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Gratwanderung: Gefühlt ist die Stadt unterversorgt, nach den Zahlen der KV aber überversorgt

Bad Pyrmont und die Ärzte

BAD PYRMONT. Gesetzlich Versicherte sollen künftig schneller einen Arzttermin bekommen. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag auf Vorschlag von Gesundheitsminister Spahn (CDU) beschlossen. Dabei wären manche Patienten in Bad Pyrmont froh, wenn sie überhaupt einen Termin bei einem Facharzt ihrer Wahl bekämen.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 16:36 Uhr

Bis Ende 2023 müssen etwa 58 Prozent der Mediziner in der ambulanten Versorgung im Land ersetzt werden. Mit einer Plakataktion machen die Mediziner auf diese Herausforderung aufmerksam. Foto: © Verband der Haus- und Fachärzte
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Die ärztliche Versorgung der Kurstadt gehört zu den Toppthemen. „Doch viele wissen zu wenig, wie das funktioniert mit der Ärzteversorgung“, begründete der Pyrmonter SPD-Vorsitzende Matthias Schüter, warum seine Partei nun zu einem Vortragsabend eingeladen hatte. Das Thema brennt unter den Nägeln. Die HNO-Praxis von Dr. Horn ist seit Januar geschlossen, die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für die dort bisher angestellte Ärztin läuft, möglicherweise mit einer Übernahme des Kassensitzes. Es gibt zwar einen Augenarzt, doch Ärzteverein und Seniorenbeirat halten den „halbtags tätigen Mediziner im Rentenalter“ für nicht ausreichend.

Doch wie funktioniert das System aus Politik, Kassenärztlicher Vereinigung (KV), Krankenkassen und Patientenvereinigungen überhaupt? Um Aufklärung darüber zu geben – und wohl auch, um die beschränkten Möglichkeiten der Kommunalpolitik und der Verwaltung zu verdeutlichen – hatten sich die Sozialdemokraten mit Klaus-Helmut Jelinek einen ausgewiesen Experten und Parteifreund eingeladen. Der frühere Verwaltungsleiter des Krankenhauses Weser (heute Sana) bemühte sich, die Verteilung von Arztsitzen und deren komplizierte Finanzierung deutlich zu machen. „Es geht darum, eine Überversorgung abzubauen und eine Unterversorgung zu vermeiden. Das ist eine Gratwanderung“, machte er deutlich.

Gefühlt ist Bad Pyrmont nach Ansicht viele Patienten in manchen Bereich unterversorgt, nach den Maßstäben der Kassenärztlichen Vereinigung ist es aber überversorgt. „Die ganze Gegend zwischen Hameln und Detmold ist voll mit Arztsitzen, aber es gibt Probleme“, stellte Jelinek fest. Dass liege daran, dass es keine Planungsbereich Bad Pyrmont gebe, sondern nach den Vorgaben der KV nur einen Planungsbereich Hameln-Pyrmont. „Es ist diese Differenz, die wir lösen müssen“, so der frühere Krankenhausmanager, der betonte, dass das System nicht willkürlich sei. „Es wird aber auch künftig nicht jede Fachrichtung besetzt sein.“

Grundsätzlich sei die ärztliche Versorgung Bad Pyrmonts gut, befand SPD-Chef Schlüter. Laut Jelinek sind hier aktuell 26 Ärzte aktiv, die Zahnärzte nicht mitgerechnet. Davon sind 8 Allgemeinmediziner, von denen drei aus Altersgründen gerne aufhören würden, wenn sie denn könnten, wollen sie ihre Patienten nicht im Stich lassen. Arbeiten dürfen sie, solange sie wollen, eine Altersbegrenzung gibt es nicht mehr. „Schließen diese Mediziner ihren Praxen, könnte Bad Pyrmont Notfallgebiet werden“, warnte Jelinek.

Und dann? Es gibt unterschiedlich Möglichkeiten zu helfen. Starthilfen der KV und garantierte Vergütungen oder Arbeitsentlastungen für Ärzte etwa. Krankenhäusern wurde es erleichtert, ambulante ärztliche Versorgung zu leisten, die Gründungsmöglichkeiten für Medizinische Versorgungszentren (MVZ) wurden weiterentwickelt und auch Kommunen dürfen ein MVZ gründen. Letzteres dürfte im Fall der finanzschwachen Stadt Bad Pyrmont aber kaum eine Möglichkeit sein.



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