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Zum 70. Geburtstag

Arbeiten beim Staatsbad: Mitarbeiter werfen Blick zurück

BAD PYRMONT. 70 Jahre wird das Staatsbad Pyrmont alt. Das wird am Sonntag groß gefeiert. Das landeseigene Unternehmen ist mit 190 Mitarbeitern einer der großen Arbeitgeber Bad Pyrmonts. Wie sehen sie ihr Unternehmen und ihre Arbeit? Ein ehemaliger und zwei aktive Beschäftigte werfen einen Blick zurück.

veröffentlicht am 17.08.2017 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 17.08.2017 um 22:20 Uhr

Reiner Leitsmann stellt Dagmar Thoms aus Bad Pyrmont und ihrer Freundin Hannelene Arand aus Berlin den Palmengarten im Kurpark vor. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Als Heinz Gustav Wagener, damals Kurdirektor in Bad Pyrmont, 1999 von einer Versammlung des Deutschen Bädertags zurück in seinen Heimatort kam, empfing ihn das Grauen: Die Hufelandtherme, 1976 eröffnet und eine der Attraktionen des Kurorts, stand in hellen Flammen. „Ich habe nur eben meinen Koffer abgestellt und bin dann gleich zur Therme. Es war ganz schrecklich. Wir waren alle am Boden zerstört. Noch heute habe ich das Knacken der vielen berstenden Dachpfannen im Ohr“, erinnert sich Wagener.

Diese Brandkatastrophe sei ohne Frage das schlimmste Erlebnis seiner Zeit in Bad Pyrmont gewesen. Der Wiederaufbau und die Einweihung der neuen Therme 2001 gehöre indes zu den besonders schönen Momenten, an die der Ex-Kurdirektor gerne zurückdenkt. 1971 war Heinz Gustav Wagener, Jahrgang 1938, nach dem Besuch der Wirtschaftsakademie Göttingen als Finanzchef und stellvertretender Kurdirektor nach Bad Pyrmont gekommen. Ein Jahr später wurde er kommissarisch Kurdirektor, 1973 dann auch offiziell. Und er blieb es bis zu seinem Ruhestand 2003. Ein Job, den Wagener noch heute in seiner gewohnt humorigen Art als den „zweitschönsten nach dem Papst“ bezeichnet. „Es war eine tolle Zeit, und ich denke, ich habe Pyrmont so hinterlassen, dass jeder damit arbeiten konnte.“

In seine Ära fielen die Eröffnung der komplett restaurierten Schlossanlage mit dem Museum (1987) und umfangreiche Neubau- und Sanierungsmaßnahmen des Staatsbades mit Königin-Luise-Bad, Klinik „Fürstenhof“, Konzerthaus und Steigenberger (1989-1993). Vieles habe er gemeinsam mit Ernst Georg Hüper, Hauptgeschäftsführer der Niedersächsischen Bädergesellschaft, oder als „Einzelkämpfer“ persönlich regeln können, betont Wagener.

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Sabine Gerhard im Einsatz am Beckenrand. Foto: Hei

Als Meilenstein für Bad Pyrmont sieht er nach wie vor den Bau der Klinik Fürstenhof, wie er sich überhaupt für eine Kurortbezogene Reha stark macht. „Rehakliniken gibt es jetzt überall, aber es ist wichtig, dass die örtlichen Heilmittel eingebunden werden und das balneologische Konzept speziell auf den Kurort ausgerichtet ist. Das muss wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden“, sagt Wagener, der heute als Leiter der Service-Agentur Niedersachsen im Niedersächsischen Heilbäderverband ehrenamtlich Kurorte berät.

Viele bekannte Künstler und Politiker hat er im Laufe seiner Dienstjahre begrüßt. Besonders beeindruckt habe ihn der weltberühmte Geiger Yehudi Menuhin, und mit Joopi Heesters hat er einen netten Abend verbracht. Etwas wehmütig erinnert Wagener sich an die Zeit, als das Kurorchester Mario Traversa viele Gäste nach Bad Pyrmont zog. „In dieser Liga spielen heute andere Kurorte, wie zum Beispiel Bad Füssing“. Auch was das übrige Kulturprogramm angehe, habe Bad Pyrmont noch „Potenzial nach oben“, meint er. Da müsste der Ort mehr „mit allen Pfunden wuchern“, übt Wagener zurückhaltend Kritik. Die Theater Companie allerdings besucht er gerne. Dazu kommt er dann aus Reinerbeck, wo er jetzt mit seiner Frau wohnt; „weit genug weg von Bad Pyrmont, aber nah genug dran“.

In den Ruhestand geht in den nächsten Jahren Reiner Leitsmann (60), seit 1972 Gärtner beim Staatsbad. „Das ist wie meine Familie“. Dort wurde er ausgebildet, dort hat er, unterbrochen nur von seiner Bundeswehrzeit, 45 Jahre gearbeitet. „Ich erinnere mich noch an die Zeit als im Bergkurpark, wo jetzt die Therme steht, im Frühjahr Felder mit Stiefmütterchen waren. Dort wurden die Blumen groß gezogen und dann im Park angepflanzt“, erzählt der Gärtner.

Anfangs hatte er etwa 40 Kollegen, heute sind es 13 Angestellte, die den Kurpark pflegen und die Palmen betreuen. Wegen der Kurkrise, aber auch, weil Technik eine größere Rolle spielt, meint Leitsmann. „Früher war zum Beispiel der Palmentransport Handarbeit und eine echte Quälerei, jetzt geht es mit Gabelstaplern und Pritschenwagen viel leichter“, sagt Leitsmann, der seit 1980 speziell für den Palmengarten zuständig ist. Dort macht er regelmäßig Führungen und hat viel Kontakt mit den Besuchern.

„Sicher gibt es kategorische Nörgler, aber die meisten Gäste sind freundlich und interessiert“. Was ihn jedoch ärgere, sei mangelndes Umweltbewusstsein: „Man glaubt es kaum, wie viel Unrat die Leute in die Schlossgraft werfen. Das gab es früher nicht“. Dass sich auch im Kurpark manches geändert hat („Der Palmengarten war früher mehr als Urwald angelegt, heute hat er eine klare Struktur“), akzeptiert der dienstälteste Gärtner: „Jede Zeit hat ihren Geschmack“. Auch wenn sich jetzt manchmal sein Rücken bemerkbar mache und die Arbeit erschwere, könne er doch noch mit den jüngeren Kollegen mithalten, betont Reiner Leitsmann, der sich mit viel Sport in der Freizeit fit hält. Beim Aktionstag zum 70. Geburtstag des Staatsbades führt Reiner Leitsmann um 11.30 Uhr und um 13.30 Uhr durch den Palmengarten.

Um Sport, allerdings in beruflicher Teilzeitarbeit, dreht sich weitgehend das Leben von Physiotherapeutin Sabine Gerhard (55). Seitdem sie 1988, nach ihrer Tätigkeit in einer Münchener Klinik und bei der Bundeswehr, zum Staatsbad kam, habe sich einiges in ihrer Tätigkeit verändert, erzählt sie. Gab es damals nur Trocken- und Wassergymnastik, so sind jetzt zum Beispiel auch Pilates sowie Meditation und Massage mit Klangschalen gefragt. Diese Übungstechniken hat sich Sabine Gerhard in Fortbildungskursen angeeignet. Waren es früher oft zehn Behandlungseinheiten für die Kurgäste, so werden heute meist nur noch sechs verordnet, und aus 30 Minuten pro Anwendung sind nur 20 Minuten geworden.

Dieses gestraffte Zeitraster sei zwar manchmal belastend, räumt Sabine Gerhard ein, und es sei oft auch nicht leicht, die Balance zu finden zwischen den Ansprüchen Einzelner und der Gruppe. Dennoch übe sie ihren Beruf nach wie vor sehr gern aus, weil die Arbeit vielseitig und interessant sei. „Der Job beim Staatsbad ist das Beste, das mir passieren konnte“, zeigt sich die Physiotherapeutin nach wie vor überzeugt. Beim Aktionstag am Sonntag wird sie um 14.20 Uhr und um 16.20 Uhr auf der Wiese vorm Parkpalais Pilates demonstrieren.

Information

Überall im Staatsbad ist Sonntag was los

Entsprechend dem Leitbild des Unternehmens präsentiert das Staatsbad am Sonntag, 20. August, ab 9 Uhr ein großes Programm in allen Betriebsteilen des Unternehmens unter dem Motto „Partner für Gesundheit und Lebensfreude“. Überall im Staatsbad ist etwas los, vom Kurpark bis zur Therme, vom Konzerthaus bis zur Schlossinsel, von der Klinik bis zur Wandelhalle. Als besonderes Geburtstagsgeschenk für alle Gäste ist der Zugang zum Kurpark an diesem Tag kostenlos und die Hufeland-Therme gibt 50 Prozent Rabatt auf alle Eintrittspreise.

Im Kurpark erwarten die Besucher interessante Informationen zur Parkpflege und Führungen zu den grünen Schätzen des historischen Parks. Dazu kommen Fitness-Angebote unter freiem Himmel, wie Yoga, Body Balance Pilates, Life Kinetik und Walking mit Kurdirektor Maik Fischer. „Pyrmont Classics“, ein Wunschkonzert und ein Opernabend mit Werken von Albert Lortzing und Carl Maria von Weber stehen für das musikalische Angebot. Eigens für den Geburtstag des Staatsbades hat die Pyrmonter Theater Companie eine Revue geschrieben. Titel: „Hallo, sind Sie hier auch zur Kur?“ (Goldfischteich).

Vorträge zu den Fragen „Wie erhalte ich eine Kur, wie werden die kurortspezifischen Heilmittel eingesetzt“ und über das Unternehmen Staatsbad halten Christian Meijerink und Kurdirektor Maik Fischer. Ergänzt werden diese Informationen mit Arztvorträgen von Dr. Martin Gehlen und Dr. Michael Schwarz-Eywill zu den Themen Fibromyalgie und Rheuma. Einen Blick hinter die Kulissen der Rehaklinik Fürstenhof gewährt Klinikleiterin Viola Steffen, hinter die des Konzerthauses und des großen Schlosshofes Veranstaltungsleiterin Silke Schauer.

In der Hufeland-Therme gibt es zahlreiche Fitness- und Bewegungsangebote und Informationen.uk



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