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So befreit Neurochirurgin Prof. Raphaela Verheggen ihre Patienten von der Trigeminusneuralgie

Auf den Nerv gefühlt: die OP gegen Schmerzen

Bad Pyrmont (ar). Schmerzen an sich können schon lästig sein. Noch lästiger sind sie, wenn sie im Kopf oder im Gesicht auftreten. Am schlimmsten jedoch schlagen sie zu, wenn sie durch den „Drillingsnerv“, den Trigeminus, ausgelöst werden. Dieser Nerv teilt sich, aus der Region des Hirnstammes kommend, in seine drei namensgebenden Äste auf, den Augenast oberhalb der Augenhöhle, den Oberkieferast, der entlang des Jochbeins verläuft und den Unterkieferast, der sich bis ins Kinn hinein ausbreitet.

veröffentlicht am 23.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:21 Uhr

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Als einer der stärksten Hirnnerven, dessen Enden etwa überall im Mund an Gaumen, Zunge, Zähnen und Schleimhaut verteilt sind, ebenso auch in der Nase, den Augen und der Gesichtshaut, ist er verantwortlich für Schmerzen, die von den Gepeinigten auf der zehnstufigen visuellen Analogskala meist zwischen 8 und 10 eingeordnet werden. Damit zählen die meist einseitig und blitzartig auftretenden Schmerzattacken bei einer Trigeminusneuralgie zu den stärksten Schmerzen, die Menschen erfahren können.

„Diese Attacken werden durch sogenannte Trigger-Mechanismen ausgelöst wie Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Berührungen im Gesicht oder Bewegungen der Gesichtsmuskulatur,“ erklärt Prof. Dr. Raphaela Verheggen, Chefärztin der Neurochirurgie im Bathildiskrankenhaus.

Die aus Krefeld am Niederrhein stammende Neurochirurgin ist eine ausgewiesene Kapazität in ihrem Fachgebiet und im Pyrmonter Krankenhaus die Einzige, die den Leuten nicht nur vor den Kopf schaut. Mit unglaublicher feinmotorischer Präzision, Geduld und doch hoher Operationsgeschwindigkeit blickt sie ihren Trigeminus-Patienten ins Gehirn. Denn neben der konservativen Behandlung mit Medikamenten und Spritzen, bei der langfristig sogar mit einer 50-prozentigen Resistenz gerechnet werden muss, hat sich seit ihrer Entwicklung in den USA im Jahr 1967 eine relativ schonende Operationsmethode etabliert.

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  • „Eine Hirnoperation verzeiht keine Fehler“, sagt Prof. Raphaela Verheggen. Eine ihrer Spezialitäten ist die Operation von Patienten mit schmerzhafter Trigeminusneuralgie. Foto: ar

Mit der Übernahme dieser Methode hat Prof. Verheggen das Therapie-Spektrum um die Behandlung der klassischen Trigeminusneuralgie am Bathildiskrankenhaus erweitert. Zunächst wird der Patient in der „Park bench position“ (Parkbank-Position) bäuchlings gelagert, rundherum fest abgepolstert und der Kopf in der „Dornenkrone“ fixiert. Durch eine nur etwa 1,5 Zentimeter kleine Schädelöffnung hinter dem Ohr dringt die Neurochirurgin dann mit teils speziell angefertigten Instrumenten in den Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels vor. „Dort wird bei 70 bis 100 Prozent der Patienten ein krankhafter Kontakt von Blutgefäßen und Nerven festgestellt,“ sagt sie. „Der führt zu einer Kompression, die alleine durch den Pulsschlag eine Reizung bis hin zu Schmerzattacken erzeugen kann.“ Durch die winzige Öffnung befreit sie den deutlich sichtbaren Nerv von den Druck ausübenden Gefäßen, verlagert sie in einige Entfernung und verhindert mittels eingeschobener Teflonplättchen als Abstandhalter den Kontakt zwischen Nerv und Gefäß. Dann wird die OP-Stelle mit Fibrinkleber fixiert, das Schädelloch mit Knochenzement verschlossen, die Kopfhaut wieder vernäht, und nach etwa zwei Stunden ist die Operation beendet. Bereits nach dem Aufwachen sind viele Patienten schmerzfrei.

Bei aller Professionalität hat Vorsicht jedoch Priorität. „Man muss alle Hirnnerven zart behandeln,“ mahnt Raphaela Verheggen. „Manche braucht man nur anzugucken, dann sagen sie ‚Tilt‘. Eine Hirnoperation verzeiht keine Fehler.“

Immerhin beträgt die Erfolgsquote 90 Prozent. Nach zehn Jahren immer noch 70 bis 80 Prozent der Patienten beschwerdefrei.

Wenn Blutgefäße und Nerven zu eng beieinanderliegen, kann das heftigste Schmerzen auslösen. Prof. Raphaela Verheggen – hier bei einer Gehirn-OP im Bathildiskrankenhaus – kann bis zu 90 Prozent der Betroffenen von ihrer Qual befreien.

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