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Eine der letzten „echten“ Badefrauen geht in den Ruhestand

„Anneliese, worauf hast du dich bloß eingelassen?“

Bad Pyrmont. „An meinem ersten Tag stand ein nackter Mann vor mir – natürlich wartete er nur auf sein Moorbad. Aber ich dachte: Anneliese, worauf hast du dich da bloß eingelassen?“ Fast wäre der erste Berufstag von Anneliese Wendt ihr letzter gewesen. Doch sie blieb und so verliert Bad Pyrmont nach 28 Jahren eine der letzten „echten“ Badefrauen.

veröffentlicht am 20.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 13:41 Uhr

Anneliese Wendt an ihrem bisherigen Arbeitsplatz. Foto: stef

Autor:

Stefanie Hertel
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„Ich bin ein Urgestein, heute werden Badefrauen gar nicht mehr ausgebildet“ erzählt die 61 Jahre alte Anneliese Wendt, die jetzt von Kurdirektor Heinz-Hermann Blome in den Ruhesand verabschiedet wurde. Vor 30 Jahren begann sie in der Fürstenhofklinik ihre Arbeit als Badewärterin. „Heute lernen Masseure in ihrer Ausbildung das Handwerk der Moorbäder,“ erklärt sie. „Ich wurde damals kurz angelernt, mein Vorgesetzter prüfte mich und fertig. So ginge das heute gar nicht mehr.“ Ihr Traumberuf war Badefrau eigentlich nicht. „Es ist ein harter Job mit schwerer körperlicher Arbeit“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. „Für viele bedeutet Moorbaden nur reinsetzten, rausklettern, duschen und fertig. Was keiner sieht, ist die Reinigung danach“, schmunzelt sie. „Das ist richtig schlimm.“ So verbinde sie nach drei Jahrzehnten Arbeit als Badefrau vor allem eins mit dem Moor: „Rückenschmerzen“. „Nein, nein, ganz so schlimm ist es nicht“, lacht sie. „Natürlich verbinde ich mit dem Moor zuerst das Positive, nämlich eine wirklich guttuende, wohlige Wärme.“

Doch sorgte die braune Masse nicht selten für böse Überraschungen. „Jede Badefrau hat in ihrem Leben mindestens einen Moorüberlauf, das ist die größte Schweinerei, die es im Leben gibt – Spritzer bis an die Decke.“ Auch so manch ein Patient sorgte für ganz schöne Verschmutzungen „Man kann schließlich so oder so aus der Wanne auftauchen“, erzählt die Badefrau lachend. Heute schaut Anneliese Wendt gerne auf ihre Berufszeit zurück: „Es war hart, aber ich bin froh, dass ich vielen Patienten helfen konnte.“

In der Fürstenhof-Klinik war „Lieschen“, wie die Ottensteinerin liebevoll von ihren Kollegen genannt wurde, nicht nur für Moorbäder zuständig. Auch Moorpackungen, Mineralbäder, kneippsche Güsse und CO 2-Bäder lagen in ihrem Bereich, ebenso wie die Sole-Vaginal-Spülung. „ Das ist schon sehr privat, man braucht eine gewisse Reife, Ruhe und muss Vertrauen ausstrahlen“, erklärt Wendt. „Definitiv kein Job für ein junges, hibbeliges Ding.“ „Außerdem nicht einfach und wirklich nicht jedermanns Sache“, stellte die Personalchefin Bettina Potthast anlässlich der Verabschiedung fest. Und Kurdirektor Blome ergänzte: „Sie waren die Mutter der Kompanie.“



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