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Pestalozzischule könnte die Stadt nur noch 700 000 Euro kosten – für einen Kindergarten

Ankauf zum Schnäppchenpreis?

Flüchtlinge in der Pestalozzischule? Unter Anwohnern regte sich bei dieser Aussicht Unmut – obwohl in dem leerstehenden Gebäude gegenüber der Holzhäuser Grundschule laut Kreisverwaltung nur Familien wohnen sollen. Jetzt hat die Stadt Bad Pyrmont eine andere Idee: In das Haus könnte ein Kindergarten einziehen.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. Knicken die heimischen Politiker – knapp sieben Monate vor den Kommunalwahlen – vor der Fremdenangst von Bürgern ein, die sie nicht als Wähler verlieren wollen? Darauf könnte man fast kommen. Denn Drohungen à la „Wahltag ist Zahltag“ fressen sich langsam in die Mitte der Gesellschaft. Darauf spekulieren jedenfalls die Hetzer.

Wer nach möglichen Auslösern für die jüngsten Überlegungen zur Umnutzung der leer stehenden Pestalozzischule im Pyrmonter Stadtteil Holzhausen fragt, bekommt zumindest offiziell noch keine klaren Antworten. „Es ist gerade alles in der Schwebe“, sagt ein Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Dabei schien in Sachen Pestalozzischule bisher alles klar: Der Landkreis Hameln-Pyrmont wollte das 2004 für drei Millionen Euro als Förderschule errichtete Gebäude für etwa 550 000 Euro umbauen lassen, um zehn Flüchtlingsfamilien mit Wohnraum zu versorgen. Eine Kreistagsmehrheit beschloss das im Dezember (wir berichteten). Die Nutzung des eigenen Leerstands erspare dem Kreis den Ankauf anderer Gebäude, hieß es zur Begründung. Dass die Stadt Bad Pyrmont andere aussichtsreiche Ideen zur Verwendung des architektonisch anspruchsvollen Hauses hätte, wurde seit der Schließung der Förderschule im Sommer nicht publik.

Als dann jedoch der Umbau für Flüchtlingsfamilien im Raum stand und die Ersten sich aus diesem Anlass um den sozialen Frieden im Viertel sorgten, suchten die Pyrmonter weiter nach anderen Möglichkeiten. Anfang Dezember forderte CDU-Fraktionschefin Ursula Körtner die Stadtverwaltung mit Blick auf den Hamelner Plan zum Gegensteuern auf (wir berichteten). Wenig später kritisierten dann Einwohner bei einer Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlingsunterbringung die Umbau-Idee für das ehemalige Schulhaus. Andere regten dort die Einrichtung eines Bildungs- und Integrationszentrums an. Kreisrätin Petra Broistedt versprach da zwar, darüber nachzudenken. Drei Tage später betonte sie jedoch gegenüber dieser Zeitung extra noch einmal, die Pestalozzischule werde auf jeden Fall als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien genutzt. Bis zum Sommer sollten darin zehn Wohnungen entstehen. „Wir werden aber darüber nachdenken, ob wir den Eingangsbereich für ein Integrations- und Bildungszentrum nutzen können“, sagte sie.

Die Idee zur Kita-Nutzung könnte den Kreis-Plan nun über den Haufen werfen, scheint es. Denn Bedarf an weiteren Kinderbetreuungsplätzen gibt es durchaus – nicht zuletzt aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingsfamilien.

Da das Thema bisher nur hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, will offiziell niemand Stellung nehmen zu dem Meinungsumschwung. Beschließen müssen auch darüber ohnehin die Politiker.

„Es gibt den Vorschlag der Stadt Bad Pyrmont, das Gebäude künftig für die Bereiche Schulen/Kinderbetreuung zu nutzen und es deshalb vom Landkreis zu erwerben“, heißt es auf Anfrage aus dem Kreishaus. Diesen Vorschlag prüfe die Kreisverwaltung nun.

Was den Kauf der Schule für die Stadt nun offenbar attraktiv macht: Statt der früher aus Hameln genannten rund eineinhalb Millionen soll das Haus nun plötzlich nur noch knapp die Hälfte kosten: 700 000 Euro. Weil die Kinderbetreuung wegen des einklagbaren Anspruchs zu den Pflichtaufgaben zählt, stünde einem Ankauf wohl nicht einmal die Haushaltssicherung im Weg.



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