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Jubiläumskonzert beim Orgelherbst mit schwacher Resonanz

Bach „light“ – fast ohne Publikum

BAD PYRMONT. Das haben die vier jungen Opernsängerinnen und -sänger und Organist Dirk Brödling nicht verdient. Der 50-Jährige, der seit neun Jahren das Amt des Kantors wahrnimmt und künstlerischer Leiter des „Pyrmonter Orgelherbstes“ ist, zeigte sich „sehr enttäuscht“. Nur ein knappes Dutzend Konzertbesucher hatte den Weg zum gleich doppelten „Jubiläumskonzert“ in die Stadtkirche gefunden.

veröffentlicht am 05.10.2021 um 10:30 Uhr

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Reporter

Brödling: „Zum einen feiern wir den deutschen Nationalfeiertag, zum anderen den 250. Geburtstag des Komponisten Christian Heinrich Rinck.“ Der ist unter anderem der heute fast vergessene Schöpfer von Liedern wie „Alle Jahre wieder“ oder „Abend wird es wieder“. „Rinck hat die Werke Bachs zusammen mit Mendelssohn Bartholdy ins 19. Jahrhundert gebracht“, erklärt Brödling.

Neben reinen Orgelkompositionen wie Rincks „Präludium und Fuge in Es-Dur“ und den Choralvariationen über „Freu’ dich sehr, o Seele“, die Brödling auf der Orgel vortrug, standen vor allem die vier jungen Sängerinnen und Sänger im Mittelpunkt des gut einstündigen Konzerts. Und die zeigten Leistungen, die eines größeren Auditoriums würdig gewesen wären: Andreas Elias Post, Bariton, Konzert- und Opernsänger aus Detmold, die grandiose, stimmgewaltige Mezzosopranistin Pia Becker, ebenfalls aus Detmold wie auch die Mezzosopranistin Dorothee Bienert, die mit Rincks „sechs geistlichen Liedern“ aus dessen „Die Auferstehung“ brillierte. Tenor Alexander Tremmel stammt eigentlich aus Wien, lebt aber in Osnabrück und Lüneburg, wo er am dortigen Theater singt.

Ob glockenheller, kraftvoller Sopran oder stimmgewaltiger Tenor, sie alle verliehen den Werken Rincks ihren typisch Bach’schen Stil. „Bach light“, so dann auch Brödling. „Rinck war ein guter Handwerker, der beim letzten Bach-Schüler gelernt hatte und stets bemüht war, ganz im Stil des Meisters zu komponieren.“ Der Unterschied? Während Bach jedoch „rhetorische Textausdeutungen“ schuf, fehlt dieser Aspekt bei Rinck. „Es blieb bei ihm eine äußere Kompositionstechnik ohne Textbezug.“ Brödling weiter: „Vielleicht ist manchmal aber auch weniger mehr, wenn es um das Verständnis geht.“

Die, die gekommen waren, durften sich daher dank der sängerischen Leistungen über klar verständliche Texte freuen, die die Akteure von der Empore herabklingen ließen.

Vier gemischte Stimmen mit dem Choral „Nun danket alle Gott“ zum Nationalfeiertag, dennoch für Brödling „das am schlechtesten besuchte Konzert der vergangenen neun Jahre“.

Wirklich alles andere als ein Ruhmesblatt für das Kulturleben im Staatsbad.



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