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Heinz-Gustav Wagener und Dieter Alfter reden über 2015

Bad Pyrmont Helau!

Bad Pyrmont. Heinz-Gustav Wagener und Dieter Alfter, der ehemalige Kurdirektor und der ehemalige Museumsleiter von Bad Pyrmont, haben jahrelang zu Karneval gemeinsam auf der Bühne gestanden. In folgendem Beitrag, den Wagener auf seiner Facebook-Seite gepostet hat, blicken die beiden noch einmal gemeinsam auf das letzte Jahr zurück.

veröffentlicht am 05.02.2016 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 16:41 Uhr

Heinz-Gustav Wagener und Dieter Alfter
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Dieter: Hat Pyrmont denn überhaupt noch etwas zu lachen? Wenn wir heute noch nochmal auftreten könnten, was würden wir aus 2015 unter die Lupe nehmen?

Gustav: Dazu fallen mir sofort die „Brücken von Pyrmont ein“ – eine unendliche Geschichte!

Dieter: Ja, die Steine der Bad Freienwalder Brücke haben ihre Nummern verloren und können nicht mehr zusammengefügt werden. Das bringt die Bauleute aus ihrem betulichenRhythmus und verzögert die Fertigstellung. Schließlich sind die geschützten Groppen unter der Brücke zu erhalten. Die Einzigen, die das Debakel beenden könnten, wären die Künstler vom „Brückenschlag“. “Kunst am Brückenbau“sozusagen, auch wenn die Steine nicht mehr zusammenpassen.Getreu des Pyrmonter Slogans „Kur, Kultur, Natur“ – ob die Brücke später auch befahrbar ist sein wird, muss sich zeigen.Und die Heemsteder Brücke soll erst abgerissen werden, wenn die andere endlich ihren Dienst erfüllt. Wenn da was schief geht, wie kommen wir bloß zum Bahnhof? Über Lügde etwa?Das ginge doch in Lippe nur mit Mautgebühr! Für Fahrräder und Rollatoren gäbe es wohl eine Ausnahme.

Gustav: Und wann, bitte schön, wann kommt endlich die Anzio-Brücke? Für die älteste Städtepartnerschaft muss doch zwingend ein Neubau her, möglichst in italienischer Leichtbauweise - als der FIAT unter den Brücken - alles andere wäre diskriminierend!

Dieter: Ich hoffe nur, dass wegen klammer Finanzen nicht die Höpperbrücke ihren Namen opfern muss.

Gustav: …und wenn schon keine Brücke, dann wenigstens einen Tunnel, den Anzio-Tunnel. Wir sind im Zugzwang, dennselbst Lügde hat ´nen Tunnel und ist uns weit voraus.

Dieter: Gustav, hast Du gehört, was mit dem Humboldt - Gymnasium passieren soll?

Gustav: Der Landkreis möchte wohl diese Einrichtung schlucken – aber dann wäre die Mensa „arbeitslos“, allenfallsnoch für Parteiveranstaltungen sinnvoll. Und nun auch nochdie Pestalozzischule, gerade eingeweiht, hat sie bereits ausgedient und wird umgebaut zu einem Flüchtlingsheim. Wo gehen dann bloß die Schüler hin, wenn beide Schulen futsch sind?

Dieter: …natürlich nach Hameln in das teuerste Schulzentrum Niedersachsens! Hoffentlich verletzt sich niemand bei dem großen Schritt vom Bahnsteig in den Zug.

Gustav: Dieter, wohin driftet eigentlich der Weltkulturerbe-Antrag? Ist Bad Pyrmont schon aus dem Rennen, nur weil die Bürgermeister der 16 Kurorte nicht im Winter nach Bad Pyrmont kommen wollten? Oder hat sich herumgesprochen, dass die Sache mit dem Brunnentrinken nicht zu Ende gedacht ist - Brunnentrinken, sitzend in der Wandelhalle! Brunnentrinken ist doch kein statisches Erleben. Dieter, da hast Du doch ganz andere historische Kenntnisse:Brunnentrinken und Bewegung gehören zusammen, auf der Allee und in der Wandelhalle, so wie Karneval und MTW, so war das historisch und so muss es wieder sein! Also, avanti Bad Pyrmonti, mehr Performance bitte, die Idee muss von allen Bad Pyrmontern gelebt werden - entdecken wir gemeinsam den Gesundheitsstandort BAD Pyrmont wieder!

Dieter: Als Baum hätten wir beide es 2015 wohl schwer in Bad Pyrmont. Das Alleensystem wird gepflegt, aber alle anderen Bäume haben scheinbar ein mieses Karma, sie werden einfach umgelegt. Auch vor dem ehemaligen Hotel Bergkurpark werden erkrankungsbedingt alle Bäume völlig flachgelegt. Früher soll hier ja so manch Anderes flachgelegt worden sein.

Gustav: Und, was macht Gunter Gabriel jetzt? Der Pyrmont-Fan und treue Otto-Dohse-Freund hat im Dschungelcamp nur wenige Tage durchgehalten. Und nun will er unser schönes Palmenhaus zu einem Dschungelcamp umfunktionieren. Nur, wer darf mit rein?

Dieter: Pyrmonter Prominente natürlich, die alle gern selbstverliebt auf ihren Palmen hocken – und wer von den Neuen, Kurdirektor oder Bürgermeister, wird Dschungelkönig? Vermutlich der KD, weil er nicht nur Zahlen kennt, sondern auch schon den unterirdischen Fluchtweg biszum Schellenturm.

Gustav: Hast Du übrigens gehört, dass Gunter Gabriel („Hey Boss, ich brauch mehr Geld“) ins Kurorchester aufgenommen wird? Er stiftet seine Gage, damit das „Kurorchesterlein“ nicht noch mehr reduziert wird und der KD nicht auch noch als Diskjockey für Klassische Musik einspringen muss!

Dieter: Nun einmal zum Altersdurchschnitt in unserer Stadt;Pyrmont wird immer älter und ist schon seit Jahrhunderten geprägt von hochbetagten Menschen. Dr. Seip im 17. Jhd. undProf. Hufeland, der Leibarzt Königin Luises haben das schon publiziert. Hufelands Buch von der „Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“, berichtet vom hohen AltersdurchschnittPyrmonter Bürger.

Gustav: Das erklärt auch, dass hier eine 97-jährige bei der Fahrerflucht erwischt wird! Und selbst die Friedhöfe verkümmern, kaum noch Nachwuchs!

Dieter: Noch eine Anmerkung, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, aber eines geht mir doch persönlich nahe: Arko ist dicht, der Treffpunkt der Pyrmonter Bildungs-Bürger. Wo soll man die Themen der Stadt noch diskutieren und Stadt und Staatsbad durch den Kaffee ziehen? Doppelt traurig: kein Karneval und kein Arko mehr! Dafür nun aber der digitale Fortschritt: ein Vodafone-Shop!

Gustav: Leerstände sind in jeder Stadt ein Thema. Wie das hier geregelt werden kann, hängt auch von den Genehmigungsbehörden ab. Es dauert bei uns einfach alles zu lange. Baustellen machen keinen guten Eindruck. Andere Kurorte sind offensichtlich schneller - und erfolgreicher! Die Mitglieder im Seniorenbeirat, die wirken doch so zupackend - sollten die das nicht mal machen?

Du warst doch auch einmal ein Teil der Kulturszene als Schlossgespenst, Dieter. Was sagst Du denn dazu? Kulturträger der Stadt ist neuerdings doch tatsächlich die Feuerwehr, der Brandschutzbehörde sei Dank! Wer hätte jemals gedacht, dass die Männer mit Helm und Schlauch die Kulturszene Pyrmonts bestimmen würden? - Nach dem Motto: der Schlauch macht die Musik!

Dieter: Schon gehört? Der Tierpark soll den Titel „Gunter Wallraff“ als Untertitel erhalten, so wie Hamburgs Flughafennun den Namen Helmut Schmidts trägt. Was Hamburg recht ist, kann Pyrmont doch nur billig sein. Das würde selbst den Schreiaffen, im Zoo, die Stimme verschlagen.

Helau und Alaaf – das klingt doch ganz ähnlich! Alaaf auf Pyrmont, Alaaf auf den MTV Karnevalsball, Alaaf auf uns alle!

Dieters und Gustavs gemeinsames Resümee:

Karneval in Pyrmont ist genau wie der Karneval in Rio: unsterblich! Das fängt bei den Vorbereitungen an und hörtauch beim Applaus nicht auf.

Aber Life ist nur durch Life zu ersetzen – Zeitungsbeiträge können da nicht mithalten. Vielleicht gibt´s statt Applaus ja Likes und Kommentare ,-)

Das Kulturgut Karneval könnte reaktiviert werden, wenn sich unsere Enkelkinder daranmachen – natürlich mit Tablet, Handy und Social media.

Wir wünschen Bad Pyrmont alles Gute in karnevalistischer Ernsthaftigkeit: Alaaf und Helau!

Zur Geschichte: Der MTV-Karneval war von 1955, zuerst im Quellenhof, dann im Kurhotel und bis 2008 im Konzerthaus das gesellschaftliche Ereignis in Pyrmont. Hier traf man sich über alle gesellschaftlichen Gruppen, über alle Generationen hinweg und konnte miteinander und übereinander lachen, kein Thema wurde ausgespart. Sportdarbietungen, perfekteTanzshows, Prinzengarde und Elferrat bestimmten das bunte,lokalbezogene Unterhaltungsprogramm. Nicht zu vergessen die Büttenreden, die mit Auftritten von Heinz Gödecke, Ilse Schade, Rudi Ortlepp, Jürgen Drescher, Rolf Meermann u.a. verknüpft waren. In den letzten Jahren von 2005 bis 2008 standen Heinz-Gustav Wagener und Dieter Alfter mit ihrem Dialog „Noch Fragen Gustav? Ja, Dieter…! erfolgreich in der Bütt. Hoffentlich waren die beiden nicht der Grund dafür, dass der MTV - Karneval nach 2008 nicht wieder auf die Beine kam. Aber irgendetwas fehlt heute in der Kurstadt…



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