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Kilian Fröhlich und Nikola Milo gaben Tango-Premiere mit Cello und Bandoneon

Aus der Tiefe zurück in die Wirklichkeit

BAD PYRMONT. Dr. Kai Bodien brachte es auf den Punkt: „Eines der besten Konzerte in unserer Reihe ‚Oesdorfer Abendmusiken‘, die es bisher in Sankt Petri gab.“ Diese Aussage bestätigten die Konzertbesucher aus dem nahezu komplett besetzten Gotteshaus mit lang anhaltendem Applaus für die beiden jungen Künstler, die ihnen zuvor ein eindrucksvolles Musikerlebnis hatten zuteilwerden lassen.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 13:27 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 14:30 Uhr

Kilian Fröhlich mit meisterlichem Cellospiel. foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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Zunächst konzentrierte Kilian Fröhlich, aktuelles Mitglied der Staatsoper Hannover, Augen und Ohren auf sein Cello. Welch Tiefe und Harmonie sich aus einem derartigen Instrument herausholen lässt, verdeutlichte er eindrucksvoll in einem Violoncello Solo der Suite Nr. 1 G-Dur von Johann Sebastian Bach. Ein absolut gelungenes Einstimmen auf die nun folgende Premiere der beiden Künstler, die als Duo nachfolgend mit Cello und Akkordeon (Nikola Milo) ein Stücke von Astor Piazzolla anstimmen.

Insbesondere in dem „Adios Nonino“ spürte man die emotionale Verbundenheit des weltbekannten argentinischen Komponisten mit dem Tod seines Opas, der musikalischen Grundlage der Komposition. Dabei verhielt sich das Cello mit seinen vollen tiefen Tönen wie eine Partnerin zu Milos Akkordeon. Noch deutlicher vernehmbar ihre gemeinsame Melancholie in Piazzollas „Oblivion“, als spreche das Cello unmittelbar in den Trübsinn des Akkordeons, oder dem „Ave Maria“, das wie eine Liebeserklärung klang und zum Schließen der Augen animierte.

Eindrucksvoll ebenso die Wiegenlieder in der Suite populaire Espagnole von Manuel de Falla, die geradezu bildhaft das von der Mutter betriebene Schaukeln der Wiege und ihren Singsang vermittelte, mit dem sie ihr Kind in den Schlaf und in schöne Träume schweben lassen möchte.

Nikola Milo mit dem Melancholie verbreitenden Bandoneon. foto: ti
  • Nikola Milo mit dem Melancholie verbreitenden Bandoneon. foto: ti

Ein weiterer Höhepunkt bot Nikola Milo, mit serbischen Wurzeln seit Jahren Dozent an der Universität in Hildesheim in dem Projekt „Center for World Music“, mit einem eigens für Tangoklänge geeigneten Instrument, dem Bandoneon. „Dieses ähnlich einer Ziehharmonika aussehende Instrument stammt ursprünglich aus dem Erzgebirge und landete mit deutschen Auswanderern in Argentinien, wo es sich alsbald als bestens geeignet für den argentinischen Tango erwies“, informierte er das Publikum.

Zu welch traurig sentimental klingenden Tönen und zu welcher Variationsbreite im Tango sich das Bandoneon eignet, zeigte Milo in seinen Soli und ließ die ihm Lauschenden intensiv an den ausdrucksstarken Emotionen dieser Musik teilhaben. Dazu trugen auch die Facetten seiner Mimik, mit der er sein Spiel begleitete, bei. Die allerdings konnten nur diejenigen verfolgen, die nicht aufgrund der Musik verzückt ihre Augen geschlossen hielten. Es war schon schwierig, aus dieser Tiefe wieder in die Wirklichkeit zurück zu kehren, was sicherlich bei vielen mit dem lang anhaltenden und entspannenden Applaus leichter fiel.



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