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Entwarnung

Amok-Alarm war technische Störung

BAD PYRMONT. Ein Amok-Alarm in der Max-Born-Realschule hat am Mittwochvormittag in Bad Pyrmont für Aufregung gesorgt und einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Nach einer Stunde stand fest: Eine technische Störung hat zu einem Fehlalarm geführt.

veröffentlicht am 19.10.2016 um 12:42 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:19 Uhr

Ulrich Behmann

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Lehrer und Schüler konnten aufatmen. Bereits während der Erkundung der zunächst unklaren Lage hatte die Polizeiinspektion einen Defekt vermutet. Die mutmaßliche Amok-Lage wurde jedoch weiter wie ein Ernstfall behandelt.  

Der Alarm war um 11.45 Uhr ausgelöst worden – eine Stimme vom Band forderte Lehrer und Schüler per Endlosschleife auf, wegen einer Bedrohungslage in ihren Klassenräumen zu bleiben. Zimmertüren wurden von innen verschlossen und zusätzlich mit Tischen und Stühlen verbarrikadiert.  Weil Schulleiterin Barbara Wendeln-Henke die Lage nicht einschätzen konnte, informierte sie die Polizei. Die Leitstelle zog Kräfte zusammen. Sechs Streifenwagen aus Bad Pyrmont, Aerzen und Hameln fuhren zur Schule, um die Gebäude zu durchsuchen. Notarzt und Rettungsdienst standen vorsorglich in Bereitschaft. „Da die Ursache für die Alarmauslösung nicht sofort erkennbar war, sind wir von einem Ernstfall ausgegangen“, erklärt der Sprecher der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden Jens Petersen. Die 375 Realschüler „waren ruckzuck“ in ihren Klassenzimmern. „Die Kollegen und die Schüler haben vorbildlich reagiert“, sagt die Schulleiterin.

Sprachdurchsage in der Schule


Kurze Zeit später wurden auch im benachbarten Humboldt-Gymnasium Lehrer und Schüler aufgefordert, die Klassenräume nicht zu verlassen, obwohl es dort keine Amok-Alarmierung gegeben hatte. „Die Einsatzleitung hat uns gebeten, eine Durchsage zu machen“, erzählt Schulleiterin Dr. Barbara Conring. Sie habe daraufhin über die Lautsprecheranlage verkündet, dass es in der Realschule eine „unklare Sicherheitssituation gibt“. Sie sei beeindruckt, wie gut alles in ihrer Schule geklappt habe, sagte Dr. Conring. Nicht ein einziger der gut 700 anwesenden Schüler sei rausgegangen. „Alle haben sich an die Regeln gehalten.“ Die Lehrer hätten vor allem die Jüngeren beruhigt und professionell betreut.

Die Polizisten gaben um 12.40 Uhr Entwarnung. „Es konnten keine Feststellungen getroffen werden, die einen Ernstfall bestätigen würden“, sagte Oberkommissar Petersen. Ein Techniker sei angefordert worden, um das Alarmsystem auszulesen und die Ursache für die Fehlalarmierung festzustellen. „Ich bin sehr froh, dass es keine echte Bedrohungslage gab“, sagte die Leiterin der Max-Born-Realschule sichtlich erleichtert.

Während der zunächst unklaren Situation brodelte die Gerüchteküche. Mal war von einem SEK-Einsatz die Rede, mal von einem Schüler, der einen Lehrer mit einer Waffe bedroht habe. Alles stellte sich als falsch heraus. Ein Vater zeigte sich im Gespräch mit der Dewezet enttäuscht über das Verhalten eines Polizeibeamten. „Meine Tochter hatte mich darüber informiert, dass die Tür ihres Klassenzimmers wegen eines Amok-Alarms verbarrikadiert wurde. Da macht man sich Sorgen. Ich habe deshalb das Kommissariat in Bad Pyrmont angerufen und dort gefragt, was los ist. Als Antwort bekam ich nur: ,Wir geben keine Auskünfte. Machen Sie die Leitung frei‘. Dann wurde einfach aufgelegt“, erzählt Rüdiger Tegtmeyer – und meint: „Das geht gar nicht – auch nicht in einer angespannten Einsatzsituation. Das ist alles andere als eine bürgerfreundliche Polizei.“

In der sogenannten "heißen Phase", also zu Beginn des Einsatzes seien zahllose Anrufe, unter anderem von besorgten Eltern, in der Wache der Polizei Bad Pyrmont eingegangen, sagte Inspektionssprecher Petersen – und erklärt: „Das Polizeikommissariat verfügt nur über eine Direktleitung, die auch zur Einsatzbewältigung genutzt und dringendst benötigt wird. Da in der Anfangsphase keine detaillierten Auskünfte herausgegeben werden konnten, wurden eingehende Anrufe mit knappen, aber deutlichen Auskünften beantwortet. Diese knappen Antworten erscheinen besorgten Eltern möglicherweise nicht ausreichend oder sogar unhöflich zu sein.“ Man könne nachvollziehen, dass sich Eltern, die von ihren Kindern aus dem Klassenzimmer heraus benachrichtigt wurden, Sorgen machen. Allerdings sollte ein jeder auch verstehen, „dass die Einsatzbewältigung in dieser Phase im Vordergrund steht und nicht gegenüber  jeder Einzelperson weitreichende Auskünfte gegeben werden können“, sagte Petersen.



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