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Nach Gesetzesumstellung Haushaltshilfe gestrichen

Bad Pyrmonter mit Erkrankungsproblem allein gelassen?

BAD PYRMONT. Noch ist der Frust von Bernd Kisselat nicht verraucht. Nach seinen Angaben habe er als chronisch Kranker, eingestuft in der Pflegestufe „0“, bis zum 30. Juni eine Haushaltshilfe erhalten. Die Kosten der bei ihm als Mini-Jobberin gemeldeten Frau wurden vom Landkreis als Sozialhilfeträger getragen. Zum besagten Datum sei er aufgefordert worden, seiner Haushaltshilfe zu kündigen, da er nach dem neuen Pflegegesetz nun in den Pflegegrad 1 eingestuft worden sei. Eine Begründung will er nicht erhalten haben.

veröffentlicht am 20.11.2017 um 19:01 Uhr

Bei Bernd Kisselat hat sich schon so manches Schriftstück in der Streitsache angesammelt. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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Den zunächst eingeholten Rat, sich mittels Rechtsbeistandes und einstweiliger gerichtlicher Verfügung sein Recht zu erkämpfen, habe er wegen der fehlenden finanziellen Mittel aufgeben müssen. Auch die Behindertenbeauftragte in Bad Pyrmont habe ihm nicht sofort helfen können, sodass er sich notgedrungen entschlossen habe, seine Haushaltshilfe auf eigene Kosten weiter zu beschäftigen.

Doch bildet seine Darstellung die Realität vieler anderer Betroffener ab, mit ihren krankheitsbedingten Problemen hilflos und allein gelassen zu werden? Recherchen unserer Zeitung bei den Paritäten, beim Landkreis als zuständigem Sozialträger und beim hiesigen Behindertenbeirat belegen dies zumindest nicht.

So bietet die Station der Paritäten in Bad Pyrmont neben ambulanter Hilfe eben auch Beratung bei Versorgungsproblemen bis hin zur Begleitung an, wenn Pflegegrade von der Pflegekasse überprüft werden. Zudem existiert von den Paritäten der Senioren- und Pflegestützpunkt Hameln-Pyrmont im FiZ (Familie im Zentrum) in der Hamelner Osterstraße 46, wo Interessierte kostenlose und neutrale Beratung und Information zu allen Fragen des Älterwerdens erhalten.

Auch der Landkreis selbst verfügt über Mitarbeiterinnen in der Pflegeberatung, die jeweils am 2. und 4. Montag im Monat von 10.30 bis 12.30 Uhr mit Sprechstunden im Bad Pyrmonter Rathaus zugegen sind. Sandra Lummitsch von der Pressestelle des Landkreises versichert, dass darüber hinaus auch Begutachtungen durch den Pflegestützpunkt des Landkreises begleitet werden. Dies habe bislang immer stattgefunden und werde auch weiterhin so stattfinden, wenn betroffene Personen um eine Begleitung anfragen.

Der Pflegestützpunkt verstehe sich als unabhängiger Unterstützer von Personen, die einen Bedarf an Hilfe bei der hauswirtschaftlichen oder pflegerischen Versorgung geltend machen. Eine Beratung könne während der Begutachtung oder auch nach einer Entscheidung über den Pflegegrad in Anspruch genommen werden.

Ansonsten sei der Landkreis als Sozialhilfeträger gesetzlich an die Entscheidungen der Pflegekasse gebunden, das heißt bei einer Einstufung in den Pflegegrad 1 stehe den Betroffenen lediglich ein Betrag in Höhe von 125 Euro zu. Haushaltshilfen oder ähnliche Unterstützung würden erst mit dem Pflegegrad 2 von der Pflegekasse übernommen. Insofern könne es sich möglicherweise für so manchen Betroffenen durchaus lohnen, eine Überprüfung des Pflegegrades zu beantragen und sich dabei begleiten zu lassen.

Zum Zeitpunkt der gesetzlichen Veränderung zum 1. Januar dieses Jahres hätten 292 Personen im Landkreis Hameln-Pyrmont ambulante Hilfe zur Pflege vom Sozialhilfeträger bezogen. Darunter waren 178 Personen, denen bislang die Einstufung Pflegestufe „0“ oder „G“ zugeordnet war. In 28 Fällen sei die bislang gewährte Leistung eingestellt worden, da die Personen lediglich den Pflegegrad 1 zuerkannt bekamen. In den Bescheiden sei, so Lummitsch, stets auch eine Begründung für die Änderung enthalten gewesen.

Und wie geht es nun für Bernd Kisselat weiter? Er hat sich inzwischen doch eines rechtsanwaltlichen Beistandes angenommen und versucht, sein Recht gerichtlich zu erstreiten. „In einer Informationsbroschüre zu dieser Gesetzesänderung steht, es sei wichtig, dass dadurch niemand in der zukünftigen Einstufung schlechter gestellt wird bei den Leistungen als vorher“, sagt Kisselat und darauf baut er, und sei es eben auch mit gerichtlicher Hilfe.

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