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Wie Dr. Dieter Alfter die Bewerbung für das Weltkulturerbe vorbereitet und was er davon erwartet

Auf dem Weg in die Champions League?

Bad Pyrmont. Der Plan der Stadt Pyrmont, 1790 gezeichnet von Dammert und Cöntgen, zeigt eine klare Struktur, geprägt vom vollendeten Alleensystem mit Hauptallee, Klosterallee, Schlossallee, Bombergallee, Ballhausallee und der Neuen Allee, die später in Hylligen-Born-Allee umbenannt wurde. Außerdem sind das Obere Bosquet samt Bassin und die Schlossinsel zu erkennen. Das Bild ist vertraut. Der Grund liegt auf der Hand. „Im Wesentlichen ist dieses Alleensystem genau so bis heute erhalten geblieben“, sagt Dr. Dieter Alfter. Der Museumsleiter und Kunsthistoriker ist nicht nur städtischer Fachgebietsleiter Kultur, sondern sozusagen auch Weltkulturerbe-Beauftragter Bad Pyrmonts. Er kümmert sich darum, dass die Kurstadt mitmachen darf im Reigen der europäischen Kurbäder von Rang, die sich unter der Führung von Karlsbad und unter der Fahne von Tschechien im nächsten Jahr um den begehrten Titel gemeinsam bewerben wollen.

veröffentlicht am 08.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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Mit einer 76-seitigen Broschüre, verfasst in Englisch und Deutsch, will er begründen, warum Bad Pyrmont in diesen Kreis gehört. Am 5. September wird er die Dokumentation bei einer Tagung der Expertengruppe der beteiligten „Great Spas of Europe“ in Wiesbaden abliefern. Am 19. September wird Bürgermeisterin Elke Christina Roeder nach Bad Kissingen reisen, um dort vor den Bürgermeistern der beteiligten Bäder die Bewerbungsrede zu halten. Die Architektur Bad Pyrmonts, also das materielle Erbe alleine, dürfe nach Ansicht Alfters kaum für eine erfolgreiche Bewerbung ausreichen, auch wenn das Alleensystem einzigartig ist. Darum werde es auch um die Bedeutung Bad Pyrmonts im 18. Jahrhundert als Ort von europäischem Rang gehen, in dem sich Fürsten und Könige, Dichter und Denker getroffen haben, also um das immaterielle Erbe der Stadt. „Es war die Zeit der Natur und der Bewegung, Theater und Musik wurden auf einem hohen Niveau angeboten, so wie es heute bei uns noch ist“, so der Museumsleiter, der für die Bewerbung Bad Pyrmonts Beitrag zur Entwicklung des Badewesens in Europa ins rechte Licht rücken und auch Perspektiven für das 21. Jahrhundert skizzieren wird.

Doch was hat Bad Pyrmont davon, Weltkulturerbestätte zu sein? Kommen die Gäste dann in Scharen? Bei der Deutschen Zentrale für Tourimus (DTZ) weiß man, dass Weltkulturerbestätten von der Anerkennung profitieren, vor allem durch ausländische Gäste. Deutschland sei in den letzten Jahren im Kulturtourismus schneller gewachsen als andere Länder, sagt Petra Hedorfer von der DTZ. „Rund 10 Prozent aller Kulturreisen führen nach Deutschland, dem Land mit den meisten Welterbestätten.“ Damit wird aber auch deutlich, dass die Konkurrenz im eigenen Land groß ist. „Die Neugierde wird auf jeden Fall größer“, zeigt sich Alfter überzeugt, dass die Anstrengungen sich lohnen. „Aber in erster Linie würde damit deutlich, dass wir als Kurort in der Champions League der Bäder spielen. Das ist für das Image der Stadt sehr wichtig und kann helfen, an die große Zeit Bad Pyrmonts anzuknüpfen.“

Geld zahlt die UNESCO übrigens nicht an die Weltkulturerbestätten. Zum einen erleichtert das Renommee des Titels die Hilfe privater Stiftungen. Zum anderen lockt der Welterbe-Topf des Bundes. Für den Zeitraum von 2009 bis 2014 hatte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung insgesamt 220 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um Projekte in mehr als 60 Welterbekommunen zu fördern. Voraussichtlich wird es auch für den neuen Zeitraum wieder einen Fördertopf geben. Sich um Projekte zu kümmern, so meint der Museumsleiter, sei dann Sache der Politik (siehe auch zum Thema).

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  • Dr. D. Alfter

Doch für Alfter gibt es noch einen anderen Aspekt. „Der Titel würde auch nach innen wirken, ähnlich wie bei der Expo 2000“, glaubt er. „Die Weltausstellung hat ganz viele Dinge in die Stadt hineingetragen und hat das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bad Pyrmonter gestärkt. Das könnte sich mit dem Weltkulturerbe wiederholen“, so seine Hoffnung. „Außerdem gehen wird damit eine Verpflichtung ein, unser historisches Erbe zu bewahren.“ Nicht jede Weltkulturerbestadt handelt danach, wie das Beispiel von Dresden zeigt. Und auch Bad Pyrmont hat sich im Umgang mit historischen Bauwerken und seiner Bäderarchitektur in den letzten Jahrzehnten nicht mit Ruhm bekleckert.

Dass die Dauerausstellung im „Museum im Schloss“ im nächsten und im übernächsten Jahr umgestaltet werden soll, sieht Alfter als Glücksfall. „Das passt gut zu unserer Bewerbung, mit der wir ein Ausrufezeichen setzen wollen.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass Bad Pyrmont aus der transnationalen Bewerbung herausfällt. „Ich denke, wir sind dabei.“



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