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Nur drei Frauen aus der AWO-Kita sind organisiert, aber alle zehn demonstrierten in Blomberg mit

Auch Erzieherinnen aus Lügde im Warnstreik

Lügde/Blomberg (jl). Was tun, wenn der Kindergarten dicht ist, weil die Erzieherinnen streiken? Mit dieser Frage sahen sich in Lügde jetzt die Eltern in der AWO-Kindertagesstätte „Tausendfüßler“ konfrontiert. Denn gestern war der Laden wegen eines Warnstreiks komplett dicht.

veröffentlicht am 16.11.2010 um 21:18 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:21 Uhr

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – sonst gehen bei uns die Laternen aus“ oder „Wir sind hier, wir sind
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„Als wir die Eltern informiert haben, waren ein paar von ihnen schon erst ratlos“, sagt Manuela Brandt, die sich die Kita-Leitung mit Katrin Schrader teilt. „Aber dann haben sie sich doch organisiert.“

Am einfachsten war das, wenn Großeltern, andere Verwandte oder Freunde einspringen konnten. Manche Eltern jedoch mussten einen Tag ihres Urlaubs abknapsen, weil sich niemand zur Beaufsichtigung ihres Nachwuchses fand. Anfragen nach einer eintätigen „Not-Aufnahme“ einzelner Kinder etwa in der städtischen Kita „Pusteblume“ gab es allerdings nicht.

Bei allen Unannehmlichkeiten und logistischen Herausforderungen – „aus den Reihen der Eltern haben wir aber auch viel Zuspruch bekommen“, sagt Kita-Chefin Brandt. Was längst nicht jeder weiß: Die AWO zahlt ihren Erzieherinnen noch weniger als zum Beispiel die Kommunen. Deshalb fordert die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine Erhöhung der monatlichen Tabellenentgelte um 4,5 Prozent, mindestens aber um 70 Euro. Zudem stehen unter anderem bessere Altersteilzeitregeln, Überstundenzuschläge für Teilzeitkräfte, eine Einschränkung von Zeitverträgen und Leiharbeit, die Übernahme nach der Ausbildung und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 50 Euro monatlich auf dem Forderungskatalog.

„Leiharbeit haben in unserer Kita nicht“, sagt Manuela Brandt. Aber immer mehr Kolleginnen hätten Zeitverträge. Das werde mit der schlechten Planbarkeit wegen des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) erklärt, laufe aber der eigentlich gewünschten Kontinuität zuwider und beeinträchtige nicht zuletzt auch die Lebensplanung der Erzieherinnen.

Von den Lügder AWO-Kita-Mitarbeiterinnen sind zwar nur drei in der Gewerkschaft organisiert. Und doch traten gestern alle zehn Frauen in den eintägigen Warnstreik und fuhren zur Kundgebung nach Blomberg. Dort trafen sie mit knapp 500 anderen Frauen und einigen Männern aus dem AWO-Bezirksverband OWL zusammen, um vor Beginn der vierten Verhandlungsrunde am Tagungsort der Tarifparteien zu demonstrieren.

Doch soviel Krach die AWO-Beschäftigten mit ihren Trillerpfeifen, Rasseln und Klappern auch schlugen – das ganz große Publikum hatten sie nicht. Denn das AWO-Ferienheim, wo die Verhandlung am Nachmittag begann, liegt idyllisch am Rand von Blomberg. So dürfte der Marsch streckenweise nur ein paar Spaziergänger und Waldtiere verwirrt haben.

Die Demonstrierenden ficht das jedoch nicht an. „Wir haben alle an einem Strang gezogen. Das war sehr motivierend“, sage Manuela Brandt. „Ich bin zufrieden nach Hause gegangen.“

Heute zieht nach dem kurzen Ausstand wieder der Alltag in der Lügder Sonnenhof-Kita ein. In Blomberg soll derweil weiter verhandelt werden. Sollten sich die AWO und ver.di nicht einigen, wären allerdings weitere Streiks möglich. Laut Gewerkschaft sind die beschäftigten jedenfalls dazu entschlossen.



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