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Herz, Schmerz, Mord und der älteste Hund der Welt begeistern beim Hohenloher Figurentheater

Auf die Reise in eine versunkene Varietéwelt

Bad Pyrmont. Schon der Name war Programm: Das Hohenloher Figurentheater gastierte am Donnerstagabend im Kurtheater, und damit nicht eine x-beliebige Marionettenbühne. Es war der Auftritt eines vielfach mit Preisen ausgezeichneten Theaters, das sein Publikum mit einem Mix aus zwei an Fäden ziehenden und in das Geschehen eingebunden Schauspielern und ihren fast magisch agierenden, detailverliebten und charakterstarken Figuren aus Lindenholz in den Bann zog, verzauberte und auf die Reise in eine versunkene Varietéwelt mitnahm.

veröffentlicht am 02.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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Bereits seit 150 Jahren besteht die Dynastie der Puppenspieler Sperlich, hier aktuell auf der Bühne vertreten mit Johanna und Harald Sperlich. Mit inzwischen sechs klassischen Inszenierungen, davon als letzte die jetzt in Bad Pyrmont gezeigte „Varieté Olymp“ sowie mehreren Stücken für Kinder touren sie durch den deutschsprachigen Raum. Die Geschichte eines Mordes, einer unerfüllten Liebe zwischen dem Nagelbrettartisten Emil Nada und Marie Lerire mit ihrem Reifen am Trapez, die sensibel und artistisch zum Leben erweckt werden. Die dickliche Sängerin Martha Lecoeuer und ihre Liaison mit dem Befreiungskünstler August Forti gewinnen Gestalt durch das eindringliche Spiel ihrer Fädenzieher Johanna und Harald Sperlich.

Stimmliche Differenzierung, perfekte Bewegungen der Figuren und eine punktuell genaue Lichtführung ziehen die Besucher in den Bann und leiten genau auf die themenrelevanten Aussagen hin. Zudem ist die mitgebrachte Bühne ein genau nachgebauter Mikrokosmos eines Varietés, sogar die Beleuchtungselemente sind in Größe und Aussehen dem Stück angepasst. Fast verwirrt es schon: Folgt man der Handlung der Figuren oder sieht man das Stück als eine ganzheitliche Präsentation unter Einbeziehung der beiden Protagonisten? Eigentlich egal erfüllt doch jeder Aspekt die Zuschauer mit Erstaunen, Empathie und Begeisterung. Einzelne Figuren wie etwa Pauline, die Rollschuhläuferin, Herbert Grunz, der älteste Hund der Welt, der zudem noch sprechen kann, Anton Zwetschge als quirliger Conferencier oder Mademoiselle Muckel auf einem weißen Ross entfalten ein Eigenleben, das auch jüngere Zuschauer voll in den Bann zieht. Letztlich ist es nicht die Story um einen Mord und den daraus entstandenen Verwicklungen, die begeistern. Es ist die wunderbar atmosphärische Gestaltung eines Abends, nach dem man nicht so recht weiß: Waren es die Figuren, die so fasziniert haben, oder das Zusammenspiel der beiden menschlichen Akteure mit ihren Puppen?

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