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Bausubstanz untersucht

Bad Pyrmonter Kurtheater ab sofort gesperrt

BAD PYRMONT. Das Kurtheater in Bad Pyrmont ist ab sofort aus baulichen Gründen gesperrt. Das hat das Finanzministerium in Hannover auf Anfrage bestätigt. Das ist die Konsequenz aus einer Untersuchung der Bausubstanz an diesem Dienstag, bei dem die Außenwand an mehreren Stellen geöffnet wurde.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 13:49 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 18:50 Uhr

Das sieht nicht gut aus: Die an mehreren Stellen freigelegten Balken in der Außenwand des Kurtheaters sind in einem schlechten Zustand. Mittlerweile sind die geöffneten Stellen mit Platten abgedeckt worden. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Nicht nur der Chor „Shine a light“ wird sich für sein Konzert am 21. September auf eine andere Bühne als die des Kurtheaters einstellen müssen. Auch andere Künstler werden dort bis auf weiteres nicht auftreten können, denn das historische Gebäude ist ab sofort aus baulichen Gründen gesperrt. Das ist die Konsequenz aus einer Untersuchung der Bausubstanz durch Statiker an diesem Dienstag, bei dem die Außenwand an mehreren Stellen geöffnet wurde. Auch für Laien ist sichtbar, dass sich die Balken darunter in keinem guten Zustand befinden.

Staatsbadgeschäftsführer Maik Fischer wollte auf Nachfrage dazu nichts sagen. Er verwies an das Finanzministerium in Hannover, das die Verantwortung für die landeseigene Gesellschaft und deren Liegenschaften hat. „Bei einer Voruntersuchung im Rahmen der geplanten Modernisierung und Sanierung wurde festgestellt, dass tragende Balken der Fachwerkstruktur Feuchtigkeitsschäden und Schädlingsbefall aufweisen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Die Bauverwaltung und das Staatsbad haben daraufhin gemeinsam entschieden, das Gebäude sofort bis auf weiteres zu sperren.“ Welche Maßnahmen nun notwendig seien, soll ein Gutachten klären. Davon hänge auch die Dauer der Sperrung ab.

Die Hiobsbotschaft kommt ausgerechnet im 200. Jahr des Bestehens des ehemaligen Fürstlichen Schauspielhauses, mit dem Kurdirektor Fischer einiges vorhat. Er will das Kurtheater in das Tagungsgeschäft einbeziehen und es zu einem multifunktionalen Gebäude umgestalten. Dafür muss die Technik modernisiert werden, und vor dem Haupteingang ist ein größeres Foyer geplant, das eine kleine Restauration aufnehmen könnte. Fischer zeigte sich kürzlich zuversichtlich, Ende dieses Jahres vom Land Niedersachsen grünes Licht für seine Pläne zu bekommen. Was daraus angesichts der aktuellen Situation wird, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung mit der nun schon seit drei Jahren andauernden Sanierung des Kommandantenhauses auf der Schlossinsel, um die sich das Staatliche Baumanagement des Landes kümmert, lassen Schlimmes befürchten.

„Das Kurtheater muss auf jeden Fall erhalten bleiben“, reagierte der Leiter der Pyrmonter Theater Companie, Jörg Schade, am Donnerstag auf die Schließungsnachricht. Seine Schauspieltruppe gehört zu den regelmäßigen Nutzern der Spielstätte. Er steht nun vor der Frage, was aus seinen geplanten Veranstaltungen werden soll. Am 31. Oktober wollte die Companie dort das Jubiläum des Kurtheaters feiern und dabei an die Schauspieler und die Intendanten erinnern, die dort gewirkt haben. Er bezweifelte, dass das nun noch Sinn habe. Und was aus der diesjährigen Silvestershow des Ensembles wird, weiß er auch noch nicht. „Die haben wir für das Kurtheater konzipiert. Das Konzerthaus ist für unsere Show eigentlich viel zu groß.“ Auch auf andere Veranstaltungen dürfte das zutreffen.

Auch in einer anderen Hinsicht hat das Kurtheater eine Bedeutung. Das Konzerthaus, in das vermutlich die meisten Staatsbadveranstaltungen verlegt werden sollen, wird zurzeit mit einer befristeten Betriebsgenehmigung geführt und sollte spätestens 2021 saniert werden. Für die Bauzeit sollte das Kurtheater als Ausweichspielstätte dienen.

Mein Standpunkt
Hans-Ulrich Kilian
Von Hans-Ulrich Kilian

Das Kurtheater ist als Spielstätte ein selten gewordenes Kleinod und leider ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie in Bad Pyrmont mit historischen Bauten umgegangen wird, auch wenn die Verantwortlichen nicht immer die selben sind. Es wird so lange mit notwendigen Arbeiten gewartet, bis es zu spät ist. Das war bei der alten Bad Freienwalder Brücke schon so. Das Kurtheater reiht sich nun ein in die Sanierungsfälle des Landes, als da wären: Kommandantenhaus, Konzerthaus und wohl auch das Museumsgebäude.



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