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So arbeitet der Archivstammtisch anhand alter Hausprospekte Bad Pyrmonts Hotel-Historie auf

Aufgespürt: Papierne Zeugen aus großer Zeit

Bad Pyrmont (Hei/jl). Mütterliche Fürsorge auf Wunsch versprachen die Inhaber der „Villa Waldburg“ in der Bismarckstraße einst ihren jungen Kurgästen. Eine „christliche Atmosphäre“ und obendrein „staubfreie Lage“ hatte die „Villa Stenzel“ in der Bahnhofstraße zu bieten. Auch, dass Richters Pension nicht nur über fließendes Wasser, sondern zudem über einen Blitzableiter verfügte, war um 1910 einen Eintrag in den Hausprospekt wert, der außerdem Logis und Verpflegung für fünf bis acht Mark pro Tag zusicherte.

veröffentlicht am 04.02.2010 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 22:41 Uhr

Manfred Willeke (Mi.) und andere historisch interessierte Pyrmon
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Solche und ähnliche, heutzutage kurios anmutende Offerten gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts reichlich in den vielen Pyrmonter Kurpensionen. Das belegt eine überlieferte Sammlung entsprechender Hausprospekte.

Noch lagern die papiernen Artefakte aus der Unterkunfts-Historie der Kurstadt im Stadtarchiv und im Museum in Mappen und Kartons. Dass in Zukunft daraus eine systematisch registrierte Sammlung, vielleicht sogar eine gebundene Broschüre werden könnte, dafür will sich der noch recht junge Archivstammtisch starkmachen. Möglich sei auch eine zukünftige Ausstellung zu diesem Thema, regte Dr. Dieter Alfter auf der jüngsten Versammlung der Gruppe an.

Seit August 2009 gibt es den Archivstammtisch als lockeren Zusammenschluss historisch interessierter Bürger, die sich regelmäßig treffen. Grundlage für die Aufarbeitung verschiedener Themen aus der Pyrmonter Geschichte ist das Stadtarchiv, das durch den Stammtisch und die Recherchen engagierter Einwohner bereichert werden soll. Heimatforscher Manfred Willeke, der gemeinsam mit Dr. Joachim Kermann das Archiv betreut und den Stammtisch ins Leben gerufen hat, weist auf die Kooperation mit Institutionen wie Museum, Heimatbund und Loge hin und versichert: ,,Uns gehen die Themen nicht aus, es gibt noch viel zu tun.“

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Gediegenes Ambiente im Saal: Wo heute die Commerzbank ihre Filiale hat, residierte man früher in der Pension „Alter Fritz“.

Beim jüngsten Treffen des Stammtischs im Hotel Bergkurpark stand das Thema „Alte Kurpensionen in Bad Pyrmont“ auf dem Plan. Vergilbt und dünn geworden war das Papier der (natürlich schwarz- weiß gedruckten) Prospekte. Doch die Bilder der zum Teil im Jugendstil gebauten Häuser offenbaren auch jetzt noch ihre architektonischen Reize. Das zeigte eine Auswahl, die Manfred Willeke zu der Versammlung mitgebracht hatte. Viele der Häuser sind in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts abgerissen worden, um Neubauten Platz zu machen. Markantes Beispiel war die schlossähnliche Schücking-Villa, die dem Königin-Luise-Bad weichen musste.

Da es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch kein Zimmerverzeichnis gab, ist aus den ganz frühen Jahren auch keine genaue Anzahl der Pensionen bekannt. Über die spätere Zeit hat die langjährige Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins, Rosemarie Scheuermann, Buch geführt. So waren 1958 insgesamt 154 Hotels und Pensionen registriert, dazu kamen fünf Sanatorien. 1976 waren es 190 Hotels und Pensionen, sieben Sanatorien und 50 Appartements. 1991 war die Zahl der Hotels und Pensionen auf 131 gesunken, die der Sanatorien auf neun gestiegen. Explosionsartig hatte sich die Zahl der Appartements auf 231 Wohnungen vermehrt.

Und heute? Das aktuelle Zimmerverzeichnis 2010 listet insgesamt 107 Unterkünfte in der Kurstadt auf – darunter 25 Hotels, 37 Pensionen und Gästehäuser sowie 45 Anbieter von teils mehreren Ferienwohnungen und Apartments. Und warum schrumpft die Zahl der Hotels und Pensionen immer weiter? Tourismus-Chef Jürgen Drescher: „Die in die Jahre gekommenen Inhaber finden keine Nachfolger, das Reiseverhalten hat sich verändert und die Konkurrenz im Ausland wächst stetig.“



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