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Kultpuppe macht sich Gedanken über unhygienische Handtrockner und Geburts-„Gedöns“

Aufregen mit Werner Momsen

BAD PYRMONT. Werner Momsen, norddeutsche Kultfigur und so etwas wie ein Werbeträger für das Staatsbad-Programm, redet so, wie ihm das Klappmaul gewachsen ist. Aber er macht sich auch seine Gedanken über das in vieler Hinsicht chaotische Zeitgeschehen und erhebt des Öfteren den pädagogischen Zeigefinger. Der allerdings nicht zu ihm gehört, sondern zu seinem Schöpfer und „Assistenten“ Detlef Wutschik.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 15:57 Uhr
aktualisiert am 23.04.2017 um 23:00 Uhr

Locker winkt die Puppe Werner Momsen zum Publikum – von hinten hilft ihm dabei sein menschlicher „Assistent“. Foto: yt
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Autor

Karin Heininger Reporterin
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Wenn er sich die Puppe vor den Bauch schnallt, beginnt Momsen zu leben. Und zwar so heftig, dass die Zuschauer ihn nicht mehr als Kunstfigur wahrnehmen. Werner Momsen, das ist einer von ihnen, der mitten im Leben steht und gute Gründe hat, sich „mit Schaum vorm Mund“ über alles Mögliche aufzuregen. „Jawoll“, „genau so ist es“, „das stimmt“ sind nur einige der vielen Bestätigungen, die das Publikum sich während der Veranstaltung im Kurtheater gegenseitig zuraunt.

Und, mal ehrlich, hat man nicht auch selbst schon den Kopf geschüttelt, wenn in öffentlichen Toiletten die Endlos-Schleife einer Handtuchrolle jeden Gedanken an Hygiene ad absurdum führt oder wenn bei offiziellen Empfängen nach dem Motto „Essen To Go“ die Fingerfood-Häppchen ständig an einem vorbei rauschen, auch wenn am FKK-Strand die Leute mit ehrlich erworbener Schwerkraft beim Volleyball spielerisch hüpfen?

Aber das sind ja nur die kleinen Randerscheinungen des Lebens. Was Herrn Momsen besonders den Schaum vors Maul treibt, sind ganz andere Beobachtungen und die schlachtet er denn auch ausgiebig (und manchmal etwas zu lange) aus. Dass um die natürlichste Sache der Welt, eine Geburt, solch ein „Gedöns“ gemacht wird, mit „vorgeburtlichen Fotos“, Feng-Shui-Atmosphäre bei der Ankunft ins Leben und exotischer Namensgebung, das kann Momsen ebenso wenig verstehen wie die Notwendigkeit einer Schönheits-OP bei Costa Cordalis oder einer Zahnspange für kleine Hunde, ebenso wie die Handy-Botschaft, ob man gerade gesund oder ungesund gespeist hat.

Kultpuppe Werner Momsen mit seinem Schöpfer Detlef Wutschik. Foto: yt
  • Kultpuppe Werner Momsen mit seinem Schöpfer Detlef Wutschik. Foto: yt

Die beste Szene ist die Schilderung einer Verkehrssituation, bei der in einer engen Straße die Autofahrer erbittert gegeneinander chauffieren und sich gegenseitig beschimpfen. Werner Momsen, der das Chaos genüsslich vom Fenster aus beobachtet hat, beschloss daraufhin unverzüglich, einen VHS-Kurs im Lippenlesen zu belegen.

Etwas Neues hat sich Detlef Wutschik für dieses Programm auch noch ausgedacht. Zum ersten Mal spricht der in absolutes Schwarz gekleidete Künstler mit seinem Geschöpf: Ein Dialog auf Augenhöhe, sozusagen zwischen zwei Partnern. Das erfordert besondere Konzentration für den Künstler, der ja nicht vergessen darf, dass Werner Momsen nun auch mal seine Klappe hält und streckenweise einfach nur zuhört. Ein akrobatisches Kunststück liefert er, als sich beide, Mensch und Puppe, in komplizierten Yoga-Übungen verbiegen.

Ziemlich ernst wird es, als Momsen sich über die streckenweise Behandlung von Flüchtlingen aufregt und sich für alle mehr als einen Apfel vom Baum der paradiesischen (Selbst-)Erkenntnis wünscht. Leben und leben lassen – das ist Momsens Devise. Eine kabarettreife Formulierung liefert er, als er über das Gehirn und seine Funktion sinniert: „Das Glück liegt links im Gehirn – wer rechts denkt, kann also nicht glücklich werden“. Nach kurzem Nachdenken kommt zustimmender Applaus vom Publikum.

Zum Schluss hat sich Werner Momsen müde gequasselt und zieht sich ins Private zurück, mit dem bedeutsamen Satz: „Der beste Schaum vorm Mund ist der von einem Pils“.

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