind und Diskussionsthema in Bad Pyrmont. So waren viele Pyrmonter froh, als sich vor zehn Jahren Dr. Horn entschloss, an der Lortzingstraße 15 eine HNO-Praxis zu eröffnen, denn damit wurden Fahrten nach Hameln oder in das benachbarte Lippe überflüssig. Doch auf längere Wege werden sich die Patienten wohl wieder einstellen müssen. Zum Ende dieses Jahres verlässt Dr. Sandra Lohmann die Praxis. Die bei Dr. Horn angestellte Fachärztin hat ihre Stelle gekündigt. Über ihre Gründe möchte sie sich öffentlich nicht äußern. „Die Entscheidung ist mir aber nicht leichtgefallen“, versichert sie und kündigt an, dass sie mit ihrer Familie in Bad Pyrmont bleiben werde. „Mir gefällt diese Stadt, und wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Ob sie in der Kurstadt praktizieren oder die Praxis übernehmen will, lässt sie offen.

„Ich schließe die Praxis ungern, aber mir bleibt keine andere Wahl, denn mir fehlt ein Facharzt für die Praxis“, sagt Dr. Horn im Gespräch mit dieser Zeitung und übt bei dieser Gelegenheit Kritik an der Gesundheitspolitik. Durch die Beschränkung von Studienplätzen und einem extrem steuernden Numerus clausus an den Universitäten kämen zu wenig Fachärzte nach. Das reiche kaum aus, um die in den Ruhestand ausscheidenden Fachärzte ersetzen zu können, geschweige denn, um eine Erhöhung der Arztdichte zu erreichen. „Das ist ein Systemfehler, der unbedingt behoben werden muss“, lautet seine Forderung. Er sehe jedenfalls aktuell kaum eine Chance, einen Facharzt für seine Praxis in Bad Pyrmont zu finden, um den Betrieb weiterführen zu können. Auch für seinen Praxisbetrieb in Hameln müsse er auf weit außerhalb wohnende Mediziner zurückgreifen, wenn es um eine Verstärkung oder eine Vertretung gehe. Dr. Horn bedauerte die Entscheidung von Dr. Lohmann und sicherte ihr seine Unterstützung zu, ihr bei ihren beruflichen Plänen behilflich zu sein, soweit sie das wolle.

Ihm mache die Schließung der Praxis auch deshalb Sorgen, so Horn, weil er die Gefahr sehe, dass bei einer Nichtbesetzung die Zulassung einer Praxis in Bad Pyrmont gänzlich wegfalle. Grund: Laut der Kassenärztlichen Vereinigung ist mit sechs praktizierenden HNO-Ärzten im Landkreis Hameln-Pyrmont die Versorgung zu 125 Prozent erfüllt und damit sei die Region für Neuzulassungen gesperrt.

Ab 2019 wird nicht nur der Name von Dr. Sandra Lohmann auf dem Praxisschild fehlen. Foto: ti
  • Ab 2019 wird nicht nur der Name von Dr. Sandra Lohmann auf dem Praxisschild fehlen. Foto: ti

Wie könnte es weitergehen – auch was die Versorgung mit anderen Fachbereichen angeht? Dabei sollte eigentlich das „Versorgungsstärkungsgesetz“ helfen, das zum Ziel hat, insbesondere die Niederlassung von Ärzten außerhalb von Ballungszentren zu erleichtern, somit überversorgte Bereiche zu entflechten und die Situation in ländlichen Gegenden zu verbessern. Aber dafür muss es nicht nur genügend Ärzte geben, sie müssen auch auf dem Land praktizieren wollen. Zum anderen steht oft auch die gesetzliche Berechnung des Versorgungsgrades einer Niederlassung im Weg. Denn es ist nicht entscheidend, ob es in einer Stadt wie Bad Pyrmont genügend Fachärzte gibt, sondern im Landkreis Hameln-Pyrmont insgesamt. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) stößt diese Regelung auf Kritik. „Der Bedarfsplan wird aktuell auf Bundesebene überarbeitet und wir rechnen in naher Zukunft mit einer Veränderung, die dazu führt, dass sich mehr Ärzte niederlassen können“, so KVN-Sprecher Detlef Haffke. Das sei auch dringend notwendig, denn jeder dritte Arzt sei älter als 60 Jahre.

Fachärzte, die sich freiberuflich niederlassen wollen, können dies sowohl mit dem Kauf einer bestehenden Praxis oder mit einer Neugründung verwirklichen. Oft ist es auch so, dass bereits längere Zeit tätige Ärzte durch den Ankauf aufgegebener Praxen nicht nur deren Ausstattung und Patientenstamm übernehmen, sondern damit auch den Versorgungsauftrag der Bevölkerung. Diesen erfüllten sie zumeist, indem sie jüngere Ärzte anstellten. Will sich nun ein jüngerer Arzt selbstständig machen, sieht er sich dem Bestandsschutz des „Altarztes“ gegenüber. Er hat die Möglichkeit, die Praxis von ihm zu kaufen oder zu warten, bis der bisherige Arzt seinen Versorgungsauftrag nicht mehr erfüllen kann und der Arztsitz frei wird. Die aufgekauften Praxen sind laut KVN ein Teil der „Alterssicherung“ der Ärzte.

Bei der Ansiedlung von Ärzten sieht der Sprecher der KVN auch die Kommunen als Partner, die von einer ausgewogenen Versorgung mit Haus- und Fachärzten profitierten. „Sie können mit einer intakten Infrastruktur werben und somit als ,familienfreundliche Stadt‘ Abwanderungen entgegensteuern“, so Haffke.



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